https://www.faz.net/-gv6-qt4a

Investmentfonds : Weltweit anlegen mit ETFs

  • -Aktualisiert am

Bild: Quelle: Bloomberg

S&P präsentiert eine Auswahl an Exchange Traded Funds (ETFs), mit denen sich das internationale Engagement ausweiten lässt, ohne dabei zu tief in die Tasche greifen zu müssen.

          5 Min.

          Auch für 2007 wird gemeinhin damit gerechnet, dass internationale Aktien ihre amerikanischen Pendants - im nunmehr sechsten Jahr in Folge - in den Schatten stellen. Doch selbst nach einer derart langen Gewinnsträhne ist es nie verkehrt oder zu spät, dem Expertenrat zu folgen und für eine angemessene internationale Ausrichtung des Portfolios zu sorgen, die nach Analystenmeinung mit einem Anteil von 20 Prozent des Gesamtbestands zu gewichten ist. Börsengehandelte Fonds, so genannte ETFs, können ein intelligenter und kostengünstiger Weg zu einem global diversifizierten Portfolio sein.

          Auf dem Spielfeld internationaler Aktien scheint die Markterfahrung der Fachleute ein Erfolgsgarant zu sein. Die Zahlen sprechen jedoch eine andere Sprache. So übertraf der S&P/Citigroup PMI World Index im vergangenen Jahr 58 Prozent der aktiv verwalteten globalen Fonds, während der S&P/Citigroup PMI World ex US Index 50,5 Prozent der internationalen Fonds überflügelte. Und auch der S&P/IFCI Composite Index ließ 75 Prozent der aktiv verwalteten Schwellenländerfonds hinter sich.

          Wie bei einem Indexfonds, so liegt auch einem ETF ein Korb von Aktien zugrunde, der einen Index nachbildet, dabei aber wie eine Aktie börsentäglich jederzeit handelbar ist. Viele Experten schätzen ETFs wegen ihrer geringen Kosten. Internationale ETFs sollten jedoch mit der nötigen Vorsicht genossen werden, da sie in Märkte investieren, die mitunter recht volatil sein können. Daneben fallen bei diesen Fonds im Unterschied zu Investmentfonds mit jeder Transaktion Brokergebühren an, weshalb sie wahrscheinlich weniger gut für Anleger geeignet sind, die häufige Trades oder regelmäßige monatliche Einzahlungen planen.

          Bild: Quelle: Bloomberg

          Davon abgesehen sind ETFs aber eine bequeme Möglichkeit, sich in ausländischen Aktien zu engagieren. Nachfolgend erhalten Anleger einige Tipps zu internationalen ETFs, die sich als solide Portfolio-Beimischung erweisen könnten.

          Die Basisanlage

          Als Einstieg für global orientierte ETF-Anleger bietet sich nach Ansicht einiger Finanzplaner etwa der iShares MSCI EAFE Index Fund an. Dieser ETF bildet einen weit verbreiteten Index für ausländische Aktien entwickelter Länder ab und umfasst Unternehmen aus Europa, Australien und Asien. In dem Portfolio mit über 800 Positionen und einem Investitionsvolumen von 37,1 Milliarden Dollar finden sich unter anderem Namen wie BP, HSBC und Toyota.

          Die breite Diversifizierung des iShares MSCI EAFE Index Fund ist ein schneller und einfacher Weg zur Ausweitung Ihres Auslandsengagements. „Für mich ist er das internationale Gegenstück zum S&P-500“, sagt Georgia Bruggeman, Gründerin des amerikanischen Finanzplaners und Vermögensverwalters Meridian Financial Advisors, und ergänzt: „Dieser ETF ist die erste Adresse für Anleger und sollte das Fundament eines jeden Portfolios bilden.“

          Mit einer durchschnittlichen Jahresrendite von 14,38 Prozent in den vergangenen fünf Jahren liegt dieser ETF nach Angaben von Standard & Poor's geringfügig vor Fonds mit vergleichbarem Anlagestil. Paul Winter, Manager von Five Seasons Financial Planning aus Salt Lake City, schätzt bei diesem ETF auch die niedrigen Verwaltungsgebühren von jährlich 0,35 Prozent sowie seine steuerlichen Vorteile. „Es wurden bislang keine Erträge ausgeschüttet“, merkt Winter an.

          Engagement auf Schwellenmärkten

          Nach mehreren Jahren auf der Überholspur stellt sich den Schwellenländeraktien im neuen Jahr bislang das eine oder andere Hindernis in den Weg. So gaben die Kurse thailändischer Aktien nach, als die von den dortigen Militärs nach dem Putsch eingesetzte Regierung Beschränkungen für ausländische Investoren verkündete, während die Pläne Venezuelas zur Verstaatlichung mehrerer Branchen neuerliche Besorgnis auslöste. Die Wahl des richtigen Zeitpunkts ist zwar schwierig, ein Engagement auf Schwellenmärkten kann sich auf lange Sicht jedoch auszahlen.

          Der 10,8 Milliarden Dollar schwere Vanguard Emerging Markets Stocks Vipers ETF verzeichnete im vergangenen Jahr eine Rendite von 29,53 Prozent und lag damit laut S&P leicht unterhalb des Durchschnitts vergleichbarer Fonds. Zudem ist der Fonds mit Verwaltungsgebühren von nur 0,3 Prozent kostengünstiger als ähnliche ETFs. So entstehen etwa für den iShares MSCI Emerging Markets Index Fund, der denselben Index nachbildet, Gebühren in Höhe von 0,77 Prozent.

          Im Vergleich mit konventionellen Investmentfonds fallen die Kosten aller ETFs indes gering aus. „Einige aktiv verwaltete Schwellenländerfonds sind mit extrem hohen Verwaltungsgebühren verbunden“, sagt die amerikanische Finanzplanerin Eve Kaplan. „Da sind ETFs für manche Anleger eine kosteneffiziente Alternative.“

          Trotz der jüngsten Stärke von Schwellenländern sollten Anleger nie aus den Augen verlieren, dass Aktien dieser Märkte eine hohe Volatilität aufweisen können. „Die Leute kaufen normalerweise, wenn die Kurse - wie im Moment - heiß gelaufen sind und steigen aus, sobald der Kursverlauf zu enttäuschen beginnt“, so Dan Culloton, ETF-Analyst der amerikanischen Ratingagentur Morningstar.

          Regionen im Blickfeld

          Einige Anleger haben jedoch ihre Bedenken gegenüber der Zusammensetzung wichtiger internationaler Indizes. Wenn Ihnen die Einbeziehung von Russland in den MSCI Emerging Markets Index oder die Gewichtung von Europa im MSCI EAFE Index missfällt, haben ETF-Anbieter für Sie auch spezielle Regionenfonds mit einer feiner abgestimmten Ausrichtung im Angebot. Es ist jedoch Vorsicht geboten, da Einfachheit für die meisten typischen Anleger die wahrscheinlich beste Wahl ist.

          Der Vanguard European Stock ETF mit einem Volumen von 25,9 Milliarden Dollar und der 12,3 Milliarden Dollar schwere Vanguard Pacific Stock ETF bieten kostengünstige Möglichkeiten, das Engagement speziell auf Europa sowie Länder des asiatisch-pazifisches Raums wie Japan und Australien auszurichten. „Mir gefällt die Fondspalette von Vanguard sehr gut, da sie mir ermöglicht, die internationalen Märkte besser einzuteilen, als es mit dem EAFE Index möglich ist“, sagt Michael Dubis, Vorsitzender von Michael A. Dubis Financial Planning aus Wisconsin. Für beide Vanguard-Portfolios fallen niedrige Verwaltungsgebühren von 0,18 Prozent an.

          Länder-ETFs

          Einige Anleger möchten die Strategie ihrer Portfoliostrukturierung jedoch nicht auf einzelne Regionen beschränken. Auch hier können ETFs zum Einsatz kommen. Eine zunehmende Anzahl von länderspezifischen ETFs ermöglicht Anlegern ein Aktienengagement auf Länderbasis.

          David John Marotta, Vorsitzender von Marotta Asset Management, investiert nach eigenen Aussagen in ETFs von zehn Ländern, die nach Auswertungen des amerikanischen Forschungsinstituts Heritage Foundation den höchsten Grad an wirtschaftlicher Freiheit aufweisen. Zu diesen Fonds zählen unter anderem: iShares Hong Kong, iShares Singapore und iShares United Kingdom. Für jeden dieser ETFs entstehen Verwaltungsgebühren in Höhe von 0,54 Prozent.

          Analysten und Finanzberater warnen Durchschnittsanleger allerdings häufig davor, die Profis bei der Anlage in Länder-ETFs übertreffen zu wollen. „Wenn man sich mit ETFs international richtig positionieren möchte, sollte man auf Fonds verzichten, die nur ein einziges Land abdecken“, sagt James Sonneborn, Vermögensverwalter von Regent-Atlantic Capital. Sonneborn empfiehlt eine einfache internationale Portfoliokomponente auf Grundlage breiter diversifizierter ausländischer ETFs.

          Immobilien sind eine Überlegung wert

          Während des anhaltenden Vormarschs der ETFs lohnt sich ein Blick auf das aufstrebende Segment der internationalen Immobilien. Der Fondsanbieter State Street Global Advisors legte im vergangenen Monat den SPDR Dow Jones Wilshire International Real Estate ETF auf, der den Dow Jones Wilshire ex-U.S. Real Estate Securities Index nachbildet.

          Anleger sollten vielleicht besser noch warten, bis der junge Fonds eine Erfolgsbilanz vorweisen kann, einige Finanzplaner sehen in dem ETF jedoch eine intelligente zusätzliche Diversifizierung des Auslandsengagements. Für den Fonds entstehen Verwaltungsgebühren von 0,6 Prozent. Der ihm zugrunde liegende Index glänzte in den vergangenen fünf Jahren mit einer durchschnittlichen Jahresrendite von 29,19 Prozent. „Ich nehme diesen ETF bislang noch nicht in die Portfolios meiner Kunden auf“, sagt Dubis, der das Fondsprodukt zwar attraktiv findet, vorerst aber noch abwarten möchte. „Die Anleger sollten sehr vorsichtig sein.“

          Die an Zahl und Vielfalt zunehmenden börsengehandelten Fonds bleiben eine kostengünstige Möglichkeit für Anleger, die mit den rasanten Veränderungen der Weltwirtschaft Schritt halten möchten. Mit einer Portion Glück und einigen umsichtigen Entscheidungen könnte die zusätzliche Würze globaler ETFs den Anlegern schmackhafte Renditen bescheren.

          Topmeldungen

          Wegen seines Umgangs mit dem Missbrauchsskandal in der Kritik: Rainer Maria Kardinal Woelki

          Erzbistum Köln : Gibt es noch eine Zukunft mit Woelki?

          In Köln ist das Vertrauensverhältnis zwischen Erzbistum und Erzbischof zerrüttet. Ein externer Moderator muss einspringen. Nicht wenige hoffen, dass ein Spruch aus Rom die Angelegenheit schon vorher erledigt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.