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Investmentfonds : Wahljahr verunsichert Südamerika-Anleger

  • Aktualisiert am

Sorgenbringer: Venezuelas Präsident Chavez Bild: AP

2006 wird ein Super-Wahljahr in Lateinamerika. Vielerorts haben Linkspopulisten gute Chancen. Nicholas Morse, von der Fondsgesellschaft Schroders, sieht allerdings kein großes Problem auf den Kontinent zurollen.

          4 Min.

          „Politische Börse haben kurze Beine“, lautet ein beliebter Grundsatz der Aktienanleger. Gemeint ist, daß sich Ereignisse wie Terroranschläge, Putschversuche oder Wahlen nur kurze Zeit unmittelbar auf die Kurse auswirken, dann aber die Märkte sich anpassen und von anderen Faktoren getrieben werden.

          Wäre dem nicht so, so stünde es um die Zukunft Lateinamerikas als Anlageregion wohl schlecht bestellt. Nicht nur, daß Boliviens neuer Präsident Evo Morales als Linkspopulist gilt und daher eher dazu angetan ist, die Börsen ebenso nervös zu machen wie der immer exzentrischer werdende Hugo Chavez in Venezuela. Vielmehr steht Lateinamerika ein Superwahljahr vor: Unter anderem werden die Wahlberechtigten in Brasilien, Mexiko und Peru an die Urnen gerufen.

          Finanzpolitik in Mexiko und Brasilien mir Fragezeichen

          Einige Kommentatoren vermuten einen Linksruck in Lateinamerika. Nicht zu Unrecht, wie die Wahlergebnisse in Bolivien und auch die verstärkt nach innen gerichtete Politik in Venezuela und Argentinien nahelegt.

          Bild: FAZ.NET

          In Brasilien steht der amtierende Präsident Lula unter Druck. Zunehmend zeigt er sich von dem Gedanken beseelt, die Wirtschaft des Landes wieder auf verstärkten Wachstumskurs bringen, nachdem das Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Jahr nur noch um geschätzte 2,2 Prozent zulegte. Dafür ist er auch bereit, eine verstärkte Inflation zu riskieren, und dies mit Rückendeckung der Zentralbank, die bereits seit einiger Zeit versucht, den Real zu schwächen, weil dieser die Exporte verteuert.

          In Mexiko hat der populistische, frühere Bürgermeister von Mexiko City, Manuel López Obrador gute Karten. Beobachter befürchten, daß seine Politik weniger reformorientiert und stärker etatistisch sein könnte. Das würde eine höher Verschuldung bedeuten und könnte das Vertrauen in Mexicos wirtschaftlichen Aufstieg und damit auch die Börse untergraben.

          Chavez bleibt ein Problem

          Eine eindrucksvolle Entwicklung hat die Börse auch in Perus Hauptstadt Lima hinter sich, die in den vergangenen vier Jahren knapp 485 Prozent zugelegt hat. Dabei hat das Land vom Rohstoffboom profitiert. Derzeit beunruhigt das gute Abschneiden des populistischen Präsidentschaftskandidaten Ollanta Humala die Gemüter. Getröstet wurden dies indes in der letzten Zeit dadurch, daß die Favoritin der Wirtschaft, Lordes Flores, in den Umfragen wieder vorne liegt.

          Wahlen gibt es auch in Kolumbien, Chile, Argentinien und nicht zuletzt in Venezuela. Nicholas Morse, Leiter lateinamerikanische Aktien bei Schroders, bereitet das noch die größten Kopfzerbrechen. Chavez' Widerwahl ist für ihn wahrscheinlich und damit bliebe es bei einem wirtschaftspolitischen Umfeld, das für Investoren weitgehend ungünstig ist.

          Zwar verkörpert Venezuela nur einen kleinen Teil des regionalen Benchmark-Index, doch darf man Chavez' Einfluß in der Region nicht unterschätzen. Der Präsident strebt nicht nur die Gründung einer Banco del Sur als Alternative zum IWF an, sondern griff auch Argentiniens spendablen Präsidenten Kirchner immer wieder unter die Arme, wenn der einen Anleihenkäufer benötigte.

          Hoffen auf Mexicos Parlament

          Indes ist Morse ansonsten eher positiv für Lateinamerika gestimmt. Gerade zum Beispiel, wenn es um Kirchner geht. Abgesehen davon, daß in Argentinien erst im ersten Quartal 2007 wieder allgemeine Wahlen anstehen, habe die Administration Kirchner in den vergangenen Monaten den Versuch unternommen, ihre von hoher Staatsverschuldung geprägte Finanzpolitik „unter Kontrolle zu bringen“.

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