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Investmentfonds : Wahljahr verunsichert Südamerika-Anleger

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Das Schuldenproblem sieht er auch in Mexico selbst im Falle eines Wahlsieges von Obrador einigermaßen gelassen. López Obrador dürfte seiner Ansicht nach bei einem Wahlsieg weder im Kongreß noch im Senat über eine Mehrheit verfügen. In beiden Kammern würden voraussichtlich weiter die konservativeren Parteien PRI und PAN dominieren. Das werde López Obradors Fähigkeit, kontroverse Gesetzesvorhaben durchzusetzen, begrenzt.

Andererseits könnte man argumentieren, daß ein starker Gegensatz zwischen Präsident und Parlament, die Regierungsfähigkeit Mexicos zumindest herabsetzt. Auch das wäre nicht unbedingt positiv für das Land und die Börse.

Andererseits ist noch nicht aller Tage Abend. Morse setzt seine Hoffnungen vor allem auf Felipe Calderón. Der Kandidat der zweitstärksten Partei im Kongreß, der PAN, ist ein Befürworter von Reformen und seine Wahl wäre daher außerordentlich positiv für den Markt. Und im übrigen hofft er, wie alle Börsianer, daß sich López Obrador bei einem Regierungsantritt als pragmatischer erweist als es seine populistische Rhetorik vermuten lasse.

Chiles rechte Linke

Die finanzpolitische Stabilität wird nicht nur durch Oppositionskandidaten gefährdet. Sollte Lula in Brasilien wiedergewählt werden, besteht laut Morse „ein gewisses Risiko für die finanzpolitische Stabilität“. Anders als in Chile, wo das Erstarken der als „Linksaußen“ geltenden Kandidatin der Regierungskoalition, Michelle Bachelet, sich zwar in punkto Sozialpolitik und Umweltschutz „ungünstig auf den Wirtschaftssektor“ auswirken könnte. Doch seiner Ansicht nach werde sich die allgemeine Richtung der Wirtschaftspolitik nicht wesentlich ändern. Es sei sogar äußerst wahrscheinlich, daß Bachelet einen Überschuß von einem Prozent im Staatsbudget als Ziel gesetzlich festschreiben wird.

Alles in allem ist Morse eben der Ansicht, daß auch für das Superwahljahr gilt, daß politische Börsen kurze Beine haben. Volatilität an den Finanzmärkten der Region seine wahrscheinlich, aber man rechne nicht mit einer generellen Verschiebung der politischen Landschaft nach links, am wenigsten in den wichtigsten Ländern der Region, Brasilien, Mexiko, Argentinien und Chile.

Ob man aber Morses Ansicht teilen kann, daß die Möglichkeit bestehe, daß neue Administrationen sich stärker für Wirtschaftsreformen einsetzen und somit ein positives Signal für Investoren setzen, mag man skeptischer sehen.

Bislang gute Nase bei Schroders

Denn die Anforderungen sind hoch: Vor allem Brasilien und Mexiko müßten ihre Arbeitsmärke reformieren - etwas was in Chile längst geschehen und dem Land gut bekommen sei. Auch wenn, wie Morse einräumt, die höheren Wachstumsraten und die höhere Bewertung der Börse zu großen Teilen dem hohen Kupferpreis geschuldet ist.

Gerade die Rohstoffpreisentwicklung und die Weltkonjunktur sind Faktoren, die auf die Entwicklung der lateinamerikanischen Aktienmärkte und Volkswirtschaften einen erheblichen Einfluß nehmen werden. Deren Auswirkungen werden auch sicher Rückwirkungen auf die Wahlen nehmen und diese wiederum auf die wirtschaftliche Entwicklung. Alle Prognosen tragen daher einen gewissen Grad der Unsicherheit in sich.

Allerdings hat Schroders in Lateinamerika bislang eine gute Nase beweisen. Der Schroder ISF Latin America-Fonds (Isin: LU0106259046) belegt über den Zeitraum von fünf und drei Jahren Platz Zwei unter den Lateinamerikafonds. Auf kürzere Distanz ist er etwas zurückgefallen, konnte aber in den vergangenen Monaten wieder aufholen.

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