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Investmentfonds : „Überhöhte Fondsgebühren sind der eigentliche Skandal“

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Bild: FAZ.NET

„Überhöhte Gebühren bei Investmentfonds schaden den Anlegern mehr als die regelwidrigen Praktiken im Vertriebs- und Handelsbereich, die die amerikanische Aufsichtsbehörden seit dem Jahr 2003 aufgedeckt haben“, so ein Experte.

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          „Überhöhte Gebühren bei Investmentfonds schaden den Anlegern mehr als die regelwidrigen Praktiken im Vertriebs- und Handelsbereich, die die amerikanische Aufsichtsbehörden seit dem Jahr 2003 aufgedeckt haben“, erklärte John Bogle gegenüber Bloomberg News.

          Bogle ist nicht irgendwer, sondern er ist der Gründer der amerikanischen Fondsgesellschaft Vanguard Group, die bereits nach zwei Jahren Tätigkeit im Jahr 1976 den weltweit ersten Indexfonds auflegte. Er vertritt die Ansicht, daß Fonds, die mechanisch einen Korb von Wertpapieren abbilden, eine bessere Performance bieten können als die meisten aktiv verwalteten Fonds. Grund dafür seien niedrigere Verwaltungsgebühren und Handelskosten.

          Amerikanischer Fondsskandal scheint verblaßt zu sein ...

          Die Untersuchungen im Jahr 2003 hatten einige amerikanische, aber auch europäische Fondsgesellschaften in Bedrängnis gebracht. Denn sie zeigten, daß einige Marktteilnehmer die Möglichkeit hatten, unter Anwendung unlauterer Geschäftspraktiken auf Kosten der Anleger risikolos Gewinne zu erzielen. Dazu zählte unter anderem der sogenannte Intraday-Handel, auf den auch der eine oder andere deutsche Dachfonds gesetzt hatte. Er konnte auf diese Weise für sich eine attraktive Performance erzielen, indem er preislich nicht nachgeführte Fondsanteile günstig erwarb, wenn der Markt inzwischen deutlich gestiegen war. Umgekehrt funktionierte dies auch bei fallenden Kursen.

          Inzwischen scheint die Anwendung dieser Methoden nicht mehr möglich zu sein, da die Fondsgesellschaften inzwischen dazu übergangen sind, die Preise der Fondsanteile nicht mehr nur einmal täglich festzulegen, sondern der Entwicklung an den Märkten anzupassen.

          Bogle macht jedoch darauf aufmerksam, daß der eigentliche „Skandal“ der Fondsbranche viel subtiler sei. Dieser stecke in den „stark überhöhten Gebühren für die Fondsverwaltung sowie zu hoher Kosten für das Marketing“. „Die Skandale sind da, aber sie sind äußerst subtiler Art,“ sagt Bogle. Damit scheint er an reguläre Branchenusancen zu denken, die sich unter anderem in Form aufwendiger Präsentationen an Anlegermessen zeigen. Das und andere Faktoren hätten die Anleger viel Geld gekostet.

          ... während der eigentliche Skandal subtiler zu sein scheint

          Er macht das an einem Beispiel deutlich: In den vergangenen 20 Jahren habe der Aktienmarkt einen durchschnittlichen Jahresertrag von 13 Prozent gebracht. Fonds hätten für ihre Kunden jedoch nur eine Rendite von etwa zehn Prozent erwirtschaftet. Diese Ertragsdifferenz sei den Gebühren für die Fondsverwaltung, häufigen Portfolioumschichtungen und den Vertriebskosten geschuldet, so Bogle. Eine Renditedifferenz von drei Prozentpunkten ist an sich schon nicht wenig, allerdings wird die eigentliche Dramatik erst dann klar, wenn man eine gewisse Laufzeit und den Zinseszinseffekt berücksichtigt.

          Denn über einen längeren Zeitraum, zum Beispiel einen von 25 Jahren, ist es ein markanter Unterschied, ob eine Anlage im Durchschnitt zehn oder 13 Prozent erbringt. Das zeigt sich an einem schon deutlich „entschärften“ Beispiel. Wer etwa einmalig 10.000 Euro investiert und sie für 25 Jahre bei einer Fondsgesellschaft „arbeiten“ läßt, hat am Ende bei einer Durchschnittsrendite von acht Prozent knapp 60 Prozent mehr auf dem Konto, als bei einer Anlage mit einer durchschnittlichen Rendite von sechs Prozent (siehe Graphik).

          Bei einer Durchschnittsrendite von 13 hätte der Anleger nach 25 Jahren mehr als das Doppelte auf dem Konto, als bei einer Rendite von zehn Prozent. Und genau das ist der entscheidende Punkt. Er zeigt, daß John Bogle nicht von „Peanuts“ redet, sondern von riesigen Beträgen, die den Anlegern aufgrund der viel zu hohen Kosten der Fondsgesellschaften entgehen. In diesem Sinne und auch mit Blick auf den fragmentierten und somit teuren Fondsmarkt in Europa scheinen günstige Indexfonds nicht die schlechteste Wahl zu sein.

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