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Investmentfonds : Sünder laufen besser

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Sünder leben im Diesseits gut, Heilige im Jenseits. Diese schiefe Lebensweisheit scheint sich in Gelddingen zu bestätigen: Die Wertentwicklung des „Sündenfonds“ lieget jedenfalls deutlich über der des „Ave-Maria-Fonds“.

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          Eine Zigarette, ein Martini-Glas, ein Würfelspiel und ein Fadenkreuz - diese Symbole zieren das Logo des „Vice Fund“, zu Deutsch: des „Sündenfonds“. Der Fonds der Gesellschaft Mutuals aus den Vereinigten Staaten setzt voll auf die Laster der Menschheit: Glücksspiel, Alkohol und Waffen.

          Mindestens 80 Prozent des Fondsvermögens werden deshalb in Aktien von Tabakkonzernen, Brauereien, Casinos und Rüstungskonzernen investiert - alles vermeintlich unmoralische Branchen, über die viele Anleger die Nase rümpfen.

          Das gute Gewissen hat seinen Preis

          Besonders heftig dürfte die Ablehnung bei den Anhängern sogenannter Social-Investment-Fonds ausfallen. Diese Fonds wiederum legen besonderen Wert auf die moralische Unbedenklichkeit ihrer Investitionen. Der bekannteste unter ihnen ist der Fonds von der Fondsgesellschaft Schwartz Investment Trust aus den Vereinigten Staaten, der „Ave Maria Catholic Values Fund“. Er investiert ausschließlich in Aktien von Unternehmen, die „die Kernwerte und Lehren der römisch-katholischen Kirche nicht verletzen“. Unter den Top-Einzelwerten findet sich der Versicherer Meadowbrook Insurance Group oder der Eisenbahnkonzern Burlington Northern Santa Fe.

          Wer dagegen sein Geld mit Rüstungsgütern, Pornographie oder der Antibabypille verdient, wird von den Fondsmanagern strikt links liegen gelassen. Das gilt sogar für Unternehmen, die wilde Ehen fördern, indem sie auch unverheirateten Partnern ihrer Angestellten Vergünstigungen gewähren.

          Das gute Gewissen hat jedoch seinen Preis: Der Ave-Maria-Fonds brachte seinen Anlegern in den vergangenen fünf Jahren so gut wie keinen Gewinn. Der sündige Vice Fund legte hingegen im gleichen Zeitraum um 18 Prozent zu. Auch den S&P-500-Index, der die 500 größten amerikanischen Werte abbildet, ließ der Ave-Maria-Fonds kaum hinter sich. Der blieb auch ungefähr konstant.

          Buße in der Finanzkrise

          Wieso ausgerechnet der Vice Fund so gut läuft? Weil er das Geld der Anleger in Aktien von Philip Morris, British American Tobacco, Lockheed Martin, MGM Mirage oder Carlsberg investiert und weil die immer relativ gut laufen: „Selbst in schlechten Zeiten wollen die Leute noch trinken, rauchen oder wetten“, erklärte Fondsmanager Dan Ahrens bei der Gründung des Vice Fund im September 2002. Der Erfolg gab ihm zunächst recht: Um satte 146 Prozent legte der Sündenfonds in den fünf Folgejahren zu.

          In der Finanzkrise geriet allerdings auch der Vice Fund kräftig unter Druck. Verglichen mit dem Höchststand im Dezember 2007, büßte er 43 Prozent seines Wertes ein. Aktuell ist er jedoch immer noch 80,3 Millionen Dollar schwer. Und: die Ratingagentur Morningstar gibt ihm vier von maximal fünf Sternen.

          Lebt schnell und auf kurze Sicht

          „Wer eher auf überdurchschnittliche als ethisch einwandfreie Renditen Wert legt, ist mit dem Vice Fund gut beraten“, sagt Marc Lederer, Kapitalanlageberater bei Hesse + Partner. Umgekehrt berge der enge Anlagehorizont des Sündenfonds aber auch Risiken. Die Volatilität sei höher, so Lederer: „Das erhöht das Verlustrisiko.“ Das gelte aber auch für den Ave-Maria-Fonds.

          Anteile am Vice Fund können deutsche Anleger aber genau wie am Ave-Maria-Fonds nur schwer bekommen. Lediglich der Onlinebroker E-Trade hat sie im Angebot. Deutsche Sündenfonds gibt es dagegen nicht. Wer aber ethisch korrekt anlegen will, der kann das beispielsweise mit den Liga-Pax-Fonds der kirchlichen Liga-Bank tun. Die Wertpapiere würden nach „sozialen, ökologischen und ökonomischen Gegebenheiten“ ausgewählt, heißt es dort.

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