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Investmentfonds : Mit den richtigen Fonds die Abgeltungssteuer vermeiden

Bild: FAZ.NET

Von 2009 an werden Kursgewinne und Zinsen anders besteuert. Fonds-Anleger bereiten ihr Depot schon jetzt darauf vor.

          „Es trifft jeden.“ So schreckt derzeit die Dresdner Bank auf ihren Internetseiten die Kunden auf. Und leitet damit zu den Informationen über die neue Abgeltungssteuer. Die finden sich derzeit auf den Seiten fast jeder Bank, ob als „Special“ oder „Sonderthema“. Verbunden mit dem netten Hinweis, doch am besten gleich einen Beratungstermin in der Filiale auszumachen.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Denn jedes Depot und jedes Konto ist von der neuen Steuer betroffen, die Anfang 2009 kommen wird. Die Banken hoffen auf ein tolles Geschäft, denn sie wissen, dass die Deutschen gerne Steuern sparen. Also bieten sie schon jetzt fleißig Produkte an, die die neue Steuer vermeiden oder sie positiv zu nutzen wissen. Der Branche winken Depotumschichtungen in Milliardenhöhe, und jedes Geschäft spült mehr Provision in die Kasse.

          Sicherheitsorientierte Anleger profitieren

          Doch längst nicht jedes Produkt, das da angepriesen wird, eignet sich für den Vermögensaufbau. Es mag Steuern sparen, aber kostet viel und erzielt oft auch noch unterdurchschnittliche Renditen. Also lieber alles beim Alten lassen? Das wäre die falsche Konsequenz. Denn die neue Steuer bringt Gewinner und Verlierer hervor, und wer sich darauf einstellt, kann viele Euro vor dem Fiskus retten.

          Profiteure der geänderten Regeln sind die sicherheitsorientierten Anleger, die ihre Erträge über Zinseinnahmen erzielen, sei es aus Sparbriefen, Tagesgeld oder Sparkonten. Oder aus Anleihen und Rentenfonds. Sie müssen ihre Einnahmen künftig nur mit 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer versteuern, also mit weniger als 30 Prozent. Bisher wurde der persönliche Einkommensteuersatz von bis zu 45 Prozent abgezogen.

          Verlierer sind hingegen vor allem die Besitzer von Aktien und Aktienfonds, die nicht mehr bevorzugt werden. Denn Kursgewinne sind künftig zu jeder Zeit steuerpflichtig und Dividenden voll zu versteuern statt bisher nur zur Hälfte. Allerdings steigen durch die neuen Steuerregeln auch die Gewinne der Unternehmen, die sie durch höhere Ausschüttungen an die Aktionäre zurückgeben könnten. Das würde die Nachteile der Abgeltungssteuer etwas mildern, aber nicht beseitigen.

          Falsche Anreize

          Aber auch die Verlierer haben noch eine Chance. Kursgewinne von Wertpapieren, die bis Ende 2008 gekauft werden, unterliegen noch den alten Steuerregeln, das heißt, sie sind nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Diese Übergangsregel nutzen die Banken für ihre Verkaufsoffensive. Das Ziel: Produkte anzubieten, die ihre Kunden jetzt kaufen und erst in 20 oder 30 Jahren abstoßen sollen - steuerfrei.

          Auf der Suche nach der passenden Geldanlage greifen die Anleger jedoch häufig daneben. „Wie schon so oft zuvor kaufen viele derzeit Produkte, die vermeintlich Steuern sparen - und achten nicht auf das Risiko und die Kosten“, kritisiert Andreas Löschinger, Steuerexperte in der Deutschen Bank. Er empfiehlt, zunächst noch einmal zu prüfen, welcher Anlegertyp man sei, risikofreudig oder sicherheitsorientiert. Der Rentner, der einen Großteil seines Vermögens in Aktienfonds umschichten will, nur weil sie Steuern sparen, handele fahrlässig, denn er investiere für sein Alter zu riskant.

          Wer nun weiß, ob er noch eine Renten- oder eher eine Aktienanlage braucht, sollte anschließend nach der mit der höchsten Rendite bei moderaten Kosten suchen, empfiehlt Löschinger. Und dann erst solle er schauen, welches von den ertragreichsten Angeboten auch nach Steuern noch attraktiv ist. Denn der Unterschied in der Wertentwicklung eines guten und eines schlechten Fonds kann 20 Prozentpunkte in einem Jahr ausmachen. „Da nützt dann eine gute Steueroptimierung wenig“, warnt der Steuerexperte.

          Versicherungen und Fonds streiten sich um Anleger

          Vor dem Hintergrund der Abgeltungssteuer streiten Versicherungen und Fondsgesellschaften darum, wer das beste Angebot für die langfristige Geldanlage hat. Zertifikate hingegen werden steuerlich nicht mehr nach den alten Regeln behandelt, damit nicht begünstigt und sind oft mit hohen Kosten belastet. Daher versuchen Zertifikateanbieter, ihre Produkte in einen Fondsmantel zu kleiden. Dann gelten die alten Steuerregeln weiter, das heißt, Kursgewinne sind nach einem Jahr steuerfrei. Allerdings sind diese Strukturen nicht sehr transparent und teuer.

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