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Investmentfonds : Länderfonds bedeuten hohe Risiken

  • Aktualisiert am

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Die Aktienmärkte entwickeln sich alle in eine Richtung? Nun, das mag häufig stimmen. Doch bei der Wertentwicklung gibt es große Unterschiede und enorme Schwankungen, zeigt eine neue Untersuchung. Die Ergebnisse legen nahe: Länderfonds sollten nur eine Beimischung sein.

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          Hätte man im September doch bloß Südafrika-Fonds gekauft. Allein in den vergangenen vier Wochen legte diese Fondskategorie S&P-Daten zufolge um 5,8 Prozent zu.

          Auf Sicht von einem Jahr beträgt das Plus solide 15,7 Prozent. Nach sechs Monaten steht allerdings ein dickes Minus von 18,3 Prozent. Spanienfonds dagegen legten im vergangenen halben Jahr fast 15 Prozent an Wert zu. Dieses Beispiel zeigt, wie volatil Länderfonds zum Teil reagieren - und daß sich die Aktienmärkte trotz zunehmender Globalisierung höchst unterschiedlich entwickeln können.

          Erhebliche Unterschiede bei der Wertentwicklung

          Das gilt nicht nur für recht kleine Märkte wie den südafrikanischen oder den spanischen. Eine Auswertung von Fidelity International zeigt, daß die Wertentwicklungen auch an den Aktienmärkten der wichtigsten Industrienationen stark voneinander abwichen.

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          Fidelity wertete die MSCI-Länderindizes der Vereinigten Staaten, Kanada, Japan, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien aus (siehe erste FAZ.NET-Tabelle). Deutschland belegte in der Länderrangliste zwischen 1999 und 2005 Plazierungen zwischen dem zweiten und dem letzten Rang.

          Alle Länderindizes mit hohen Schwankungen

          Zwar gingen die Märkte in den vergangenen Jahren häufig in die gleiche Richtung. Doch zwischen den Wertentwicklungen des Erst- und Letztplazierten bestanden erhebliche Unterschiede. 2005 war die Spanne mit 39 Prozentpunkten am größten: Der MSCI Japan erzielte ein Plus von 44,7 Prozent, der MSCI USA brachte es dagegen nur auf 5,7 Prozent.

          In den vergangenen sieben Jahren zeigten alle untersuchten Länderindizes hohe Schwankungen. In Deutschland brach der Aktienmarkt 2002 um 43,1 Prozent ein und erzielte damit die schlechteste Wertentwicklung im Ländervergleich. Nur ein Jahr später lag der deutsche Aktienmarkt mit 37,1 Prozent hinter dem kanadischen auf Platz zwei. 2004 lag er wieder auf dem letzten Rang, im Folgejahr gemeinsam mit dem französischen wieder an zweiter Stelle. Ähnliche Schwankungen hatte Fidelity zuvor bei Branchenindizes untersucht (siehe auch Trends dauern an der Börse selten lange und zweite FAZ.NET-Tabelle).

          Viele Anleger gehen hohe Risiken ein

          „Jede Börse hat trotz Globalisierung noch immer ihre eigenen Gesetze. Wer sein Geld nur in einen oder wenige Aktienmärkte steckt, riskiert große Wertschwankungen bei seinen Anlagen“, läßt sich Klaus-Jürgen Baum, Sprecher der Geschäftsführung von Fidelity International, in Deutschland in einer Presseinformation zitieren.

          Viele private Anleger gehen nach Ansicht von Baum ein hohes Risiko ein: „Die meisten Anleger investieren in inländische Aktien, da sie die Unternehmen ihres Landes am besten zu kennen glauben. Dadurch haben viele von ihnen ein unausgeglichenes Portfolio“, sagte Baum. „Wer über die Grenzen von Ländern und Regionen hinweg anlegt, erzielt eine breitere Risikostreuung.“

          Fonds sollen der Diversifikation dienen

          Baum empfiehlt - für den Geschäftsführer einer Fondsgesellschaft liegt dieser Schluß nahe - Investmentfonds mit internationalem sowie europäischem Anlageschwerpunkt als Basis für das Portfolio. Einzelne Länderfonds dienten „der gezielten Beimischung, um zusätzliche Renditequellen zu erschließen.“

          Anleger sollten sich in der Tat von Zeit zu Zeit daran erinnern, was der eigentliche Sinn eines Fonds ist: Diversifikation. Diese Funktion erfüllt ein Länder- oder Branchenfonds nur bedingt. Er streut zwar das Risiko über viele Einzelwerte. Wenn es den Unternehmen einer Region oder einer Branche nicht gut geht, bietet er aber keinen Schutz.

          So werden sich viele Anleger mit Biotechnologie-Fonds die Hände verbrannt haben. In den vergangenen fünf Jahren haben fast alle dieser Fonds ihren Investoren Verluste beschert - bis zu 70 Prozent. Auf Sicht von vier Wochen liegen die Biotech-Fonds übrigens mal wieder allesamt im Plus. Egal wie gut die „Investmentstory“ eines Landes oder Branche klingt: Mehr als eine Beimischung im Depot sollten diese Fonds nicht darstellen.

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