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Investmentfonds : Jahrhundert-Sturm bei Hedge Fonds mit sieben Jahren Verspätung?

  • -Aktualisiert am

Unter Anlegern geht die Sorge um, Hedge Fonds seien durch Engagements in Papiere von General Motor so in Schieflage geraten, daß das gesamte Finanzsystem leiden könnte. Diese Sorgen aber eher unberechtigt, wie Caroline Baum meint.

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          In der vergangen Woche gab es an den Finanzmärkten einige unterschwellige Bewegungen, die recht heftig zu spüren gewesen sind: Dazu zählten potentielle Hedge Fonds-Verluste und negative Aussichten für allseits beliebte General Motors-Investitionen, die mehr oder weniger Standard & Poor's bzw. dem amerikanischen Großinvestor Kirk Kerkorian zu verdanken gewesen sind. Des weiteren wurden unerwünschte Reaktionen bei der risikoreichsten Form des besicherten Darlehensgeschäft sichtbar, den so genannten Collateralized Debt Obligations, die Unternehmensforderungen verbriefen. Und schließlich gab es einen Korrelationshandel, der „unkorreliert“ wurde.

          Sind es nicht die gleiche Art Probleme gewesen, entstanden durch viel zu viel aufgenommenes Kapital, die 1998 auch die Fondsgesellschaft Long Term Capital Management (LTCM) unter Druck setzten? Könnte es sich auch jetzt wieder um Verluste handeln, die rund um den Globus zu spüren sind und deren Nachwirkungen sich sowohl durch das gesamte Finanzsystem als auch die amerikanische Wirtschaft ziehen werden? Wahrscheinlich eher nicht. Einerseits ist zwar die Zahl der Hedge Fonds und verwalteten Kapitalanlagen seit 1998 explodiert, andererseits haben aber auch die Schutzmaßnahmen zugenommen, um sich gegen plötzliche Verluste abzusichern.

          „Es gibt keinen großen Hedge Fonds mehr, der nicht über ein ausgetüfteltes Risikomanagement verfügt“, erklärt dazu Ron Papanek, Marktstratege bei der RiskMetrics Group, die sich auf Risikomanagement spezialisiert hat und Hedge Fonds sowie Finanzinstituten Risikoanalysen und entsprechende Softwareprodukte anbietet.

          Risikomanager unterziehen bestehende Portfolios regelmäßig einem „Streßtest“, indem sie maßgebliche Veränderungen bei Zinssätzen, Kredit-Spreads oder Währungen simulieren. So bestimmen sie zum einen die Risikoanfälligkeit und zum anderen die potenziellen Verluste, die in einem Worst-Case-Szenario entstehen würden.

          Wachsendes Risikobewußtsein

          Während man sich gegen unbekannte Gefahren natürlich niemals wirklich schützen kann - denn der nächste Jahrhundertsturm wird sicherlich nicht genauso verlaufen wie der vergangene - ist ein Streßtest durch die Simulation vergangener Ereignisse laut Papanek eine weitere Standardmethode, um die Anfälligkeit eines Portfolios auszuloten. Zwei beliebte Ereignisse der Börsengeschichte, die dafür Anwendung finden, sind der „Schwarze Montag“ des Jahres 1987, als der Dow Jones Industrial Average 508 Punkte in den Keller rutschte, und die russische Währungskrise im August 1998, in deren Folge das Land seine Schulden nicht mehr bedienen konnte.

          Der Hedge Fonds LTCM war damals auf die Relative-Stärke-Strategie bei festverzinslichen Wertpapieren spezialisiert, das heißt die Manager kauften günstige Aktien, verkauften teure Aktien und setzten auf einen konvergierenden Spread. Schließlich sahen sie zu, wie alle Long-Positionen preiswerter und alle Short-Positionen teurer wurden.

          Heute sind aber auch die Kreditgeber anspruchsvoller geworden. Viele von ihnen „verlangen vor einer Kreditvergabe an einen Fonds eine vollständige Prüfung seiner Risikoanfälligkeit“, erklärt Papanek. Prime Broker, die Hedge Fonds ein weites Spektrum an Dienstleistungen anbieten wie Handel, Clearing und Kredite, bewerten nun zuerst das Risiko einer Anlage, bevor sie die Höhe der zu vergebenden Kreditsumme festlegen. „Sie bedienen sich mehr und mehr dem Risk-Based-Margining“, ein Verfahren, mit dem die angemessene Höhe der Sicherheitsleistungen für offene Positionen berechnet wird.

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