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Investmentfonds : Fünf Freunde fürs Leben

Die Börse überlässt mancher Privatanleger lieber den Profis Bild: dpa

Viele Leute graust es vor der Hektik der Börse. Sie wollen ihr Geld langfristig anlegen und sich nicht darum kümmern. Dafür gibt es passende Fonds. Ein Testbericht.

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          So mancher Anleger wünscht sich eigentlich nur eines: Ruhe vor seinem Geld. Er möchte das Ersparte an einen Experten abgeben und sich dann um nichts mehr kümmern müssen. Doch in vielen Fällen hilft ihm der Berater der Hausbank dabei nicht.

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das ist kein Wunder, schließlich hat der Berater keinen Anreiz dazu. Normalerweise bekommen die Banken ihre Fondsprovisionen nicht fürs Nichtstun, sondern eben fürs Verkaufen. Also empfehlen sie erst einen Fonds für Schwellenländer, um ein halbes Jahr später wieder anzurufen: Schwellenländer sind vorbei, jetzt ist die Zeit für europäische Standardwerte. Zuletzt waren erneuerbare Energien der letzte Schrei. Die Moden in der Geldanlage wechseln so schnell wie die in den Schaufenstern in der Fußgängerzone.

          Hin und Her macht die Taschen leer

          Das kostet nicht nur viel Zeit, sondern auch viel Geld. Denn bei dem ständigen Hin und Her machen Anleger oft ein schlechtes Geschäft. Viele Untersuchungen haben gezeigt, dass sie oft den falschen Zeitpunkt zum Ein- und Ausstieg erwischen.

          Der Mutige Bild: F.A.Z.

          Dazu kommt, dass sich die unterschiedlichen Fonds, die der Bankberater anbietet, in vielen Fällen schlecht ergänzen. „Teils wird den Kunden ein Rohstoff-Fonds, ein Schwellenländer-Fonds und ein Energie-Fonds gleichzeitig empfohlen“, erzählt Simon Nöth, der bei Morningstar die Qualität von Fonds begutachtet. „Dann ist das Risiko groß: Wenn es den Schwellenländern schlechtgeht, leiden alle.“

          Der Eine für Alles

          Deshalb sehnen sich viele Sparer nach einem Fonds, der ihnen all diese Sorgen abnimmt. Der sie zwar am Kapitalmarkt und an den Gewinnen der Unternehmen beteiligt, um den sie sich aber ansonsten nicht kümmern müssen. Der das Geld einfach auf der ganzen Welt verteilt, so wie es gerade günstig ist.

          Die Banken rücken solche Fonds teils erst auf Nachfrage heraus - doch es gibt sie, und zwar ziemlich viele davon. Einige Fondsgesellschaften haben gleich mehrere Fonds, die als Langfristanlage vermarktet werden. Und so mancher dieser Fonds hat schon eine jahrzehntelange Tradition.

          Ansprüche reduzieren

          Doch wenn Anleger sich auf Dauer Zeit und Stress ersparen wollen, müssen sie erst mal ein bisschen Zeit investieren. Und ihren Fonds sorgfältig auswählen. Schließlich soll der Fonds die Basis für die Geldanlage der kommenden Jahre bilden. Wer da den falschen erwischt, verliert viel Geld.

          Ihre Ansprüche sollten Anleger allerdings nicht zu hoch hängen. Das Ziel bei der Fondsauswahl muss bescheiden sein: schlechten Fonds aus dem Weg zu gehen. Schließlich hat die Forschung gezeigt: Es gibt keinen Fonds, der jedes Jahr wieder der beste ist - aber es gibt durchaus schlechte Fonds, die sich nie berappeln und in jedem Jahr eine mickrige Rendite erwirtschaften. Für Anleger bedeutet das: Sie müssen darauf achten, dass der auserwählte Fonds seinen Erfolg schon bewiesen hat.

          Mindestens 50 Millionen

          Das gilt nicht nur für seinen Erfolg bei der Geldanlage, also für die Rendite, sondern auch für seinen Erfolg bei den Kunden. Denn wenn ein Fonds sich nicht verkauft, wird er irgendwann geschlossen. Als Faustregel gilt, dass ein Fonds mindestens 50 Millionen Euro verwalten muss, um eine Zukunft zu haben. Für langfristige Geldanlagen sollte diese Summe noch deutlich höher sein.

          Wenn ein Fonds all das erfüllt, können Anleger weiterschauen: Hat der Fondsmanager den richtigen Ansatz? Andreas Köchling, Leiter der Fondsanalyse bei der Ratingagentur Feri, nennt drei Kriterien: Der Fondsmanager muss das Geld flexibel einsetzen können. Er muss darauf achten, dass sich das Risiko in Grenzen hält. Und er sollte sich nicht zu sehr an einem Index orientieren, sondern frei anlegen.

          Aus der Boutique

          Da fallen Köchling nicht viele Fonds ein. Die meisten stammen nicht von den großen bankeigenen Fondsgesellschaften, sondern von unabhängigen Vermögensverwaltern. Die betreuen vor allem große Kunden mit viel Geld, haben aber in vielen Fällen auch Fonds, an denen sich Privatanleger mit kleinen Summen beteiligen können.

          Diese Vermögensverwalter verfolgen teils recht moderne Ansätze. In den vergangenen Monaten hat zum Beispiel die österreichische Vermögensverwaltung C-Quadrat viel Aufmerksamkeit erregt. Ihre Fonds haben sich in den turbulenten Börsenzeiten der vergangenen Jahre sehr gut geschlagen und stehen jetzt in den Ranglisten ganz oben.

          Gleichwohl werden ihre Fonds nicht jedem Anleger sympathisch sein, denn bei C-Quadrat entscheiden nicht die Menschen über die Geldanlage, sondern Computer. Die versuchen dann beispielsweise, Kurstrends zu erahnen und daran zu verdienen. Anleger, die dem Computer mehr vertrauen als Menschen, sind bei diesem Fonds an der richtigen Adresse.

          Die meisten langfristig orientierten Fonds werden allerdings noch von Menschen verwaltet. Fünf Fonds stellen wir vor, alle werden von Fondsexperten wie Simon Nöth und Andreas Köchling geschätzt. Die Einschätzung der Experten allein bringt allerdings keine hundertprozentige Sicherheit dafür, dass nicht doch mal ein Fondsmanager danebengreift.

          Deshalb kann es sich lohnen, das Geld auf mehrere dieser Fonds zu verteilen - um auch von der Leistung der einzelnen Manager unabhängiger zu sein.

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