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Investmentfonds : Fidelity hat Ärger mit Kunden

  • -Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET

Die amerikanische Fondsgesellschaft Fidelity erhebt Gebühren für die Verwahrung von Fondsanteilen. Das kommt nicht bei allen Kunden gut an.

          3 Min.

          Die amerikanische Fondsgesellschaft Fidelity hat sich in Deutschland Ärger mit vielen Vermögensverwaltern eingehandelt. Der entstand, nachdem Fidelity im vergangenen Jahr von der BHF-Bank das Abwicklungsinstitut Frankfurter Fondsbank kaufte und auf diese ihre eigene Abwicklungsplattform Funds Network übertrug. Bisher war die Verwahrung von Fondsanteilen bei Fidelity kostenlos. Die zwangsweisen Neukunden der Fondsbank dagegen sollen zahlen.

          Abwicklung von Fondsanteilen? Das mag auf den ersten Blick langweilig klingen. Und das sollte sie auch sein. Abwicklungsbanken sollen den Anlegern weitgehend den Papierkram abnehmen, wenn sie in Investmentfonds investieren. Sie verwahren die Anteile, schreiben Ausschüttungen gut und rechnen Käufe und Verkäufe ab. 16,6 Milliarden Euro in 912 000 Depots verwaltet die Frankfurter Fondsbank nach dem letzten Stand.

          Abwicklung von Fondsanteilen liefert steten Umsatzbeitrag

          Jeder einzelne Kunde wirft etwas ab, wenn auch wenig. Doch das summiert sich: "Im Vergleich zur Leistung sind die Sätze sehr günstig", sagt Peter Nonner, Geschäftsführer der Fondsbank. "Sie variieren von 18 Euro bis maximal 40 Euro jährlich für die Depotführung." Fidelity-Kunden kommt die Fondsbank etwas entgegen und erhebt in diesem Jahr nur die Hälfte. "Das sind absolut marktübliche Tarife", sagt Nonner. Angesichts der großen Kundenzahl bringt das einen Umsatz, der nicht nur im Millionen-Bereich liegt, sondern zuverlässig Jahr für Jahr kommt.

          Viele Vermögensverwalter jedoch wollten den Transfer von Funds Network zur Fondsbank nicht mitmachen und legten Widerspruch gegen die Übertragung des Depots ein. Dieses Verfahren habe ein Geschmäckle, beschwerte sich beispielsweise ein Vermögensverwalter im Rhein-Main-Gebiet. Als dieser die Abwicklungsbank wechseln wollte und den Übertrag eines Kunden-Depots zu einem anderen Abwickler in Auftrag gab, stellte sich Fidelity quer. "Bitte beachten Sie, dass Fidelity aus Sicherheitsgründen keine Fondsüberträge an Dritte unternimmt", hieß es in dem Schreiben. Als der Vermögensverwalter bei Fidelity telefonisch nachhakte, wurde er auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) verwiesen. Daraufhin bat er um deren Zusendung. Dann jedoch lenkte Fidelity ein und rief zurück: Dies stehe nicht in den AGB, sondern sei eine geschäftspolitische Entscheidung.

          Fidelity spricht nur von geringer Widerspruchsquote

          Nonner fällt es schwer, solche Fälle nachzuvollziehen. "Wir hatten uns und unsere Kunden intensiv auf die Übertragung der Kundendepots von Funds Network zur Frankfurter Fondsbank vorbereitet", sagt er. "Dabei sind wir nach dem Grundsatz vorgegangen: Qualität geht vor Schnelligkeit." Ende Mai habe die Fondsbank die Übertragung abschließen können und dabei 150 000 Fidelity-Kunden auf die Fondsbank transferiert. "Das gesamte Verfahren der Kontenübertragung wurde anwaltlich begleitet und mit der Bafin besprochen", sagt Nonner.

          Viele Vermögensverwalter wollten mit ihren Kunden nicht zum kostenpflichtigen Angebot der Fondsbank wechseln und legten Widerspruch ein. Einer schilderte in der Zeitschrift "Finanztest", wie sich die Fondsbank über den Widerspruch hinwegsetzte. Statt einer Antwort auf seinen Widerspruch habe der Vermögensverwalter nur eine Bestätigung erhalten, dass sein Depot nun eröffnet worden sei. Diesen Fall habe die Fondsbank kurzfristig lösen können, sagt Nonner.

          Widersprüche gegen die Übertragung der Depots vom kostenlosen Funds Network zur kostenpflichtigen Fondsbank habe es nur "im sehr niedrigen einstelligen Prozentbereich" gegeben. Bei 153 000 Depots, die laut Fidelity von Funds Network kommen, wäre ein Prozent gut 1500 Widersprüche.

          Anleger achten verstärkt auf die Kosten

          Doch der Ärger mit den Vermögensverwaltern trifft Fidelity an einer Stelle, an der die Fondsgesellschaft besonders verwundbar ist. Denn Fidelity verfügt in Deutschland nicht wie die großen heimischen Fondsanbieter über einen schlagkräftigen Bankvertrieb mit einem dichten Filialnetz. Die Stärke von Fidelity - die Fondsgesellschaft sieht sich in Deutschland als fünftgrößte - machen die vielen bankenunabhängigen Vermögensverwalter aus, die stets eine verlässliche Stütze für den Vertrieb von Fidelity-Fonds waren. Umgekehrt unterstützte Fidelity seine Vertriebspartner mit der Plattform Funds Network, auf der diese auch Fonds abwickeln und verwalten konnten, die nicht von Fidelity kamen.

          Dass dieser Service kostenlos war, sparte den Vermögensverwaltern nicht nur Kosten und Arbeit, sondern war auch eine nette Zugabe gegenüber ihren Anlegern. Jetzt müssen sie ihren Kunden erklären, dass diese in Zukunft Geld für diese Dienstleistung bezahlen sollen. In Zeiten niedriger Renditen sind solche Gespräche besonders unangenehm. Denn jetzt schauen Anleger erst recht auf die Kosten.

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