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Investmentfonds : DWS setzt auf BRIC-Staaten

  • -Aktualisiert am

Thomas Gerhardt managt den BRIC Plus Bild: DWS

Innerhalb von zwölf Jahren ist die Welt von Fondsmanager Thomas Gerhardt eine andere geworden. Die Schwellenmärkte in Lateinamerika, Osteuropa und Asien galten bei seinem Einstieg bei der DWS 1993 als äußerst riskant und waren allenfalls ein Geschäft am Rande.

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          Vor zwölf Jahren galten Schwellenmärkte in der Fondsbranche noch als Nischen-Investment - äußerst riskant und allenfalls ein Geschäft am Rande. „Tiefe Krisen gehören dazu“, hieß es damals. Heute ist von den „Gewinnern der Globalisierung“ die Rede.

          Heutzutage schneidern die DWS-Produktspezialisten aus den vier Schwellenländern Brasilien, Rußland, Indien und China einen Bestseller namens BRIC Plus - die Abkürzung ergibt sich aus den Anfangsbuchstaben der auserwählten Zielmärkte. Und Thomas Gerhardt, der inzwischen das Portfoliomanagement der Schwellenländerfonds bei der DWS leitet, kann sich freuen, damit zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

          Eine China-Krise kann sich der Westen nicht leisten

          Denn die Geschichte der vier Länder findet inzwischen Gehör in der breiten Anlegerschaft. Und so, wie sie Gerhardt erzählt, klingt sie auch schlüssig. Da ist gleich zu Beginn der Verweis auf die Dimensionen, die inzwischen die Handelsbeziehungen der Industrieländern mit diesen Schwellenmärkten angenommen haben. „Der amerikanische Einzelhändler Wal-Mart alleine importiert inzwischen Waren im Wert von 18 Milliarden Dollar aus China“, lautet sein Lieblingsbeispiel. Er ist damit der fünfgrößte Importeur - nur etwas kleiner als ganz Deutschland und etwas größer als ganz Großbritannien.

          Bild: FAZ.NET

          Amerikanische Unternehmen machen Milliardenumsätze in diesem Land, japanische selbstverständlich auch. Gleichzeitig nehme auch die Vernetzung unter den Schwellenländern selbst zu - liefert Rußland die Rohstoffe, Brasilien die Nahrungsmittel und China dank niedriger Lohnkosten die billigen Güter.

          Mit Blick auf diese in den vergangenen Jahren mit atemraubender Geschwindigkeit entstandene internationale Vernetzung stellt Gerhardt die einfache Frage: „Kann es sich die Welt noch erlauben, daß etwa China in eine tiefe Krise rutscht?“ Nein, kann sie nicht mehr, antwortet er gleich selbst. „Der Rest der Welt muß ein Interesse daran haben, daß es in Schwellenländern keine ausgeprägten Krisen wie in der Vergangenheit mehr gibt.“

          Anleger schwärmen für Schwellenländer

          Damit verändere sich auch das Risikoprofil dieser Anlagekategorie. Und damit schließt sich dann der Kreis zu seinem eigentlichen Aufgabengebiet: Können es sich Anleger weiterhin leisten, die „Gewinner der Globalisierung“ zu übersehen?

          Es ist da etwas in Bewegung geraten in der Anlegerschaft, wie der Verkaufserfolg des BRIC Plus zeigt. Ihm ist in diesem Jahr der Vorstoß unter die fünf am häufigsten verkauften Aktienfonds in Deutschland gelungen. Was Gerhardt und seiner Mannschaft dabei überaus gelegen kam, war aber nicht nur eine nachvollziehbare Geschichte. Die schon seit drei Jahren an den Schwellenmärkten laufende Hausse hat sich in diesem Jahr noch einmal von ihrer besten Seite gezeigt - und Gewinne sind immer noch ein schlagkräftiges Argument.

          Rußland noch vor Brasilien

          Was im Gesamtbild einen guten Eindruck macht, stellt sich bei einem Blick auf die einzelnen Länder inzwischen jedoch sehr unterschiedlich dar. Da werden bei Gerhardt aus vier Ländern zwei Favoriten und zwei Fälle, die mit Vorsicht zu genießen sind. Ganz oben auf seiner Positivliste steht Rußland. „Trotz der jüngsten Rekordstände hat der dortige Aktienmarkt immer noch Nachholbedarf wegen der Auswirkungen der Yukos-Krise.“ Der Markt sei äußerst günstig bewertet. „Vor einigen Wochen haben wir noch einmal aggressiv Positionen in russischen Aktien aufgebaut, weil wir glauben, daß der Ölpreis hoch bleibt.“

          Mit einer leichten Abstufung folgt Brasilien. Die Korruptionsfälle im Umfeld von Präsident Lula sollten nicht zu hoch gehängt werden, meint Gerhardt. „Lula will niemand stürzen, nur schwächen.“ Die Ängste vor einer politischen Destabilisierung zeigten aber, wie tief noch das Mißtrauen bei ausländischen Investoren sitzt. Dabei würde sich die brasilianische Exportwirtschaft stark entwickeln. Und mit Petrobras ist einer der am günstigsten bewerteten Ölwerte der Welt ausgerechnet in dem lateinamerikanischen Land zu Hause.

          Dagegen sei der chinesische Aktienmarkt eine große Enttäuschung. Befürchtungen über einen Aufbau von Überkapazitäten und höherem Margendruck drängten sich immer wieder in den Vordergrund. Chancen mißt der Fondsmanager Konsumwerten zu.

          China enttäuscht, Indien korrekturreif

          Reif für eine Kurskorrektur sei nach Ansicht von Gerhardt Indien. Hier hält er sich derzeit mit Engagements zurück. Der Aktienmarkt sei außerordentlich gut gelaufen. Jetzt müsse erst einmal abgewartet werden, wie sich die steigenden Rohstoffkosten auf das Gewinnwachstum der Unternehmen auswirkten.

          Softwareanbieter und Arzneimittelhersteller nimmt er von diesem Szenario aber ausdrücklich aus. Auch stehe Indien vor einem riesigen Investitionszyklus, was Infrastrukturanbieter interessant mache. Lähmend wirke dagegen weiter die berüchtigte indische Bürokratie.

          Ein Selbstläufer ist der Anlageerfolg in Schwellenländern trotz aller Veränderungen keinesfalls. Noch immer müssen Fondsmanager dort ganz besondere Talente vorweisen. „Gefragt ist ein großes Maß an Pragmatismus“, sagt Gerhardt. Nicht alles, was passiere, lasse sich in irgendwelche Modelle pressen. Und auch Menschenkenntnis sei weiterhin ein entscheidender Faktor: Wem kann man trauen und wem nicht.

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