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Investmentfonds : Die Risikoscheu der Deutschen ist fast sprichwörtlich

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Im internationalen Vergleich bevorzugen deutsche Anleger sichere Investments. Schuld daran mögen wenige und schlechte Erfahrungen sein - aber auch eine gegenläufige Politik.

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          Man kann die Risikoaversion der Deutschen mittlerweile fast schon pathologisch nennen oder ihr aber zumindest Sprichwortpotential nachsagen - dies zeigt auch ein Vergleich der Investmentgewohnheiten der Deutschen mit den Fondskäufern im Rest der Welt.

          „Deutsche Anleger sollten wieder mehr Vertrauen auf renditestärkere Produkte wie Aktienfonds legen“, sagt Andreas Fink vom BVI, der Interessenvertretung der deutschen Fondsbranche, mit Blick auf den Vergleich zwischen deutschen und ausländischen Fondskäufern. Die Risikoaversion der Deutschen kostet sie einiges an Rendite, glaubt Fink: „Der Dax hat sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren fast verdoppelt, aber viele Anleger haben an der Seitenlinie gestanden und nur zugeschaut.“

          Der Deutsche mag lieber Rentenfonds

          Am deutlichsten zeigt sich der geringe Mut der Deutschen bei den Zahlen zu den Aktienfonds: Während weltweit rund 43 Prozent des Publikumsvermögens von insgesamt knapp 13,5 Billionen Euro in Aktienfonds angelegt sind, investieren die Deutschen gerade einmal 32 Prozent ihres Fondsvermögens in Aktienfonds.

          Spiegelbildlich sieht es bei den risikoärmeren Rentenfonds aus: Weltweit investieren Anleger 20 Prozent ihres Fondsvermögens in Rentenfonds, die Deutschen hingegen stecken 24 Prozent ihrer Fondsanlage in diese Produkte. Allerdings sind Rentenfonds nicht das einzige Investment, mit dem deutsche Anleger ihre Risiken begrenzen wollen.

          So investieren die Deutschen zusätzlich 27 Prozent ihrer Fondsanlagen in Offene Immobilienfonds, die als recht sicher gelten, und elf Prozent in Geldmarktfonds. Offene Immobilienfonds sind EU-rechtlich gesehen keine OGAV-konformen Investmentfonds und unterliegen damit nicht der EU-Investment-Richtlinie. Sie tauchen deswegen in den internationalen Statistiken nicht als eigenständige Anlageklasse auf. Es gibt sie noch vereinzelt in anderen Staaten, doch in der überwiegenden Mehrheit der Fälle investieren Anleger dort über andere Instrumente in Immobilien.

          Wenig Erfahrung und dann noch bestraft

          Über die Ursachen einer möglichen Risikoaversion der Deutschen, so man sie denn konstatieren will, läßt sich nur spekulieren. Vermutlich ist sie auch mit Blick auf die gesetzliche Rentenversicherung historisch bedingt: In den vergangenen 40 Jahren mußten sich die Deutschen wenig Gedanken um ihre Altersvorsorge machen - die Rente war ja schließlich sicher. Das bedeutet aber auch, daß sich in den vergangenen 40 Jahren keine Investmentkultur nach dem Vorbild vieler angelsächsischer Staaten etablieren konnte. Denn man hatte es ja im Gegensatz zu den Anlegern anderer Staaten nicht nötig, an den Aktienmarkt zu gehen.

          Als sich die Deutschen im Zuge der Hausse zum Ende der neunziger Jahre zum ersten Mal an die Börse trauten, wurden viele Anleger denn auch für diese mangelnde Erfahrung bestraft. Das wiederum hatte zur Folge, daß der Aktienmarkt für viele Anleger keine Alternative mehr darstellt - ein gebrannter Anleger scheut eben das Feuer.

          Möglicherweise hat auch der Fiskus seinen Beitrag dazu geleistet, daß offenbar viele Deutsche wenig Neigung zu risikoreicheren Anlagen verspüren. Über Jahrzehnte hinweg hat der Staat Lebensversicherungen steuerlich begünstigt und damit in Deutschland eine Art Lebensversicherungskultur gefördert.

          Mit Blick auf dieses Argument müssen auch die Pläne zur Besteuerung von Spekulationsgewinnen erschrecken: Je stärker Kursgewinne besteuert werden, um so unattraktiver wird es, sich dem mit diesen Kursgewinnen korrespondierenden Risiko auszusetzen. Wenn Risiko nicht mehr adäquat belohnt wird, meidet man es. Darüber kann auch die steuerliche Absetzbarkeit dieser Verluste nicht hinwegtäuschen. Zum einen tun Verluste immer weh, auch wenn der Fiskus sich daran beteiligt, zum anderen muß man zunächst einmal auch Einkommen oder Gewinne erzielen, um Verluste steuerlich geltend machen zu können.

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