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Investmentfonds : Der Überlebenskampf der Dinosaurier

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der Fidelity European Growth Fund verliert an Bedeutung - wie viele andere Fonds, die seit Jahren unter hohen Mittelabflüssen leiden. Viele der Dinosaurier in der Branche befinden sich längst im Überlebenskampf.

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          Es gab Zeiten im deutschen Fondsgeschäft, da flößten Produkte wie der Fidelity European Growth tiefe Ehrfurcht ein. Da galt der Fonds als Richtschnur für Erfolg und Misserfolg in der Branche. Doch seit Jahren verzeichnet der Fonds hohe Mittelabflüsse. Ein Vermögen von gut 23,5 Milliarden Euro waren in dem Fonds vor rund fünf Jahren angelegt. Heute ist das Vermögen auf ein Drittel der alten Größe geschrumpft (siehe Grafik).

          Viele der Dinosaurier im Fondsgeschäft befinden sich im Überlebenskampf. Manche halten sie gar vom Aussterben bedroht. „Die Zeiten, in denen gerade die deutschen Anleger abseits der Produkte nationaler Anbieter zur Abdeckung europäischer Aktienbasisinvestments fast ausschließlich auf das Fidelity-Flaggschiff setzten, sind vorbei“, urteilt der Fondsexperte Björn Drescher.

          Im Oktober 1950 legte die Fondsgesellschaft Adig den Fondak auf. Es war der erste Aktienfonds in Deutschland. Erst ist die Adig in Cominvest, dann in Allianz Global Investors aufgegangen, und der Fondak verliert an Bedeutung. „Wir werden uns in Zukunft auf die fünf bis zehn guten Flaggschiff-Fonds konzentrieren, etwa den deutschen Aktienfonds Fondak“, hieß es noch 2005 bei Cominvest. Das ist Geschichte. In einer Analyse über Stärken und Schwächen der Fondsgesellschaften in Europa zählt Christian Michel, Analyst von Feri Euro Rating Services, den Fondak zu einer der größten Schwächen von Allianz Global Investors. Den ebenfalls auf deutsche Aktien fokussierten RCM Vermögensbildung Deutschland dagegen rechnet Michel jenen Fonds zu, die Allianz Global Investors stärken.

          Weitere Innovationen seien lokale Produkte in Schwellenländern

          Viele Fondsgesellschaften kämpfen damit, dass die Zeiten schwer geworden sind für ihre einst so großen und mächtigen Flaggschiff-Fonds, wie diese damals genannt wurden. Den Fondsanbietern ist es nicht gleichermaßen gelungen, den Bedeutungsverlust der Dinosaurier auszugleichen. „Früher wurden wir in Deutschland mit zwei oder drei Fonds gleichgesetzt“, sagt Reinhard Berben, Deutschland-Chef der amerikanischen Fondsgesellschaft Franklin Templeton. „Das hat sich stark geändert.“ Die Bedeutung der Flaggschiff-Fonds sei zurückgegangen. Dies müssten die Anbieter ausgleichen. „Heute besteht der Kernbereich unserer Palette aus etwa zehn Fonds“, sagt Berben. „Damit stehen wir stabiler da als vor zehn oder fünfzehn Jahren.“

          Auch die DWS der Deutschen Bank wurde früher mit einer Handvoll Schwergewichte identifiziert. Im Aktienbereich waren dies Fonds wie der Investa oder der Akkumula. In den vergangenen Jahren versuchte die DWS, ihre Abhängigkeit von ihren Flaggschiff-Fonds zu verringern. „Heute haben wir rund 40 Fonds, die auf ein Fondsvermögen von mehr als einer Milliarde Euro kommen“, sagt ein Sprecher der Fondsgesellschaft. Dies sind Produkte wie der DWS Top Dividende, in dem gut 6 Milliarden Euro angelegt sind, der DWS Deutschland mit etwa 3 Milliarden Euro oder der Vorsorge Dachfonds, mit dem die DWS Sparpläne zur privaten Altersvorsorge bestückt.

          Wichtig ist aus Berbens Sicht, dass eine Fondsgesellschaft ihren Grundsätzen treu bleibt. So sieht Franklin Templeton bei Produkten beispielsweise mit garantiertem Werterhalt oder Lebenszyklusfonds nur einen geringen Nutzen für den Anleger. „Das entspricht nicht unserer Vorstellung von Leistung und Service“, sagt Berben. „Wir haben ein anderes Verständnis von nachhaltigen Innovationen, die beispielsweise risikoscheue Anleger ansprechen sollen.“ Ihnen will er verstärkt Mischfonds und Asset-Allocation-Strategien anbieten. Weitere Innovationen seien lokale Produkte in Schwellenländern, die speziell für die Anlagebedürfnisse in diesen Ländern entwickelt werden. „Wir wollen dort als lokaler Player wahrgenommen werden“, sagt Berben.

          Schwerfällig wie ein 30 Tonnen schwerer Brontosaurus

          Im Fall des European Growth kommen hausgemachte Schwierigkeiten hinzu: Fidelity ist es nie wirklich gelungen, den ehemaligen Fondsmanager Anthony Bolton zu ersetzen. Dabei war es nach Dreschers Auffassung gerade Bolton, der den Fonds um die Jahrhundertwende sicher durch die schwierige Zeit lotste, als die Internet-Spekulationsblase platzte.

          Der Bedeutungsverlust ist nicht allein Fidelity zuzuschreiben. Mit einem Fondsvermögen von mehr als 20 Milliarden Euro hatte der Fonds auch eine Größe erreicht, mit dem er auf den europäischen Kapitalmärkten so schwerfällig agierte wie ein 30 Tonnen schwerer Brontosaurus. Ein zu großes Gewicht hindert einen Fondsmanager daran, nur Aktien zu kaufen, von denen er überzeugt ist. Er muss liquide Titel wählen, damit der Kurs beim Kauf nicht zu stark steigt und beim Verkauf nicht abstürzt. Für Anleger ist es somit nicht unbedingt ein Nachteil, wenn die Dinosaurier an Gewicht verlieren.

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