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Investmentfonds : Auch Islands Börse entdeckt Exchange Traded Funds

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Auf Aktien- oder Rentenindizes laufende Fonds, Exchange Traded Funds genannt, haben einen Schub beim Handelsvolumen erlebt. Zudem ist die Zahl der Fonds deutlich gestiegen, auch Islands Börse plant ein solches Produkt.

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          In den ersten drei Monaten ist das Interesse an Exchange Traded Funds, auch börsengehandelte Fonds genannt, stark gestiegen. Diese auf Aktien- oder Rentenindizes wie den Dax, MDax oder Rex laufende Fonds haben einen regelrechten Schub beim Tageshandelsvolumen erlebt. Zudem ist die Summe des verwalteten Kapitals merklich gestiegen - und zwar deutlicher als der Wertzuwachs der wesentlichen Aktienmärkte. Die steigende Beliebtheit dieser Finanzprodukte, die sich durch niedrige Kosten und Transparenz auszeichnen, spiegelt sich auch in der wachsenden Zahl an Exchange Traded Funds (ETFs) wider, die besonders in Amerika zunimmt.

          Der Markt ist mittlerweile so interessant, daß sich auch exotische Finanzplätze vorwagen. So hat die isländische Börse Iceland Stock Exchange signalisiert, einen Exchange Traded Fund auf den Leitindex des Inselstaats, Icex 15 aufzulegen. Dies folgt aus einer neuen Studie der Investmentbank Morgan Stanley. Rückblickend wäre dieser Indexfonds ein sehr gutes Investment gewesen: Der Icex 15 ist binnen Jahresfrist um 86 Prozent gestiegen, während der Dax um 52 Prozent und der Dow Jones um knapp 27 Prozent sind.

          Fonds vor allem durch frisches Kapital schwerer geworden

          Demnach betrug die Summe des verwalteten Kapitals aller ETFs weltweit am 31. März 229,306 Milliarden Dollar nach 212,016 Milliarden Dollar zum Ende vergangenen Jahres. Dies ist ein Plus von 8,1 Prozent. Dieser Anstieg läßt sich mit dem Wertzuwachs der wesentlichen Aktienmärkte, allen voran des amerikanischen, nicht erklären; im ersten Quartal verbesserte sich der maßgebliche Dow Jones-Index um 0,6 Prozent, die Technologiebörse Nasdaq um 0,8 Prozent, der Dax um 0,3 Prozent, der EuroStoxx 50 um 3,3 Prozent und der Nikkei um 10,7 Prozent, während der britische FTSE 100 ein Minus von 0,7 Prozent hinnehmen mußte.

          Zwar ragt der Zuwachs beim japanischen Leitindex heraus, doch machen Zahlen zum verwalteten Kapital deutlich, daß das Plus von 8,1 Prozent bei diesem nicht auf den Nikkei zurückzuführen ist. 161 Milliarden Dollar entfielen laut Morgan Stanley zuletzt auf amerikanische ETFs, knapp 25 Milliarden Dollar auf europäische Index-Fonds und 28,6 Milliarden Dollar auf japanische Pendants. Das starke Übergewicht des amerikanischen Markts legt nahe, daß Exchange Traded Funds verstärkt frisches Kapital angezogen haben.

          Viele Vorteile gegenüber üblichen Aktienfonds

          Dabei hat das Tageshandelsvolumen extrem zugenommen: In Dollar gerechnet legte es im Vergleich zum Jahresende um 64 Prozent zu. Der Umsatz mit Fondsanteilen stieg um 50 Prozent, wie Morgan Stanley ermittelt hat. Zudem hat nach Angaben der Bank der kurzfristig orientierte Handel mit Exchange Traded Funds zugenommen.

          Dessen ungeachtet liegt der Vorteil dieser Produkte nicht nur im fehlenden Ausgabeaufschlag, der bei üblichen Aktienfonds vier bis fünf Prozent beträgt. Die gesamten Verwaltungskosten sind mit knapp 0,5 Prozent von Anlagevolumen im Jahr deutlich niedriger als bei europäischen Aktienfonds, die durchschnittlich 1,2 Prozent berechnen. Zudem werden die Kurse von ETFs fortlaufend und nicht nur einmal am Tag ermittelt. Nicht zuletzt muß ein Anleger nur den Index verfolgen, auf den ein Exchange Traded Fund läuft, um zu wissen, wie es um sein Investment steht. Auch insofern sind sie komfortabler zu handhaben als übliche Aktienfonds. Und: Wie der Datenbank von FAZ.NET zu entnehmen ist, schneiden viele aktiv gemanagte Fonds schlechter ab als Indexfonds.

          Erste europäische Indexfonds vor vier Jahren emittiert

          Die ersten europäischen Indexfonds wurden vor vier Jahren auf den Markt gebracht und laufen auf den Dow Jones Stoxx 50 und den Dow Jones EuroStoxx 50. Anbieter dieser Produkte namens iShares DJ EuroStoxx 50 und iShares DJ Stoxx 50 ist BGI. Größter Spieler auf dem Markt ist indes mittlerweile IndexChange, hinter der die Hypo-Vereinsbank steht. IndexChange hat 35 ETF´s im Angebot und verwaltet 6,8 Milliarden Dollar, während BGI auf zehn Fonds und sechs Milliarden Dollar kommt.

          Dabei ist der iShares DJ EuroStoxx 50 mit einem Volumen von 2,64 Milliarden Dollar der schwerste europäische Indexfonds, gefolgt vom entsprechenden Produkt des Anbieters Master Unit (2,1 Milliarden Dollar) und dem auf den französischen Leitindex CAC 40 laufenden Fonds desselben Anbieters (2,07 Milliarden Dollar). Der Dax ex von IndexChange liegt auf Rang fünf und ist 1,68 Milliarden Dollar schwer.

          Den mit Abstand größten Zuwachs beim Anlagekapital erlebte indes im ersten Quartal ein Renten-Indexfonds: Der auf deutsche Staatsanleihen mit kurzer und mittlerer Laufzeit gemünzte eb.rexx Government Germany 2,5-5,5 Ex von IndexChange legte beim Volumen um sage und schreibe 5.093 Prozent oder knapp 1,4 Milliarden Dollar zu, gefolgt vom iShares DJ EuroStoxx 50 mit knapp 37 Prozent oder 710 Millionen Dollar und dem Dax ex mit 26,7 Prozent oder 353 Millionen Dollar.

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