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Investmentbank BNP Paribas : Dividendenaktien sind attraktiv

  • Aktualisiert am

William de Vijlder, Vice-Chairman BNP Paribas Investment Partners Bild: BNP Paribas

Die französische Bank BNP Paribas setzt in diesem Jahr auf Dividendenaktien und auf die Region Europa. William de Vijlder ist stellvertretender Vorsitzender von BNP Paribas Investment Partners.

          3 Min.

          Welche Anlageklasse ist 2014 am empfehlenswertesten?

          Aktien werden als Anlageklasse am besten abschneiden, gestützt von einer positiven Ertragsentwicklung. Bei Anleihen werden wir einen langsamen Anstieg der langfristigen Zinsen beobachten, was bedeutet, dass die Anleiherenditen (Kupon und Veränderung der Anleihenkurse) unattraktiv ausfallen werden. 

          Wie werden sich Aktien 2014 entwickeln?

          Wir gehen davon aus, dass die Aktienkurse proportional zum Ertragswachstum steigen werden (6 Prozent in den Vereinigten Staaten, 10 Prozent in Europa). Die steigenden Anleiherenditen werden für Gegenwind sorgen, aber der Risikoappetit der Investoren wird von einer allmählichen Verbesserung des wirtschaftlichen Umfelds getragen werden – hinzu kommt, dass die meisten Anlageklassen ohnehin nicht sonderlich attraktiv dastehen. Im weiteren Jahresverlauf wird die Nervosität zunehmen: Der Rückgang der Arbeitslosenzahlen in den Vereinigten Staaten wird dazu führen, dass die Investoren ihren Blick verstärkt auf den Zeitpunkt der ersten Zinsanhebung durch die Federal Reserve richten.

          Wie sehen sie Dividendenaktien?

          Sie sind attraktiv, weil die Dividendenrenditen oberhalb der Anleiherenditen liegen. Außerdem werden die Dividenden angesichts wachsender Nominalerträge mit steigen.

          Wie werden sich Anleihen guter Bonität entwickeln?

          Unternehmensanleihen aus dem Investment Grade (IG)-Segment sind für Investoren unattraktiv, weil ihre Renditen nur geringfügig über denen von Staatsanleihen liegen. Die Preisentwicklung dieser Anleihen wird daher stark geprägt von der Preisentwicklung von Staatsanleihen. Das bedeutet, dass sie angesichts moderat steigender Renditen wenig abwerfen werden. Hochzinsanleihen sind interessanter. In diesem Segment sind die Renditeaufschläge zwar ebenfalls niedrig, aber trotzdem noch bedeutend höher als im IG-Segment, schlichtweg weil das Risiko höher ist. Eine Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Lage und das anhaltende Niedrigzinsumfeld lassen jedoch sehr niedrige Ausfallraten erwarten.

          Muss zur Erzielung zufriedenstellender Erträge das Risiko erhöht werden?

          Das ist die zwangsläufige Schlussfolgerung. Allerdings sollten Anleger vorher genau prüfen, ob sich das Risiko lohnt. Jemand, der noch nie in Aktien investiert hat, sollte nicht mit einem großen Teil seines Anlagevermögens auf Aktien setzen, weil es nicht seinem historischen Risikoprofil entsprechen würde. Das bedeutet eben, dass sich der eine oder andere Anleger einfach mit einer niedrigeren Rendite zufrieden geben muss.

          Welche Anlagen eignen sich zur defensiven Positionierung bzw. Risikosteuerung eines gemischten Portfolios?

          Wandelanleihen sind besonders attraktiv. Sie bieten in steigenden Aktienmärkten Aufwärtspotential, begrenzen aber das Risiko nach unten. Aktienstrategien, die eine niedrige Volatilität anstreben, sind ebenfalls attraktiv. Auch Absolute Return-Strategien bieten Möglichkeiten.

          Sind Anlagen in Schwellenländern noch empfehlenswert?

          Aktien aus Schwellenländern sind unter dem Aspekt der Bewertungen attraktiv, allerdings fehlt ihnen aktuell ein positiver Katalysator. Insgesamt dürfte die konjunkturelle Entwicklung Chinas für die weitere Bedeutung von Schwellenländeraktien in der Anlegergunst eine Schlüsselrolle spielen. Hinzu kommen Bedenken, wie Länder mit Leistungsbilanzdefiziten diese finanzieren werden, wenn die Zinsen in den Vereinigten Staaten steigen. Allerdings wird das Interesse der Anleger an Schwellenländeraktien in dem Maße steigen, wie die Bewertungsniveaus in Amerika und Europa steigen.

          Auf amerikanische Dollar lautende Schwellenländeranleihen sind aufgrund ihres interessanten Spreads gegenüber amerikanischen Staatsanleihen attraktiv. Für eine gewisse Nervosität sorgt allerdings auch hier wieder die Frage, wie sich das erwartete Anziehen der geldpolitischen Zügel durch die Fed auf Länder mit defizitärer Leistungsbilanz auswirken wird.

          Welche Regionen der Industrieländer sind als Anlageregion am attraktivsten?

          Wir bevorzugen ganz klar Europa: Die Bewertungen sind attraktiv und die Wirtschaft erholt sich. Zudem erwarten wir ein ordentliches Ertragswachstum (10 Prozent) der Unternehmen, die diversifiziert aufgestellt sind: Rund 45 Prozent der Einnahmen werden außerhalb der Eurozone erzielt. Und nicht zu vergessen: Die Europäische Zentralbank kann noch immer für positive Überraschungen sorgen.

          Was ist ihr Worst-Case-Szenario für 2014

          Ein besonders starkes Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten hätte auch eine klare Kehrseite: Es würde die Anleiherenditen beträchtlich steigen lassen und den Aktienmärkten einen Dämpfer verpassen.

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