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Investment-Banking : Die fetten Boni-Jahre sind vorbei

Londoner Luxusmeile: In der Old Bond Street kaufen Investmentbanker gerne ein. Bild: Getty

In London bangen die Investmentbanker um ihre Arbeitsplätze. In New York sinken die Gehälter. In Frankfurt muss die Deutsche Bank kräftig streichen. Wer bekommt noch etwas ab vom Boni-Kuchen?

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          Die Mitarbeiter von Banken verdienen zu gut. Mit dieser Meinung hat der Ko-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, John Cryan, vor Monaten die Investmentbanker seines Hauses in Unruhe versetzt. Nach dem Rekordverlust im vergangenen Jahr von 6,7 Milliarden Euro dürfte die Unruhe noch einmal zugenommen haben. In der Führungsetage wird erwartet, dass viele Investmentbanker in London und New York Deutschlands größte Bank verlassen werden, wenn sie Anfang März ihre Boni-Mitteilung erhalten werden. Die Erfolgsprämien dürften deutlich magerer ausfallen als in den Vorjahren und gewiss auch geringer als bei den Konkurrenten.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wie stark die Boni bei der Deutschen Bank gestrichen werden, steht noch nicht fest. Seit längerem stellen sich die Mitarbeiter auf eine Kürzung von 30 Prozent ein. Die Aktionäre müssten dann aber die Hauptlast der Fehlentwicklung tragen. Sie erhalten für das zurückliegende und auch für dieses Jahr keine Dividende. Die hatte in den vergangenen Jahren 0,75 Euro je Aktie ausgemacht, was einer Gesamtausschüttung von rund einer Milliarde Euro im Jahr entspräche. Im Jahr 2014 zahlte die Bank Boni über 2,7 Milliarden Euro. Werden die Mitarbeiter ähnlich an den Verlusten beteiligt wie die Aktionäre, müssten die Boni um mehr als ein Drittel sinken. Noch kräftiger fielen die Kürzungen aus, wenn der Kursverlust von rund der Hälfte berücksichtigt würde.

          Banken müssen an Kostenschraube drehen

          Doch viele Banker in der Londoner City und im Finanzviertel Canary Wharf sorgen sich noch mehr, wie sicher ihr Arbeitsplatz ist. Vor allem im Handelsgeschäft ist die nächste Welle an Sparmaßnahmen in vollem Gange: Seit dem Sommer haben unter anderen Barclays, Credit Suisse und Morgan Stanley Personalkürzungen angekündigt. Auch die Deutsche Bank will Stellen abbauen, so dass freiwillige Kündigungen von Investmentbankern nicht unwillkommen sind. Doch alle Wechselwilligen werden in dem schwierigen Umfeld kaum einen gleichwertigen Ersatz finden. Das gilt vor allem für den Wertpapierhandel, der durch die strengeren Kapitalvorgaben weniger profitabel ist. Die Banken müssen weiterhin an der Kostenschraube drehen.

          Bei der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs blieb die Vergütung mit insgesamt 12,7 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr zwar unverändert. Aber die Summe verteilt sich auf mehr Köpfe, so dass der durchschnittliche Verdienst eines Goldman-Mitarbeiters im vergangenen Jahr um fast 30.000 auf 344.511 Dollar zurückging. Vorstandschef Lloyd Blankfein erhielt mit 23 Millionen Dollar eine Million weniger als 2014. Auch sein Kollege von Morgan Stanley, James Gorman, schnitt schlechter ab: Er bekam 21 Millionen nach 23,5 Millionen Dollar.

          Dafür kann Jamie Dimon zufrieden sein: Die amerikanische Großbank JP Morgan stockte ihrem Chef für vergangenes Jahr das Einkommen um mehr als ein Drittel auf rund 27 Millionen Dollar auf. Der Rekordgewinn von 24,4 Milliarden Dollar, den JP Morgan erzielte, macht sich auch am höheren Durchschnittsgehalt bemerkbar: Es stieg um 1 Prozent auf 126.273 Dollar, wobei mehr als die Hälfte der 235.000 Mitarbeiter im Privatkundengeschäft arbeitet. Dagegen sind die 56.000 Mitarbeiter von Morgan Stanley überwiegend im Kapitalmarktgeschäft tätig, wo mehr gezahlt wird. Dort sank das durchschnittliche Gehalt um 11 Prozent auf 284.891 Dollar.

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