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Investmenbanker im Interview : „Boni sind nicht alles“

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Investmentbanker Armin von Falkenhayn, Chef der Bank of America in Deutschland Bild: Lehnen, Etienne

Investmentbanker Armin von Falkenhayn hat bei Josef Ackermann gelernt und unter Anshu Jain Karriere gemacht. Jetzt greift er in Deutschland an - für die Bank of America. Ein Gespräch über Freud und Leid in einer verunsicherten Branche.

          Herr von Falkenhayn, die Boni schrumpfen, macht es da noch Spaß, Investmentbanker zu sein?

          Natürlich. Wer es nur wegen des Geldes macht, hat keinen Spaß auf Dauer.

          Wirklich? Wir dachten immer, es geht nur ums Geld in dem Beruf.

          Unsinn. Wir machen unser Geschäft, weil wir Kunden helfen, Lösungen zu finden. Weil es spannend ist, mit internationalen Teams zu arbeiten, und weil wir Freude haben an Komplexität und Geschwindigkeit der Transaktionen. Deswegen bin ich gerne Investmentbanker. Immer noch.

          Angefangen haben Sie einst als Assistent von Josef Ackermann, später haben Sie eng mit Anshu Jain gearbeitet: Was ist der größte Unterschied zwischen der Deutschen Bank und jetzt der Bank of America?

          Ich bin auch jetzt wieder in Deutschland, aber nicht mehr im Heimatmarkt tätig.

          Das heißt: Es ist schwieriger, Kunden zu gewinnen als früher mit der Marke Deutsche Bank?

          Nein, das nicht, es ist nur anders. Im Heimatmarkt hat man besondere Vor- und Nachteile. Die Erwartungshaltung an Auslandsbanken ist eine andere.

          Vom Marktführer wird permanent Eins-a-Qualität erwartet, von der Auslandsbank genügt auch mal 1b?

          Nein, nicht im Entferntesten. So habe ich das nicht gesagt. In diesem Geschäft muss der Anspruch immer sein, Eins-a-Qualität abzuliefern. Der Unterschied liegt darin, dass wir nicht für jeden Kunden alles tun müssen. Wir konzentrieren uns auf das, was wir am besten können, und womit wir dem Kunden den größten Nutzen liefern.

          Was hat sich im täglichen Leben, in der Kultur des Unternehmens für Sie geändert? Die Arbeitssprache ist Englisch, hier wie dort . . .

          Die spürbarste Änderung für mich ist, dass wir mit Christian Meissner an der Spitze unseres globalen Corporate und Investmentbankings einen Chef haben, der als Österreicher ausgezeichnet Deutschland versteht. Das hilft dabei, gerade für Kunden des deutschsprachigen Europas mit allen Besonderheiten global Unterstützung zu mobilisieren. Deswegen engagieren wir uns heuer auch auf der Hannover Messe, wo Amerika Partnerland ist.

          Braucht die Welt überhaupt noch so viele Investmentbanker?

          Es gibt, global gesehen, eher zu viele Investmentbanker, das ist wahr.

          Auch wenn die Banken schon Tausende Stellen gestrichen haben?

          Trotzdem haben wir Überkapazitäten. Die Zahl der Investmentbanker insgesamt wird weiter sinken.

          Weil Politik und Regulierer besonders riskante Geschäfte für obsolet erklärt haben, müssen sich die Typen in den Handelssälen etwas Neues suchen?

          Das ist zu pauschal. Wenn man den gesamten Markt betrachtet, ist es richtig, dass der Abbau im Handelssaal größer sein wird. Aber auch im Beratungsgeschäft sind die Teams quer durch die Branche im Boom gewachsen und gewachsen, ohne dass man immer darauf geachtet hat, wie sinnvoll das ist. Die Idee des Investmentbanking ist es ja, jedes Jahr hochklassige, topmotivierte Universitätsabsolventen der besten drei bis fünf Prozent aufzunehmen. In dieser Logik müssten jedes Jahr Banker ihr Haus verlassen, sonst kippt irgendwann die Pyramide. Diese Disziplin gab es nicht immer überall.

          Sie kämpfen an der Seite der Deutschen Börse dafür, die London Stock Exchange zu übernehmen. Gewinnen Sie die Schlacht, verliert Frankfurt an Bedeutung.

          Zu laufenden Transaktionen äußern wir uns nicht. Ich bin aber überzeugt, dass es im europäischen Sinn richtig und notwendig ist, wenn sich Spieler aus den Ländern Europas zusammentun, um gerade in Zukunftsindustrien - Stichwort Digitalisierung - weltweit bestehen zu können.

          Trotzdem: Geht der Konzernsitz nach London, wird dort investiert, fallen dort die Entscheidungen . . .

          Ich glaube, dass grundsätzlich alle Standorte gewinnen, wenn mehrere Unternehmen einen starken europäischen Spieler formen. Airbus ist dafür doch ein hervorragendes Beispiel.

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