https://www.faz.net/-gv6-rfcd

Interview : „Wir setzen nach wie vor auf Energie und Rohstoffe“

  • Aktualisiert am

Seismische Ölsuche Bild: Woodside Petroleum

„Hedge Fonds enttäuschen“, heißt es zwar immer wieder einmal. Aber es gibt genügend Manager, die das Gegenteil beweisen. Zum Beispiel Philip Mathews von Mathews Capital in Sydney. Er erläutert im Interview seine Strategie.

          5 Min.

          Ähnlich wie bei „normalen“ Fonds ist es bei Hedge Fonds wichtig, entweder in den richtigen Fonds zu richtigen Zeit investiert zu sein oder sich einem Fondsmanager anzuvertrauen. Er sollte schon längere Zeit im Markt sein und in dieser Zeit bewiesen haben, daß er eine nachhaltige Performance erwirtschaften kann.

          Dazu zählt beispielsweise Philip Mathews, Gründer und Geschäftsführer von Mathews Capital in Sydney. Mit seinem Sabre Fund verbuchte in den vergangenen Jahren überdurchschnittliche Kursgewinne. Noch bis vor kurzem lag er mit einem Plus von mehr als 130 Prozent auf Sicht eines Jahres an der Spitze aller bei Bloomberg gelisteten Hedge Fonds, bevor es in den vergangenen Wochen bei den Energiewerten zu einer Korrektur kam.

          Mit zwei privaten Fonds lag er in den vergangenen zwölf Jahren regelmäßig unter dem besten Prozent aller Long-Short-Hedge-Fonds weltweit. Im folgenden Interview erläutert er seine Strategie.

          Philip Mathews, Hedge-Fonds-Manager
          Philip Mathews, Hedge-Fonds-Manager : Bild: Privat

          Sie verwalten zwei Fonds, den Sabre Fonds und seit Jahresbeginn den Tomahak Fonds. Der erste, der schon seit dem Jahr 2002 auf dem Markt ist, hat eine ausgezeichnete Performance. Wie erzielen Sie diese?

          Wir versuchen in erster Linie marktbestimmende Themen und Trends zu identifizieren und setzen dann auf Branchen und Unternehmen, die davon profitieren. Das führt in der Regel zu einem ziemlich konzentrierten Portfolio, das unsere Performance erzeugt.

          Welches sind im Moment in Ihren Augen die interessanten Themen, die die Segel im Wind haben?

          Das sind Energie, Rohstoffe generell, der Industriebereich und nicht zuletzt die Finanzdienstleistungen.

          Können Sie ein Beispiel dafür geben?

          Ja, in den vergangenen Monaten waren wir stark - wie gesagt - im Energiebereich engagiert, nachdem wir die Angebots- und Nachfragedynamik im Ölbereich analysiert hatten. Denn im Moment sieht es so aus, als ob die weltweite Nachfrage die Produktionskapazität erreichen und auf die Weise zu einem anhaltenden Preisdruck führen kann. Immerhin gab es in den vergangenen Jahren so gut wie keine größeren Ölfunde. Aus diesem Grunde setzten wir auf ungehedgte Produzenten mit vorteilhaftem Produktionsprofil.

          Wie sieht ihre Grundstrategie aus?

          Wir sind prinzipiell ein global orientierter Long-Short-Manager, der absolute Erträge erwirtschaften will. Normalerweise konzentrieren wir uns vor allem auf den australischen Markt. Sollten wir so jedoch keine günstigen Gelegenheiten finden, schauen wir uns aber auch in anderen liquiden Märkten um, vor allem in Nordamerika und Europa. Wir investieren nicht in den Schwellenländern oder in Asien.

          Können Sie Beispiele nennen?

          Mit Blick auf das Öl schauten wir uns die großen Unternehmen der Branche in Amerika, Europa und Australien an und arbeiteten heraus, wer über die besten Reserven verfügt, wer das interessanteste Explorationspotential und Produktionsprofil hat und wer sich in der Vergangenheit solide entwickelt hat.

          Und - bei welchen Werten sind die gelandet?

          Wir waren und sind investiert in Woodside Petroleum in Australien, in Oil Search und wir sind auch engagiert im Finanzbereich. Denn die Regierung hat die Arbeitnehmer des Landes verpflichtet, mehr Geld für die Altersvorsorge zurückzulegen. Das führt zu Wachstum in diesem Bereich. Aus diesem Grund setzen wir auch auf Vermögensverwaltungsgesellschaften, die davon profitieren. Im Industriebereich haben wir unter anderem auf einen Turn-Around-Wert gesetzt, nämlich auf Brambles Industries.

          Wie sehen sie die australische Wirtschaft im Moment? Nimmt das Wachstum nicht ab und sorgt auf diese Weise für einen trüberen Ausblick?

          Wir beobachten eigentlich mehr die Entwicklung in den Vereinigten Staaten, da die dortigen Trends in Form von Wachstum, Inflation und so weiter sich sehr wahrscheinlich auch in Australien bemerkbar machen werden. Sollte sich die amerikanische Konjunktur abkühlen, dürfte das die Entwicklung in China dämpfen, was sich wiederum negativ auf die australische Exportnachfrage auswirken würde.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Krisenmanagement : Was man aus der Katastrophe lernen kann

          Nach der Flut mehren sich Stimmen, die fragen, wie man in Zukunft mit Katastrophen umgehen sollte. Es brauche moderne Tieflader, Bagger und Hubschrauber, sagt ein Krisenmanager. Das Kernthema bleibt aber das Training.

          Riesige Rauchwolke : Explosion im Chemiepark Leverkusen

          Im Chemiepark in Leverkusen hat es eine Explosion gegeben, mindestens vier Mitarbeiter wurden schwer verletzt. Noch werden fünf Arbeiter vermisst.
          Baroness Gisela Stuart 2015 im Wahlkampf in Birmingham

          Frankenberger fragt : Haben Sie die Folgen des Brexit unterschätzt, Baroness Stuart?

          Boris Johnson malt die Zukunft nach dem Brexit rosarot, aber die Brexit-Gegner sind weniger optimistisch. Wer hat Recht? Wir fragen nach bei der ersten „deutschen Lady“ im britischen Oberhaus, die die „Vote leave“-Kampagne anführte: Baroness Gisela Stuart.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.