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Interview : „Wir mögen unterschätzte Unternehmen“

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Phil Cliff, Fondsmanager Treadneedle Bild: Privat

Superfonds sind seit vergangenem Jahr auch in Deutschland zugelassen. Sie können ähnlich flexibel agieren wie Hedge Fonds. Threadneedle-Fondsmanager Phil Cliff erklärt im folgenden Interview, wie er mit seinem Fonds den Markt schlägt.

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          Superfonds sind seit vergangenem Jahr auch in Deutschland zugelassen. Das sind solche Fonds, die ähnlich wie Hedge Fonds flexibel in unterschiedliche Anlageprodukte investieren können.

          Der Sinn solcher Konstrukte liegt darin, dem Fondsmanager möglichst viele Freiheiten zu lassen, um unabhängig von der Marktentwicklung eine möglichst hohe Rendite bei kontrolliertem Risiko erwirtschaften zu können.

          Das scheint sinnvoll zu sein, denn die Erfahrung zeigt, daß sich die Fondsmanager traditioneller Fonds bei der Wahl ihrer Anlagestrategien oft eng an den Vergleichindex anlehnen, an dem sie gemessen werden. Aus diesem Grund unterscheidet sich die Wertentwicklung nur wenig davon, was zur Frage führen könnte, wozu der Fondsmanager überhaupt da ist. Denn was sollte den Anleger vom Kauf eines günstigeren Indexfonds abhalten?

          Blickt man auf die junge Geschichte, eines in Deutschland zugelassenen „Superfonds“, so hat sich eine Investition durchaus gelohnt. Denn der „Threadneedle Pan-European Accelerando“ hat auf Sicht eines Jahres immerhin knapp 34 Prozent zugelegt und den Eurostoxx deutlich geschlagen. Fondsmanager Phil Cliff erklärt im folgenden Interview, wie er das gemacht hat.

          Sie sind Manager eines so genannten Superfonds und haben entsprechende Freiheiten. Wie nutzen Sie sie?

          Sie haben recht, der Fonds kann grundsätzlich sehr flexibel anlegen. Wir nutzen die Freiheit in erster Linie dazu, sehr konzentriert vorzugehen. Wir investieren in maximal 30 Aktien. Wir „picken“ die Werte, so daß sie die besten Ideen der europäischen Börsenwelt enthalten sollten.

          Wie suchen sie diese Werte aus?

          Wir erhalten unsere Informationen von den verschiedensten Seiten. Eine wichtige und vielleicht die entscheidenste Art, Ideen zu erhalten ist, sich mit dem Management von Unternehmen zu unterhalten. Sie können eine sehr starke Überzeugung für oder gegen eine Aktie entwickeln, wenn sie zuhören, wie das Management seine Strategie, den Geschäftsgang und den weiteren Ausblick beschreibt. Wir hören auch auf unsere mehr als 20 Analysten, lesen Research-Reports und erhalten Ideen von unseren Brokern.

          Aber interessante Werte kommen doch sicherlich nicht automatisch in das Portfolio?

          Nein, sicherlich nicht. Wir haben auch eine Vorstellung davon, was ein Unternehmen wert ist und welchen Kursspielraum eine Aktie unter Berücksichtung der Risiken noch bieten kann. Nach diesem Gesamtprozeß kommen die besten der Aktien ins Portfolio. Das sind die, bei welchen unsere Überzeugung am größten ist und die gleichzeitig die größte Kursphantasie bieten.

          Was sind die entscheidenden Kriterien?

          Wichtig ist, daß wir etwas sehen, was der Markt noch nicht erkannt hat. Sei es, daß das Wachstum größer und die Gewinne höher sind, als man denkt oder daß die Bewertung zu tief ist.

          Können Sie ein paar Beispiele nennen?

          Ja, es gibt zum Beispiel ein Unternehmen namens Neste Oil. Dahinter steht die Annahme, daß der Ölpreis für längere Zeit hoch bleiben wird und daß es vor allem im Raffineriebereich anhaltende Engpässe geben wird. In dieser Branche wurde 20 Jahre lang kaum investiert, da lange Zeit kaum Geld zu verdienen war. Das hat dazu geführt, daß es zu einem strukturellen Kapazitäts- und damit Angebotsdefizit gekommen ist. Das gilt insbesondere für die Verarbeitung von schweren und von sauren Ölen. Das sind genau die Sorten, die gepumpt werden, wenn das Ölangebot schnell erhöht werden soll.

          Und Neste hat sich darauf spezialisiert?

          Ja, Neste ist gut dafür eingerichtet, solche Öle zu höherwertigen Produkten zu verarbeiten. Relative billige Ölsorten zu teuren Produkten zu verarbeiten führt zu hohen Margen. Und genau die werden unserer Meinung nach vom Markt unterschätzt.

          Haben sie sich nur auf die Raffinerien konzentriert?

          Nein, wir haben auch andere Werte im Ölsektor. Wir denken, die Ölunternehmen haben in der Vergangenheit zu wenig investiert und werden das künftig nachholen. Das können sie entweder tun, indem sie bestehende Felder intensiver ausbeuten. Das wäre das so genannte „development spending, “ das in jüngerer Zeit deutlich zugenommen hat. Oder sie investieren mehr in die Exploration, also in die Suche und Verfizierung neuer Vorkommen. Und hier wurde nur unterproportional investiert.

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