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Interview : „Wir haben erst die Hälfte der Rohstoff-Rally gesehen“

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Fondsmanager Evy Hambro glaubt an weiter goldene Zeiten Bild: Merrill Lynch

Evy Hambro von Merrill Lynch managt zwei herausragende Rohstoff-Fonds. Und er blickt zuversichtlich in die Zukunft: Der Preisauftrieb bei Gold, Nickel & Co. wird anhalten, sagt er im FAZ.NET-Interview.

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          2003 ist bisher ein Rohstoff-Jahr. Wer vor Monaten auf Gold oder einen anderen metallischen Rohstoff gewettet hat, kann sich die Hände reiben. Die Zahlen sind eindrucksvoll: Der Preis für die Unze Gold ist in diesem Jahr von knapp 340 auf zuletzt 404 Dollar gestiegen. Dieselbe Menge Platin hat sich von 605 auf 818 Dollar verteuert. Kupfer hat in diesem Jahr 38 Prozent gewonnen und die beste Wertentwicklung seit 1994 gesehen, wie Bloomberg News berichtet. Nickel ist so teuer wie seit 14 Jahren nicht mehr. Und Weizen als eines der wichtigsten Getreide der Welt hat seit Jahresbeginn eines Preisanstieg von 23 Prozent erlebt. Selbst Kaffee ist teurer geworden, um 8,8 Prozent auf Dollarbasis.

          Diese Entwicklung hat sich Evy Hambro zunutze gemacht. Der Fondsmanager von Merrill Lynch verwaltet zwei herausragende Fonds, die auf Rohstoffe und Aktien von Minengesellschaften setzen: den gut 500 Millionen Dollar schweren World Mining und den eine Milliarde Dollar beinhaltenden World Gold. Beide Fonds, deren Anteilsscheine wie Rohstoffe auf Dollar laufen, sind binnen Jahresfrist um 40 Prozent teurer geworden. Trotz der Schwäche der amerikanischen Währung bleibt in Euro rechnenden Anlegern eine schöne Rendite von jeweils gut 15 Prozent.

          Im Interview mit FAZ.NET sagt Hambro, warum Anleger auch weiter mit steigenden Rohstoffpreisen rechnen dürfen und die Rally erst auf halbem Wege ist, wie der Fondsmanager meint.

          In diesem Jahr sind die Preise für Rohstoffe auf breiter Front mehr oder weniger stark gestiegen. Haben Rohstoffe vorwiegend von der Schwäche des Aktienmarkt im Frühjahr und danach von der anhaltenden Schwäche des Dollar profitiert oder von einem Anstieg der Nachfrage?

          Der Hauptgrund für den Anstieg von Rohstoffpreisen ist ein Anstieg der Nachfrage. Wir haben bei den meisten Rohstoffen sogar eine bedeutende Steigerung gesehen. Und am meisten dazu beigetragen hat China. Vor allem bei Nickel war die Rally großartig, ja spektakulär. Bei anderen wie Gold war der Preisanstieg schön. In manchen Fällen haben sich Rohstoffpreise, wie bei Gold und Platin, seit dem vierten Quartal des Jahres 2001, als sie ihre Tiefststände sahen, aus ihrem jeweiligen Tal erhoben. Wir sind aber bei der Rally dieses Bullenmarktes nicht einmal auf der Hälfte des Weges angekommen.

          Sie glauben also, daß der Preisauftrieb sich fortsetzen wird?

          Ich bin da sehr zuversichtlich.

          Inwiefern spielt die Stimmung an den Märkten eine Rolle?

          Für die Rally ist nicht zuerst das Sentiment, sondern die Nachfrage verantwortlich. Das liegt, wie gesagt, auch und gerade an China. Aber wir rechnen auch mit steigenden Orders aus anderen Regionen der Welt. Es ist Konsens unter Marktteilnehmern, daß sich die Wirtschaft in Amerika und bald auch in Europa erholt. Deshalb wird dort die Nachfrage nach Rohstoffen in Schwung kommen, was für einen sehr aufregenden Markt auf diesem Gebiet spricht.

          Lassen Sie uns kurz auf Gold schauen: Ist es nicht so, daß der Goldpreis mehr durch das gestiegene Interesse bei Investoren getrieben wird als durch Nachfrage der verarbeitenden Industrie?

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