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Interview : „Wir erzielen unsere Performance durch Stock-Picking“

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Bild: Westhall Capital

Die chinesische Börse boomt. Fragt sich nur, ob der Trend nachhaltig ist. FAZ.NET stellte die Frage an Kenneth Hung. Er verwaltet den Trophy Fund, einen China-Hedge Fonds in Hongkong, der auf Sicht eines Jahres 230 Prozent zugelegt hat.

          Die chinesische Börse boomt: Der Shanghai Stock Price Composite Index hat seit Jahresbeginn knapp 88 Prozent zugelegt, der Hang Seng China Enterprises Index verbuchte im selben Zeitraum einen Kursgewinn von knapp 64 Prozent.

          Die mittelfristigen Trends zeigen weiterhin nach oben. Die Frage ist allerdings, ob sie auch nachhaltig sein können. Wir stellten sie an Kenneth Hung. Er verwaltet den Trophy Fund, einen Hedge-Fonds in Hongkong, der sich die Aktienanlage in Asien konzentriert. Mit einer Performance von etwas mehr als 230 Prozent auf Sicht eines Jahres kann sich sein Erfolg sehen lassen.

          Herzlichen Glückwunsch! Mit Ihrer Performance in den vergangenen Monaten sind sie jeden Cent wert, den sie von Ihren Kunden für Ihre Dienste verlangen. Wie gehen Sie vor, um solche Resultate zu erzielen?

          Der Trophy Fund ist ein so genannter Long-Short-Fund, der vor allem in Asien, in erster Linie aber im chinesischen Raum investiert und netto eher „long“ als „short“ ist. In den fünfeinviertel Jahren, in denen wir auf dem Markt sind, haben wir für unseren Anlegern eine Nettorendite von 1.224 Prozent oder von durchschnittlich 63,4 Prozent pro Jahr erzielt. Dabei lag das durchschnittliche Bruttorisiko (exposure) bei 98 Prozent und der durchschnittliche Anteil direktionaler Positionen bei 70 Prozent. Wir erzielen unsere Performance in erster Linie durch das Stock-Picking im traditionellen Sinne: Wir suchen unterbewerte Aktien, vom Markt übersehene Sondersituationen oder auch Unternehmen, die sich in der operativen Wende befinden.

          Unser Portfolio hat zwei Teile. Der erste ist der so genannte Kern, in dem wir jederzeit drei bis sechs Werte halten, die im Durchschnitt 65 Prozent unseres Anlagevermögens ausmachen. Im zweiten, opportunistischen Teil halten wir bis zu 40 Werte, die zusammen auf die restlichen 35 Prozent der verwalteten Vermögens kommen.

          Wird eine Aktie von uns ins Kernportfolio aufgenommen, so rechnen wir damit, daß sie den Wert in sechs bis 24 Monaten mindestens verdreifacht. Solche Möglichkeiten sind nicht sehr breit gesät. Sie setzen gründliche Research-Arbeit voraus. Sind wir jedoch einmal überzeugt, so sind wir zu einem bedeutenden Engagement bereit und investieren bis zu 15 oder gar 20 Prozent unseres Vermögens in eine einzelne Aktie. Das Maximum liegt bei 25 Prozent. Das jedoch haben wir erst zweimal erreicht in den vergangenen fünfeinviertel Jahren. Bisher hat es sich gelohnt, denn wir haben in beiden Fällen das eingesetzte Kapital versiebenfacht in gerade einmal sechs Monaten.

          Wir überwachen unsere Positionen sehr sorgfältig, nehmen nur bedingt Fremdkapital auf - selten mehr als 25 Prozent unserer Assets - und können so unsere Positionen wenn nötig auch länger halten. Wir verkaufen, sobald wir das Gefühl haben, die Gewinnentwicklung wäre ausgereizt oder der Markt habe positive Neuigkeiten im Kurs eskomptiert. Wir nehmen jedoch nicht frühzeitig Gewinne mit. Das führt zwar zu einer gewissen Volatilität, allerdings entscheidet es darüber, ob man eine Rendite von 20 oder von 60 Prozent im Jahr erzielt.

          Wie würden Sie ihren Anlagestil beschreiben und wie verwalten Sie Ihre Risiken?

          Wir sind Anleger, die mit hoher Überzeugung sowohl hochkonzentriert als auch opportunistisch anlegen. Das Kernkonzept im Risikomanagement ist das Wissen, wieviel Geld wir in einem bestimmten Zeitraum verdienen werden, sofern unsere Position gut läuft, und wieviel wir verlieren können im anderen Fall. Aus diesem Grund verkaufen wir beispielsweise nie ungedeckte Optionen, da das Abwärtsrisiko unbeschränkt sein kann. Wir haben keinerlei exotische Strukturen in unseren Büchern, so daß sowohl unsere Portfoliomanager als auch die Risikomanager die Wertentwicklung anhand unserer Front- und Backofficesysteme live verfolgen können.

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