https://www.faz.net/-gv6-sifl

Interview : „Wer zuletzt Rohstoffwerte kauft, bleibt im Regen stehen“

  • Aktualisiert am

Fondsmanager Murdo Murchison Bild: Foto Wolfgang Eilmes

Im Rohstoffbereich tendieren Preise als auch die Aktien der in diesem Bereich tätigen Unternehmen dramatisch nach oben. Murdo Murchison ficht das als Fondsmanager des Templeton Growth Fund nicht an, er hat solche Werte längst verkauft.

          Der Boom im Rohstoffbereich beherrscht die Schlagzeilen. Sowohl die Preise als auch die Aktien der in diesem Bereich tätigen Unternehmen tendieren dramatisch nach oben, als ob es kein Morgen gäbe. Murdo Murchison ficht das als Fondsmanager des Templeton Growth Fund nicht an.

          Er hatte solche Werte zwar zwischenzeitlich im Depot, aber inzwischen längst wieder verkauft. „Was wir in den Rohstoffmärkten sehen, ist zu sehr großen Teilen ein liquiditätsgetriebener Aufschwung“, erklärt er im Interview. „Wer zuletzt kauft, bleibt im Regen stehen,“ erklärt er warnend.

          Herr Murchison, warum kaufen Sie keine Rohstoffwerte?

          Wir hatten Rohstoffwerte gekauft - so um das Jahr 2001 herum, als niemand diese Werte anfassen wollte. Als sie dann recht ordentlich zugelegt hatten, haben wir sie verkauft - leider haben sie seitdem noch besser abgeschnitten, was uns natürlich ärgert. Wir haben einfach zu früh verkauft.

          Dann könnte man sie doch jetzt wieder kaufen, oder?

          Nein. Die Preise für Rohstoffe sind mittlerweile so massiv gestiegen, daß ich das nicht für eine gute Idee halte.

          Aber die Argumente für weiter steigende Rohstoffpreise sind überzeugend: höhere Nachfrage aus China, eine gute Weltkonjunktur, um nur einige zu nennen.

          So ein Preisanstieg hat doch immer zwei Folgen: Zum einen wird die Nachfrage zurückgehen - was wir vereinzelt schon beobachten. Zum andern wird auch das Angebot reagieren und steigen. Auch das beobachten wir bereits.

          Aber in der Regel dauert es eine Weile, bis das Angebot reagiert.

          Das ist richtig, ändert aber nichts daran, daß auch in Rohstoffmärkten die fundamentalen Gesetze von Angebot und Nachfrage gelten. Ich bin mir sicher, in drei Jahren werden wir nicht mehr so aufgeregt über Rohstoffe reden.

          Bisher ist in den Preisen davon aber noch nicht viel zu spüren.

          Was wir in den Rohstoffmärkten sehen, ist zu sehr großen Teilen ein liquiditätsgetriebener Aufschwung. Im Jahr 2000 verwalteten Rohstoff-Fonds 5 Milliarden Euro - heute sind es 80 Milliarden, und das in einem eher kleinen Markt. Das muß die Kurse treiben. Viel von dem Geld, das in Rohstoffmärkte fließt, ist schlichtweg spekulatives Geld.

          Aber selbst wenn es nur ein spekulativ getriebener Boom ist - an der Seitenlinie zu stehen kann eine Menge Geld kosten.

          Natürlich kann ich mich darauf einlassen, diese Welle zu reiten. Auf kurze Frist können solche Trends sehr mächtig sein, aber langfristig ist das wie die Reise nach Jerusalem: Wer zuletzt kauft, bleibt im Regen stehen. Die Frage ist nur, ob man sich zutraut, nicht der letzte im Markt zu sein. Gefährlich ist das allemal, denn wenn die Preise zum Fall ansetzen, kann das recht schnell gehen.

          Sprechen Sie hier von einem Kurssturz?

          Nein, ich sage nur, daß die Rohstoffmärkte extrem überhitzt sind. Ein Beispiel: Der Chart für den Kupferpreis sieht aus wie der Chart für den Nasdaq-Index zu Zeiten der New Economy - demnach wären wir jetzt bei 6.000 Punkten. Solche Märkte tragen in der Regel den Keim des eigenen Untergangs in sich - das ist nur eine Frage der Zeit.

          Aber in dieser Zeit kann man viel Geld an sich vorbeiziehen lassen. Sind Ihre Anleger denn davon begeistert?

          Viele unserer Kunden billigen unsere Haltung. Unsere Strategie ist es seit Jahren, auf Bewertung zu setzen und keine kurzfristigen Trends zu spielen. Wenn wir jetzt wegen ein paar schnellen Gewinnen unsere Strategie ändern und damit unsere Marke gefährden würden, wäre das viel schlimmer. Ein kleines Marktsegment boomt und ist zu teuer, und wir sind nicht dabei. Warum soll das unsere Anleger beunruhigen?

          Weil nun mal derzeit jeder in Rohstoffe investiert - das macht auch besonnene Anleger nervös.

          Gerade der Umstand, daß jeder über Rohstoffe redet, macht uns skeptisch. Wir kaufen Werte, wenn niemand sie mag. 25 Prozent unseres Portfolios bestehen aus Pharmawerten, Medienunter- nehmen und Telekommunikationsaktien - allesamt Branchen, die derzeit nicht besonders beliebt sind.

          Und deswegen derzeit keine sonderlich gute Wertentwicklung haben.

          Das stimmt auf kurze Frist, aber das Argument kennen wir aus dem Jahr 2000: Damals wollte niemand Werte der alten Ökonomie kaufen, sondern Technologie, Telekommunikation und Medien. Heute ist es genau andersherum: Niemand will mehr die ehemalige Neue Ökonomie, jetzt ist das älteste Segment der Old Economy das heißeste: Rohstoffe. Dieser Optimismus hat sich 2000 nicht bezahlt gemacht, er wird sich auch jetzt auf Dauer nicht lohnen. Wir kaufen lieber, wenn der Pessimismus so groß wie möglich ist - und warten geduldig.

          Auch wenn das Warten teuer wird?

          Ich glaube nicht, daß diese Strategie so teuer ist. Die meisten machen den Fehler, daß sie kurzfristige Gewinne gegen langfristige Verluste tauschen beziehungsweise daß sie die langfristigen Verluste ausblenden oder nicht korrekt diskontieren. Mir ist es lieber, auf kurze Frist Geld zu verlieren, langfristig aber im Plus zu sein. Wir jagen nicht den heißen Stoff, sondern langfristige Werte.

          Der Schotte Murdo Murchison ist Fondsmanager des Templeton Growth Fund, der - zählt man die europäische und die amerikanische Tranche zusammen - auf ein Volumen von mehr als 30 Milliarden Euro kommt. Murchison gilt als sogenannter Value Investor, der bei der Auswahl seiner Aktien vor allem auf deren Bewertung achtet. Murchison ist der dritte Fondsmanager, der den mehr als 50 Jahre alten Fonds führt. Seit seiner Auflegung im Jahr 1954 hat der Fonds im Durchschnitt eine Rendite von jährlich 11,8 Prozent erzielt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der britische Öltanker Stena Impero wurde von den iranischen Revolutionsgarden beim Durchfahren der Straße von Hormuz beschlagnahmt.

          Nach Festsetzen von Tanker : Krise am Persischen Golf spitzt sich zu

          In der Straße von Hormus überschlagen sich die Ereignisse: Iran stoppt zwei britische Tanker, einer wird noch immer von Teheran festgehalten. Die Regierung in London droht mit Konsequenzen – und Washington schickt Verstärkung nach Saudi-Arabien.
          Die kommissarische Partei-Vorsitzende Malu Dreyer

          Diskussion um CO2 : SPD will „Klimaprämie“ einführen

          Wer weniger CO2 verbraucht, soll nach Willen der Sozialdemokraten künftig belohnt werden, sagt die kommissarische Partei-Chefin Dreyer nach der Sitzung des Klimakabinetts. Insbesondere Geringverdiener sollen dadurch entlastet werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.