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Interview : "Selektion führt zum Erfolg"

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Carsten Osswald von PEH Bild: Carsten Osswald

„Wählerisch“ ist Carsten Osswald von der PEH Wertpapier AG bei Aktien. Bei Anleihen erwartet er relativ stabile Renditen.

          Turbulente Märkte hinterlassen Spuren. Nicht nur in den Depots vieler Anleger, sondern auch in den Bilanzen vieler Finanzdienstleistungsunternehmen. So ist auch das Ergebnis des Jahres 2001 bei der PEH Wertpapier AG im Vergleich zum Vorjahr um etwas mehr als 34 Prozent auf 828.000 Euro oder 55 Cent je Aktie zurückgegangen.

          Im Jahr 2002 soll das betreute Anlagevolumen ausgehend von aktuell 673 Millionen Euro um 25 Prozent zunehmen - vor allem im institutionellen Bereich - , der Nettoertrag um 20 Prozent. Dabei soll auch die Performance der öffentlichen Fonds und der verwalteten Portfolios beitragen. Immerhin sind in jüngster Zeit zwei davon für ihre gute Leistung ausgezeichnet worden. FAZ.NET unter hielt sich mit Asset-Management-Vorstand Carsten Osswald über seine Strategien und seine Sicht auf die Märkte.

          Allerorten glaubt man mittlerweile wieder an eine starke Konjunktur. Das dürfte dann früher oder später zu steigenden Zinsen führen. Wie sehen Sie den Rentenmarkt?

          Einen großen Teil der Reaktionen haben wir hoffentlich schon gesehen, wir haben ja einen deutlichen Renditeanstieg über beinahe alle Laufzeiten gehabt. Vor allem auch im kurzen Bereich, der im vergangenen Jahr noch sehr gut war. Wir sehen den Trend zu steigenden Zinsen, der allerdings in den kommenden Tagen zu einer Korrektur führen könnte. In den kommenden Monaten dürfte der Markt relativ instabil bleiben. Auf das Jahr gesehen rechnen wir aber damit, dass sich die Rendite auf dem aktuellen Niveau einpendelt, also zwischen fünf und 5,5 Prozent.

          Auf welche Laufzeiten würden Sie setzen?

          Wir denken, die Zinskurve wird sich abflachen. Folglich versuchen wir den zwei- bis vierjährigen Bereich zu meiden und gehen in kürzere oder längere Laufzeiten, bis wir dort eine Stabilisierung sehen.

          Wo steht die Konjunktur?

          Wir sehen einen Normalisierungsprozess, kommend von einem sehr tiefen Niveau. Die Frage wird sein, wie weit dieser Aufschwung tragen wird. Da sind wir nicht zu optimistisch, wenn wir allerdings die Inflationsentwicklung sehen und die Arbeitslosenzahlen sehen, erwarten wir keinen allzu großen Druck auf den Rentenmarkt.

          Wie legen sie konkret an?

          Wir orientieren uns mit unseren Portfolios an so genannten Benchmarks. Diese bilden wir nach, um unseren Appetit nach mehr oder weniger Hebelwirkung dann über den zusätzlichen Kauf oder Verkauf von Futures-Kontrakten zu steuern. Dabei arbeiten wir mit Handelsmodellen, die entsprechende Signale erzeugen. Also ziemlich marktnah.

          Wenn ein Anleger einen etwas größeren Risikoappetit hat, auf was kann er dann setzen? Zum Beispiel ihren High Yield Fonds (PEH Q-RentenWelt)?

          Nun, der Fonds wurde früher als solcher konzipiert, ist jetzt aber im Wesentlichen ein Fonds mit Staatsanleihen mit Benchmarkt JP Morgan World Government Bond Index. Additiv sind bis zu 15 Prozent Anleihen mit einem B-Rating möglich. Das sind Länder wie Brasilien oder Venezuela oder aber Unternehmensanleihen wie etwa von der Telekom, um den Ertrag etwas zu verbessern. Daneben analysieren wir auch Spreads, also die Renditeunterschiede zwischen verschiedenen Anleihen. Wenn diese sehr hoch sind, nutzen wir das aus und bauen darauf, dass sie sich normalisieren.

          Wie sieht es auf der Aktienseite aus?

          Der Markt ist mit Sicherheit positiv, der Dax stabilisiert sich über 5.300 Punkten. Er wird mit Sicherheit an die Widerstände bei 5.500 Punkte heranlaufen. Ob er diese Marke allerdings im ersten Anlauf schaffen wird, bezweifle ich etwas. Denn die Märkte sind in den vergangenen Tagen sehr schnell gelaufen. Wir sind zwar immer noch in einem langfristigen Abwärtstrend, aber die Stabilisierung ist schon weit fortgeschritten. Die unbeantwortete Frage ist, wann wir die Konjunkturbelebung bei den Unternehmen sehen werden. Bisher ist die Bewegung vor allem liquiditätsinduziert.

          Sind die Bewertungen nicht relativ hoch?

          Ja, da muss sich einiges bewegen. Ich könnte mir deswegen eine Seitwärtsbewegung vorstellen, in der man nur sehr selektiv erfolgreich sein kann.

          Wie gehen Sie vor?

          Wir agieren sehr proaktiv. Wir selektieren die Werte nach bestimmten Kriterien wie Marktkapitalisierung oder auch Mindestumsätzen - daraus ziehen wir dann die heraus, die sich in ihrem charttechnischem Verhalten positiv hervortun. Ich glaube, dass man mit diesem Ansatz auch in Zukunft gute Ergebnisse erzielen kann. In Europa bleiben dann etwa 30 Werte übrig, in die wird dann gleichwertig investiert.

          Können Sie ein paar Werte nennen?

          Dazu gehören beispielsweise Adidas, Altana, Logitech, MAN-Group, Wella und Porsche.

          Wann und wie werden Gewinne mitgenommen?

          Diese Technik ist das Sahnehäubchen, die ich nicht erklären möchte. Es funktioniert so ähnlich wie ein „Trailing-Stopp“.

          Was für eine Performance hat der PH-Empire aufzuweisen?

          Der PH-Empire ist ein Mischfonds-Produkt, das auf Basis eines Neuronalen Netzes gemanagt wird und hatte im vergangenen Jahr eine Performance von 11,95 Prozent.

          Da war der Fonds wohl sehr stark in Renten engagiert?

          Nein, war er nicht. Aber er hatte ein sehr gutes Timing. Er war beispielsweise sehr frühzeitig in den Emerging Markets engagiert.

          Wie sieht es aus mit den Emerging Markets?

          Wir investieren gerne in „Closed-End-Fonds“, die an der Börse nach Angebot und Nachfrage gehandelt werden. Wir kaufen die dann, wenn sie einen Abschlag zum Net-Asset-Value haben und verkaufen sie dann wieder, wenn der sich normalisiert hat.

          Auf welche Märkte wird den momentan noch gesetzt?

          Sehr stark auf China, Russland haben wir deutlich abgebaut. Wo wir sonst noch investiert sind, das ist beispielsweise die ASA Ltd in Südafrika.

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