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Interview : „Russlands Börse ist in unserem Universum am attraktivsten“

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Aivaras Abromavicius, Fondsmanager bei East Capital Bild: East Capital

Auch an den osteuropäischen Börsen ist Geld verdienen längst kein Selbstläufer mehr. Fondsmanager Aivaras Abromavicius von East Capital wittert für Stockpicker aber nach wie vor Chancen. Im Interview verrät er, warum ihm der russische Markt am besten gefällt.

          Geldanlegen an den Börsen in Osteuropa war einst eine einfache Sache. Der Konvergenzprozess im Zuge der EU-Annäherung hatte Gewinne fast garantiert. Doch auch bei dieser Anlageidee hat die Kreditkrise inzwischen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die osteuropäischen Aktienmärkte sind längst keine Einbahnstraßen mehr und auch die Volkswirtschaften tun sich schwer, an die frühere Erfolgsstory anzuknüpfen.

          Warum Fondsmanager Aivaras Abromavicius von der vielfach ausgezeichneten schwedischen Fondsgesellschaft East Capital trotzdem Chancen in der Region und vor allem in Russland wittert, verrät er im nachfolgenden Interview. Sein Urteil hat dabei Gewicht, ist Abromavicius als Fondsmanager doch mitverantwortlich dafür, dass es der East Capital Russia Fund im vergangenen Jahrzehnt mit einem Plus auf Dollar-Basis von 1.565 Prozent zum besten Fonds überhaupt gebracht hat.

          Herr Abromavicius, durch die Schuldenkrise in Griechenland hat sich eine gewisse EU-Müdigkeit breit gemacht. Ist der EU-Erweiterungsprozess deshalb vorbei?

          Eine Erweiterung der EU steht derzeit sicherlich nicht auf der Agenda. Aber obwohl die Chancen auf einen EU-Beitritt derzeit geringer sind, werden die Länder, die derzeit noch außen vor sind, trotzdem ein ansehnliches Wachstum zeigen. Denn sie profitieren von den eingeleiteten Reformen, den Privatisierungen und all den anderen ergriffenen Maßnahmen. Auch ausländische Direktinvestitionen werden weiter in diese Länder fließen und zwar nicht nur aus Europa. Dafür sprechen neben großen Konsumentenmärkten wie der Türkei und der Ukraine auch andere Gründe wie eine noch immer geringe Marktdurchdringung in vielen Branchen.

          Welche der Randregionen Baltikum, Südosteuropa und GUS-Staaten trauen sie am ehesten die Rückkehr auf den Wachstumspfad zu und wo werden Stockpicker am ehesten fündig?

          Alle diese Märkte notieren noch immer um mehr als 50 Prozent unter ihren Rekordhochs. In Serbien beträgt der Abstand sogar mehr als 80 Prozent. Doch die kleineren Märkte sind derzeit nicht auf dem Radarschirm der großen Mainstream-Investoren. Es wird Zeit brauchen, bis das Interesse zurückkehren wird, aber ein echter Stockpicker wird in allen diesen Märkten derzeit attraktive Anlageideen finden.

          Und innerhalb Ihres gesamten Anlageuniversums: Welcher Markt ist da derzeit am aussichtsreichsten?

          Unter fundamentalen Aspekten sieht der russische Markt zweifellos am attraktivsten aus. Für konservativere Anleger dürfte der beste Marktzugang aber ein Investment in einem breit investierenden Osteuropa-Fonds am besten sein. In unserem Osteuropa-Fonds ist Russland derzeit mit 60 Prozent gewichtet. Doch die anderen 40 Prozent sind in 18 anderen Ländern investiert, so dass das Portfolio ziemlich diversifiziert ist.

          Warum sind Sie für Russland so optimistisch?

          Dafür gibt es gleich mehrere Gründe: Zu nennen sind da die politische Stabilität, die hohen Devisenreserven und fallende Leitzinsen. Wer an langfristiges Wachstum in China und Indien glaubt, der ist in Russland gut aufgehoben. Denn selbst wenn diese beiden Länder nur mit Jahresraten von vier bis fünf Prozent wachsen sollte, werden mehr Rohstoffe gebrauchen. Und genau darüber verfügt Russland. Zudem ist natürlich die Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis für den Gesamtmarkt von rund sieben günstig.

          Die Bewertungen mögen günstig sein, das hat aber schon Tradition. Wann wird sich der Bewertungsabschlag aus Ihrer Sicht denn verringern?

          Weil das Land viel besser dasteht als vor 20 Jahren, hätte es längst eine höhere Bewertung verdient. Aber ein Umdenken wird nicht über Nacht passieren. Doch das gibt uns jetzt die Zeit weiterhin zu günstigen Kursen einzukaufen. Zu einem Höherbewertungsprozess könnte es beispielsweise dann kommen, wenn die heimische Fondsindustrie größer wird. Noch ist diese sehr klein, aber das wird sich ändern. Ein Markt wie der polnische weist nicht zuletzt wegen einer starken Anlegernachfrage aus dem Inland heute eine vergleichsweise hohe Bewertung auf.

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