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Interview : "Rohstoffe sind derzeit das, was man als Investor haben muß"

  • Aktualisiert am
Jim Rogers sagt den Rohstoffen Rekorde voraus
          5 Min.

          Echte Investmentlegenden, deren Meinung über Jahrzehnte gefragt bleibt, gibt es an den Börsen nur relativ wenige. Zu ihnen zählt aber zweifellos Jim Rogers. Berühmt wurde Rogers in den siebziger Jahren, als er zusammen mit George Soros ausgesprochen erfolgreich den Quantum Fonds verwaltete. Schon damals bewies er, daß er in der Lage ist, neue Trends an den Finanzmärkten frühzeitig zu erkennen.

          Auch im Alter von 62 Jahren hat Rogers seinen Spürsinn noch lange nicht verloren. Das zeigt sich an der momentan laufenden Rohstoff-Hausse. Diese hat er frühzeitig vorhergesagt und aus diesem Grund im Jahr 1998 einen Rohstoff-Fonds gegründet. Der Rogers International Commodity Index Fund hat es seitdem auf ein Plus von rund 150 Prozent gebracht und weist damit eine der besten Wertentwicklungen überhaupt auf. Im nachfolgenden Interview erklärt der Börsen-Experte, wieso trotz dieser stolzen Zuwächse das Ende der Rohstoff-Hausse noch lange nicht erreicht sein dürfte.

          Schlagzeilen macht Rogers im übrigen nicht nur mit seinen Anlageempfehlungen, sondern auch mit seiner zweiten Leidenschaft, dem Reisen. Das erste Mal reiste er dabei mit dem Motorrad um die Welt und das zweite Mal mit einem zum Geländewagen umgebauten Mercedes. Obwohl ihm diese Aktivität bereits einen Eintrag ins Guiness-Buch-der Rekorde einbrachte, denkt er bereits über weitere Reisen in Länder wie Indien, China und Brasilien nach.

          Mit diesem Gefährt umkurvte Jim Rogers die Welt
          Mit diesem Gefährt umkurvte Jim Rogers die Welt : Bild: Jim Rogers

          Herr Rogers, wie können Sie es sich leisten, bei Ihren Reisen so lange Urlaub von den Märkten zu nehmen?

          Ich bin ein passiver Langfrist-Investor. Mein Ziel ist es, dann zu kaufen, wenn eine Anlage billig zu haben ist. Dabei geht es mir darum, Trends zu identifizieren, die dann über Jahre hinweg gut laufen. Habe ich so eine Story gefunden und bin investiert, denke ich nicht ständig darüber nach, sondern vergesse es einfach. Kurz- und mittelfristige Kursschwankungen interessieren mich dann nicht. Das erlaubt es mir, auf meinen Reisen abzuschalten und die Kursbewegungen nicht jeden Tag verfolgen zu müssen. Das verwirrt ohnehin nur. Ich reagiere eigentlich nur, wenn wirklich etwas größeres passiert.

          Wie und wann sind Sie darauf gekommen, daß die Rohstoffe vor einer Hausse stehen?

          Um das Jahr 1998 herum ist mir bewußt geworden, daß im Rohstoffsektor seit langem nicht mehr richtig investiert wurde. So gab es beispielweise über 30 Jahre lang keine Meldungen über neue große Ölfunde. Allgemein deutete viel darauf hin, daß das Angebot an Rohstoffen fallen würde, während sich eine steigende Nachfrage abzeichnete. Gleichzeitig habe ich mich daran erinnert, daß die Rohstoffmärkte schon immer von starken Zyklen geprägt waren. In der Regel lief es dabei so ab, daß fehlende Investitionsbereitschaft in der Flaute zu einer Angebotsknappheit führte, die dann in stark steigenden Preisen resultierte. Das lief schon immer nach diesem Strickmuster ab.

          Auch jetzt wünscht sich rückblickend jeder, er hätte früher investiert. Aber die meisten Leute agieren eben nicht weitblickend genug. Basierend auf diesem Wissen habe ich dann am 1. August 1998 den Rogers International Commodity Index Fund eingeführt, der auf den ebenfalls von mir erfundenen gleichnamigen Rogers International Commodity Index basiert.

          Somit wurde die Hausse aus Ihrer Sicht von Fundamentaldaten und nicht von den Spekulanten ausgelöst?

          Immer, wenn es irgendwo einen Bullenmarkt gibt, wird darin investiert. Spekulanten alleine können aber keine Hausse auslösen. Dazu müssen die Fundamentaldaten passen, sonst geht die Rechnung der Spekulanten nicht auf. Die Rohstoff-Hausse basiert ganz einfach auf einem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage.

          Wie können Anleger am besten von der Rohstoff-Hausse profitieren?

          Sie sollten zunächst versuchen, so viel wie möglich über Rohstoffe zu erfahren und zu lernen. Dann können sie entweder in Futures oder in Rohstoff-Fonds investieren. Eine Alternative sind auch Investments in rohstoffreiche Länder. So ist davon auszugehen, daß etwa Kanada, Australien oder Neuseeland in den nächsten Jahren wegen ihres Reichtums an Rohstoffen besser abschneiden werden als beispielsweise Deutschland.

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