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Interview : „Privatanleger investieren am besten in Indexfonds“

  • Aktualisiert am

David Swensen, CIO der Yale Universität Bild: F.A.Z.-Jan Roeder

„Wir schaffen 16 Prozent Rendite - jedes Jahr“. David Swensen erklärt im Interview, wie er der amerikanischen Universität Yale zu Milliarden verhilft und warum Privatanleger keine Chance haben, ihm nachzueifern.

          5 Min.

          „Wir schaffen für Yale 16 Prozent Rendite - jedes Jahr,“ erklärt David Swensen im folgenden Interview und erzählt weiter, wie er der Universität Yale zu Milliarden verhilft und warum Privatanleger keine Chance haben, ihm nachzueifern.

          Swensen verwaltet den Stiftungsfonds der amerikanischen Yale University. Dem Yale-Absolventen und Schützling des Nobelpreisträgers James Tobin wurde das Kapital 1985 mit 31 Jahren anvertraut. Zuvor hatte Swensen sechs Lehrjahre an der Wall Street verbracht, drei bei Lehman Brothers, drei bei Salomon Brothers. Seither hat er das Geld Jahr für Jahr um durchschnittlich 16 Prozent vermehrt. Das macht ihn zu einem der erfolgreichsten institutionellen Vermögensverwalter der Welt. Swensen hat zwei Bücher geschrieben, davon eines für Privatanleger: „Erfolgreich investieren“.

          Herr Swensen, wo kommt das Geld für die Yale-Universität her?

          Unsere wichtigste Einnahmequelle sind die Erträge, die die Anlage der Stiftungsgelder bringt. Hinzu kommen Studiengebühren, staatliche Gelder und Spenden.

          Sie haben die Stiftungsgelder in den vergangenen 20 Jahren erfolgreich vermehrt. Wie haben Sie das gemacht?

          Wir schaffen für Yale durchschnittlich 16 Prozent Rendite im Jahr. Der wichtigste Grund für die hohen Gewinne: Wir haben den Anteil von Aktien und Anleihen im Portfolio erheblich reduziert und statt dessen verstärkt in alternative Anlageklassen investiert. Unser Ziel war dabei eine große Streuung des Portfolios und die Möglichkeit, unabhängig von den Bewegungen der Aktien- und Anleihemärkte stabile Renditen zu erzielen.

          Funktioniert Ihre Strategie?

          In den vergangenen 21 Jahren gab es nur ein Jahr mit Verlusten - das war 1987, als es an Wall Street einen Crash gab. Wir haben noch nicht mal ein Prozent eingebüßt.

          Wie genau sieht Ihr Portfolio aus?

          Zwölf Prozent stecken in amerikanischen und 15 Prozent in internationalen Aktien, nur vier Prozent in amerikanischen Staatsanleihen. Das meiste Geld haben wir in alternativen Anlagen investiert: 25 Prozent in Absolute-Return-Anlagen wie Hedge Fonds, die unabhängig vom Aktien- und Anleihemarkt Gewinne erzielen, und 27 Prozent in Immobilien, Nutzholz, Öl und Gas. Weitere 17 Prozent entfallen auf Private Equity.

          Welche Anlage hat sich am meisten rentiert?

          Private Equity hat sehr viel und sehr beständig zu unseren Erträgen beigetragen: rund 30 Prozent.

          Als Sie vor 20 Jahren in Hedge Fonds und Private Equity investierten, war das noch ungewöhnlich. Heute macht es jedermann. Sinken da nicht die Renditen?

          Diese Märkte waren in den vergangenen 25 Jahren außergewöhnlich gewinnbringend. Ich kann mir schwer vorstellen, daß es so weitergeht. Wenn wir auch in Zukunft eine überragende Wertentwicklung sehen wollen, dann nicht wegen der Struktur unseres Portfolios, sondern weil wir die besten Manager für Private Equity, Hedge Fonds und Immobilien finden.

          Welche Anlageklasse wird künftig die größten Chancen bieten?

          Das ist schwer zu sagen. Ich sehe heute keine Anlageklasse, die man unbedingt haben muß, nur weil sie so attraktiv bewertet ist.

          In einem Artikel für die „New York Times“ haben Sie gefordert, einfachen Anlegern den Kauf von Hedge Fonds zu verbieten. Warum?

          Die Welt der Hedge Fonds ist eine Arena, in der unbedarfte Anleger nichts zu suchen haben. Ihnen fehlen einfach die nötige Zeit und die Mittel, um aktive und anspruchsvolle Investmententscheidungen zu fällen. Ich sähe es deshalb lieber, wenn die Hürde für Investitionen in diesen unregulierten Markt für Privatanleger außerordentlich hoch ist - so hoch, daß die überwältigende Mehrheit nicht an Hedge Fonds herankommt. Das Risiko, daß sie am Ende nur enttäuschende Erträge verbuchen, ist extrem hoch. Die Chance, daß es gut ausgeht, ist verschwindend gering.

          Aber es gibt doch ganz konservative Hedge Fonds, die mit geringem Risiko stabile einstellige Renditen erzielen. Warum sollten Privatanleger die nicht kaufen dürfen?

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