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Interview : Norwegen-Fonds setzt auf Öl-Dienstleister und Maut-Kassierer

  • Aktualisiert am

Der norwegische Aktienmarkt hängt stark am Ölpreis Bild: Repsol

Mit Ölaktien wie Statoil und Rohstoffwerten wie Norsk Hydro hat der Nordea Norwegian Equity Fund den Osloer Index überholt. Doch nun setzt Fondsmanager Lingaas vor allem auf Öl-Dienstleister. Aktien von Öl-Förderern hat er etwas abgebaut.

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          „15 bis 20 Prozent sind 2005 mit norwegischen Aktien drin“, meinte Nordea-Fondsmanager Robert Lingaas im Oktober vergangenen Jahres zu FAZ.NET. Seine Prognose dürfte sich indes als zu „bearish“ erweisen, falls der Markt nicht unerwartet für den Rest des Jahres seitwärts läuft. Denn: Der Osloer OBX-Index ist bis Mitte Juli um mehr als 17 Prozent gestiegen. Am 7. Juli erreichte er mit 1002,72 Zählern sein Rekordhoch auf Schlußkursbasis und notiert aktuell bei etwa 981 Zählern; in dem Kursrückgang spiegeln sich vor allem Gewinnmitnahmen bei Ölaktien wider. Binnen Jahresfrist ist ein Plus von fast 38 Prozent im Oslo OBX aufgelaufen.

          Noch etwas mehr ist mit dem Nordea NorwegianEquity-Fonds NOK von Lingaas dringewesen. Die Anteile haben sich seit Mitte Juli vergangenen Jahres in Euro um gut 58 Prozent verteuert, während sie in der Fondswährung, der norwegischen Krone, um 48,8 Prozent, schwerer geworden sind; in der Lücke spiegelt sich die Aufwertung der nordischen Währung wider. Die überdurchschnittliche Performance bedeutet auch, daß Lingaas gut gearbeitet hat. Denn vor einem dreiviertel Jahr hinkte sein Fonds dem Osloer Index noch hinterher.

          Der Fonds hat an Schwung gewonnen, indem Lingaas auch und gerade auf Rohstoffwerte wie den Ölkonzern Statoil und den Aluminiumproduzenten Norks Hydro sowie auf Öl-Dienstleister wie Prosafe und die Bank DNB NOR gesetzt hat. In den vergangenen Wochen hat er das Fondsportfolio allerdings etwas umgebaut. Im folgenden Interview sagt Lingaas unter anderem, welche Aktien er nun bevorzugt.

          Nordea-Fondsmanager Lingaas
          Nordea-Fondsmanager Lingaas :

          Was außer der Öl-Rally waren die Gründe für den starken Kursanstieg am norwegischen Aktienmarkt in den vergangenen Monaten?

          Hauptreiber sind natürlich in der Tat die hohen Ölpreise gewesen, da die Osloer Börse direkt auf den Verlauf der Energienotierungen reagiert. Aber obwohl ausländische Investoren vor allem in Energiewerte gegangen sind, um vom Anstieg der Ölaktien zu profitieren und sich so gegen steigende Ölpreise abzusichern, haben sie auch andere Titel gekauft - vor allem Aktien von Finanzdienstleistern und Technologiekonzernen.

          Was brauchen Werte wie Statoil und Norsk Hydro außer einer anhaltenden Rohstoff-Rally, um weiter im Wert zu steigen?

          Nicht viel mehr. Ich denke aber im übrigen, daß wir auf kurze Sicht weitere Gewinnmitnahmen bei Statoil sehen werden. Denn diese Aktie ist unter dem Strich besser gelaufen als andere Öltitel. Zudem geben die Ölpreise ja nach.

          Warum hat sich der Finanztitel DNB NOR so ausgesprochen gut entwickelt?

          DNB NOR war längere Zeit im Vergleich zu den Aktien der anderen norwegischen Finanzdienstleister unterbewertet. Diese Titel hatten sich schon vor etwa einem Jahr aufgeschwungen und DNB NOR hinter sich gelassen. Doch dieses Unternehmen hat in der Folgezeit starke Geschäftszahlen vorgelegt, da es von der gut laufenden norwegischen Wirtschaft profitiert hat. Zudem haben ausländische Anleger, wie schon erwähnt, auch Titel wie DNB NOR bevorzugt. Nun ist die Aktie aus unserer Sicht aber fair bewertet.

          Die norwegische Nationalbank hat Ende Juni die Leitzinsen um einen viertel Prozentpunkt auf zwei Prozent angehoben. Wird dieser Schritt den Aktienmarkt stören, weil Kredite teurer werden?

          Dies wird dann nicht der Fall sein, wenn die Notenbank wie angekündigt sehr kontrolliert an der Zinsschraube dreht und solche Schritte als richtig erachtet werden. Die Norges Bank wird mit Zinserhöhungen nach meiner Einschätzung wegen der Stärke der Krone sehr vorsichtig umgehen. Dessenungeachtet könnten Zinserhöhungen sich natürlich nachteilig auf den Konsum auswirken.

          Wie hoch ist aus Ihrer Sicht das Risiko eines Rückschlags am norwegischen Aktienmarkt?

          Die wesentlichen Risikofaktoren sind die Ölpreise und die Krone. Sollte Öl dauerhaft niedriger notieren und die Währung weiter erstarken, dürfte der Markt leiden. Dabei kommt es vor allem auf die Rohstoffpreise an. Fallende Notierungen könnten ausländische Anleger zum Anlaß nehmen, aus norwegischen Aktien auszusteigen.

          Was haben Sie im Vergleich zum Herbst 2004 im Fonds getan, um anders als vorher besser abzuschneiden als der Index?

          Das ist auf die gezielte Auswahl von Aktien zurückzuführen. Zudem hat sich ausgezahlt, im Vergleich zum Index in Ölaktien über- und in Technologiewerten untergewichtet zu sein.

          Auf welche Aktien setzen Sie derzeit besonders?

          Wir mögen nach wie vor Dienstleister von Ölkonzernen, vor allem Prosafe und Aker Kvaerner. Diese Branche befindet sich in einem strukturellen Aufwind, da Ölförderer weitere Vorkommen erschließen wollen. Dieser Trend wird zwei bis vier Jahre anhalten. Außerdem bevorzugen wir QFree, ein Unternehmen, das Straßen betreibt und dafür Benutzungsgebühren kassiert; auch das ist ein Megatrend. Nicht zuletzt setzen wir auf das auch in Deutschland tätige Recycling-Unternehmen Tomra und den Ölkonzern DNO, der aus unserer Sicht unter den norwegischen Branchenvertretern das beste Potential hat.

          DNB NOR mögen wir dagegen wegen der gefüllten Bewertungslücke nicht mehr, auch von Telenor haben wir Abstand genommen, und zwar wegen Problemen auf dem russischen Markt. Auch haben wir Positionen von Ölaktien im Juli etwas abgebaut, da wir auf kurze Sicht fallende Ölpreise erwarten.

          Wagen Sie bitte noch eine Prognose: Wie hoch schätzen Sie das Kurspotential am Oslor Aktienmarkt bis Jahresende ein?

          Wenn der Ölpreis nicht für längere Zeit unter die Marke von 50 Dollar je Barrel (159 Liter) fällt, sollten weitere fünf bis zehn Prozent drin sein.

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