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Interview : „Mid-caps mit mehr Steigerungspotential als große Aktien“

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Erfolgreich als „Stockpicker”: Jens Ehrhardt
          4 Min.

          Jens Ehrhardt, Herausgeber der „Finanzwoche“ und Vermögensverwalter, ist seit mehr als 25 Jahren mit „Stockpicking“ erfolgreich. Er setzt für seine Fonds auf Titel mit möglichst guten Chancen bei geringem Risiko.

          Derzeit favorisiert er Aktien mittelgroßer Unternehmen und Gold-Titel, aber auch Baywa. Im FAZ.NET-Interview begründet er diese Vorlieben und erläutert, warum er die Aussichten auf einen Aufschwung mit leichtem Stirnrunzeln begleitet.

          Die Aktien- und Rentenmärkte haben sich in den vergangenen Tagen hin- und hergerissen gezeigt: Fielen Konjunkturdaten in Amerika gut aus, ging es mit Aktienkursen aufwärts - im umgekehrten Fall profitierten Anleihen. Dies spricht für Nervosität unter Anlegern, denen es an Vertrauen in den Aufschwung zu mangeln scheint. Wie bewerten Sie diese Stimmungsachterbahn?

          Die Aktienbörsen haben den Aufschwung ein Stück weit vorweggenommen. Nun stellt sich die Frage: Kommt er wirklich? Das zweite Quartal hat ja in Amerika gut ausgesehen, doch wer will, kann trotzdem das eine oder andere Haar in der Suppe finden.

          Was hat Sie denn an Zahlen zum zweiten Quartal in Amerika gestört?

          Das Bruttoinlandsprodukt ist mit 2,4 Prozent deutlich stärker gestiegen als erwartet. Das sah schon nach Aufschwung aus. Allerdings ist dieser Wert staatlich gepusht, da sich gesteigerte Verteidigungsausgaben aufgrund des Irakkriegs ausgewirkt haben. Das wird aber nicht so weitergehen.

          Und wie sieht es mit dem Konsum in Amerika aus, auf den viele Anleger und Unternehmen setzen?

          Im zweiten Quartal war auch der Konsum in Ordnung. Aber meiner Meinung nach kann er sich nur verschlechtern, wenn die Beschäftigung sinkt und Arbeitsplätze verloren gehen. Das Cost-Cutting ist ja schön und gut für die einzelnen Unternehmen. Aber volkswirtschaftlich sieht die Sache anders aus, weil Leute entlassen werden und der Konsum darunter leiden müßte. Denn wer in Amerika arbeitslos wird, erhält keine so gute Ausstattung wie Erwerbslose in Deutschland, sondern nach sechs bis neun Monaten bekommen die kein Geld mehr vom Staat. Zudem ist die Kostensenkung des einen Unternehmens der fehlende Umsatz des anderen. Und die Steigerung der Gewinne um durchschnittlich sieben Prozent im abgelaufenen Quartal war in so manchen Fällen auch und gerade auf Cost-Cutting und Währungseffekte zurückzuführen statt auf mehr Umsatz.

          Dabei gibt sich die amerikanische Notenbank doch alle Mühe, mit billigen Zinsen den Aufschwung zu befördern.

          Man fragt sich tatsächlich, wo die ganze Liquidität denn bleibt. So ganz ohne Folgen kann diese Ankurbelei nicht bleiben. Ein Nebeneffekt und eine Achillesferse der jüngsten Entwicklung ist das gestiegene Zinsniveau bei zehnjährigen Papieren. Und da kann die Notenbank wohl nicht so leicht die Kurse beeinflussen. Zwar sagt sie, im Zweifelsfall Anleihen zu kaufen, doch müßte sie dafür schon eine Menge in die Hand nehmen. Zudem könnten sich in diesem Fall viele Investoren verleiten lassen, ihre Anleihen an den Staat zu verkaufen, weil sie fürchten könnten, daß die Kurse fallen, wenn der Staat aufhört, Anleihen zu erwerben. Eine weitere nachteilige Folge der Zinspolitik der Notenbank ist, daß Anleger mit ihrem Geld zwischen den Aktien- und Rentenmärkten hin- und herjonglieren. Nicht zuletzt sind durch den Zinsanstieg bei zehnjährigen Anleihen die Hypothekenzinsen gestiegen, was sich nachteilig auf den Konsum auswirken dürfte, da die Verbraucher mehr Geld für Hypotheken aufwenden müssen.

          Nun gibt es Analysten, die sagen, die Renditen bei zehnjährigen Staatspapieren waren zuletzt 1992 so stark angestiegen wie in den vergangenen Wochen - und waren seinerzeit Vorboten des Aufschwungs. Wird der jüngste Zinsanstieg den erhofften Aufschwung bremsen?

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