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Interview : „Meine Renditeerwartung in Osteuropa liegt bei 20 Prozent“

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Glaubt an Telekom- und Bankaktien aus dem Osten: Fondsmanager Stefan Böttcher Bild: Charlemagne Capital

Eine Jahresrendite von 20 Prozent hat Osteuropa-Fondsmanager Stefan Böttcher zu bieten. Im FAZ.NET-Interview hofft er auch für 2003 auf eine solche Bilanz.

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          Die EU-Osterweiterung eröffnet Anlegern die Chance, relativ unabhängig von der schwierigen Verfassung der Weltbörsen vorzeigbare Renditen zu erwirtschaften. Zumindest beweisen einige Fondsmanager schon seit Jahren, dass das funktioniert. Zu diesen Experten zählt zweifellos Stefan Böttcher, der für die Investmentgesellschaft Charlemagne Capital den Magna Europa Fund verwaltet. Dieser Fonds hat es in den vergangenen drei Jahren mit ausgewählten Anlagen in Zentraleuropa und Russland auf eine Wertentwicklung per anno von gut 20 Prozent gebracht.

          Seinen Erfolg lässt sich Böttcher, der sich bereits seit 1994 in den von ihm betreuten Märkten tummelt, zwar mit einer stattlichen Performance-Gebühr bezahlen. Doch bei der erwähnten Rendite sind diese Kosten schon herausgerechnet. Trotzdem reicht es im Vergleich der Osteuropafonds stets zu einem Platz auf dem Podest. Und das Schöne für die Anleger: Da Böttcher den Konvergenzprozess weiter voll im Gange sieht, hofft er bis auf weiteres ähnlich gute Renditen zu erwirtschaften, wie zuletzt. Wieso er das glaubt, verrät der Fondsmanager, der nicht nur auf die Rendite schielt, sondern auch auf ein vernünftiges Risikoprofil, im nachfolgenden FAZ.NET-Interview.

          Herr Böttcher, skizzieren Sie doch bitte kurz die Anlageidee, die hinter der EU-Osterweiterung steckt?

          Zunächst sprechen wir dabei mit Russland und Zentraleuropa über zwei eigentlich unterschiedliche Regionen. Allerdings besteht in beiden Fällen ein gewisses Konvergenzpotenzial. Das heißt, es kommt zu fallenden Zinsen und dadurch zu steigenden Aktienkursen. Das Hauptargument in Zentraleuropa ist die EU-Erweiterung, die vermutlich bald keine Idee mehr ist, sondern Tatsache. Dieser Prozess wird zu fallenden Risikoprämien führen und zu steigendem Wirtschaftswachstum. Das wird teilweise durch Subventionen begünstigt, die von West nach Ost fließen. So werden sich die Bruttosubventionen schon zwei Jahre nach dem EU-Beitritt auf fünf Prozent des Bruttosozialprodukts belaufen, während es derzeit nur rund zwei Prozent sind. Das führt natürlich zu einem ungemeinen Schub, zumal auch noch weitere Direktinvestitionen dazukommen werden.

          Besteht eigentlich die Gefahr, dass die Anleger schon zu stark in der Region investiert sind?

          Von einer Überinvestition kann man bestimmt nicht reden. Die Märkte sind fundamental noch recht vernünftig bewertet. Wir befinden uns noch nicht in einer spekulativen Blase. Zu einem Überinvestment wird es in absoluten Zahlen auch nicht kommen, da die Märkte einfach zu klein sind. Die Marktkapitalisierung von Russland liegt bei knapp 100 Milliarden Dollar und in Zentraleuropa bei rund 30 bis 40 Milliarden Dollar. Das ist nicht mehr als manche große westliche Standardwerte alleine in die Waagschale werfen.

          Welche Märkte favorisieren Sie in Zentraleuropa derzeit?

          Wir sind in Zentraleuropa gut gewichtet in Ungarn und etwas weniger gewichtet in Polen. Das hat aber vor allem damit zu tun, dass wir in Ungarn mehr interessante Unternehmen finden als in Polen. Makroökonomisch betrachtet ist die Entwicklung aber ähnlich.

          Welche Branchen gefallen Ihnen am besten?

          In Zentraleuropa setzen wir auf Banken und Telekommunikationsaktien. Die Bankaktien dürften von den fallenden Zinsen und einer damit verbundenen steigenden Kreditvergabe profitieren. Und im Telekomsektor überzeugen uns die soliden Bilanzen sowie hohe freie Cashflows von vier bis zwölf Prozent in Ungarn und von 15 Prozent in Tschechien. So produzieren die Cesky Telecom und die Matav so viel Cash, dass dies den Aktionären in Form recht hoher Dividendenausschüttungen zu Gute kommen wird.

          Ist bei der Cesky Telecom der jüngst gescheiterte Übernahmeversuch eines von einer Deutschen Bank-Tochter geführten Konsortiums kein Rückschlag?

          Im Gegenteil. Die Vorgehensweise war etwas dubios und für Minderheitsaktionäre wäre dies sicherlich von Nachteil gewesen. So ist der Markt über das Scheitern letztlich sogar erleichtert. Wir selbst sind derzeit am Kaufen. Die Aktie ist in wenigen Tagen auch von 200 auf 290 Kronen gestiegen und vielleicht besteht sogar noch Luft bis auf knapp 400 Kronen.

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