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Interview : "Man kauft oder verkauft immer zu spät"

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Templeton Fondsmanager M. Murchison Bild: Bloomberg

Die Börsianer sind optimistisch. Murdo Murchison wundert sich als Manager des Templeton Growth Funds allerdings über die Sorglosigkeit an den Märkten und die Kurzfristorientierung vieler Anleger. Ein Interview.

          Die Börsianer sind optimistisch. Murdo Murchison wundert sich als Manager des Templeton Growth Funds allerdings über die Sorglosigkeit an den Märkten und die Kurzfristorientierung vieler Anleger. Ein Interview.

          Murchison ist als Executive Vice President und Portfoliomanager für Templeton Global Advisors tätig. Er verwaltet unter anderem das Flaggschiffprodukt der Franklin-Templeton-Gruppe, den legendären Templeton Growth Fund. Dieser Fonds wurde im Jahr 1954 von Sir John Templeton aufgelegt. Mit einem Volumen von mehr als 17 Milliarden Dollar zählt er heute zu den größten und populärsten Aktienfonds der Welt.

          In den vergangenen drei Jahren fand der Fonds sich stets unter den besten zehn Prozent aller international anlegenden Aktienfonds. Seit drei Jahren steuert der 38 Jahre alte Schotte Murdo Murchison den Fonds von den Bahamas aus. Er ist erst der dritte Manager dieses Fonds seit dessen Auflage.

          Herr Murchison, wenn man derzeit einen Blick auf die Kapitalmärkte wirft, gewinnt man den Eindruck, daß die Anleger alle Sorgen los sind.

          Alle Sorgen sind wir nicht los, wir sind nur sorgloser geworden: Der Risikoappetit der Investoren hat deutlich zugenommen. Das zumindest besagen die Zinsabstände zwischen riskanten Anleihen und Papieren mit guter Bonität ebenso wie die aktuelle Wertentwicklung der Aktienmärkte.

          Woher kommt denn diese Sorglosigkeit?

          Zum einen ist es eine bemerkenswerte Einsicht in die menschliche Psyche: All die Verluste der vergangenen Jahre scheinen angesichts lockender Gewinne bereits wieder in Vergessenheit zu geraten. Darüber hinaus allerdings reflektieren die sinkenden Risikoprämien auch die Tatsache, daß die Notenbanken der Welt die Kapitalmärkte mit Liquidität überschwemmen.

          Die Notenbanken treiben also mit ihrer lockeren Geldpolitik die Kurse?

          Der Hinweis der amerikanischen Notenbank Fed, die Zinsen niedrig zu halten, hat auf viele Marktteilnehmer wie eine Einladung zur Spekulation gewirkt - zumindest auf kurze Frist. Zudem zwingen die niedrigen Zinsen immer mehr institutionelle Investoren, nach alternativen Ertragsquellen zu suchen - das zwingt sie, höhere Risiken einzugehen.

          Das kann der Fed doch nicht wirklich recht sein.

          Das ist nur eine indirekte Folge der amerikanischen Geldpolitik. In erster Linie will die Fed ja das Wachstum stimulieren - und war damit auf kurze Frist auch recht erfolgreich.

          Und wie lange wird sie diesen Kurs noch fahren?

          Das läßt sich schwer sagen: Der Konsum zieht zwar an, aber die Unternehmen investieren noch nicht. Es sind immer noch so viele Überkapazitäten im Markt, daß die Unternehmen trotz rapide steigender Mittelzuflüsse nicht investieren.

          Aber mit anziehendem Konsum müßte doch auch die Kapazitätsauslastung steigen, oder?

          Nun ja, ein Teil der amerikanischen Verbrauchernachfrage - die durch die niedrigen Zinsen stimuliert wird - wird von chinesischen Importen aufgesogen. Das ist ein impliziter Kontrakt zwischen China und Amerika: Die Amerikaner kaufen chinesische Waren, die Chinesen kaufen von dem verdienten Geld amerikanische Staatsanleihen, was dann die Zinsen niedrig hält, was es wiederum den Amerikanern ermöglicht, chinesische Waren zu kaufen.

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