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Interview : „Lage in Australien sieht für Anleger weiterhin gut aus“

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Richard Gibbs, Chefökonom der Macquarie Bank in Sydney Bild: Privat

Australien wächst nach wie vor vergleichsweise stark. Macquarie-Chefökonom Richard Gibbs rechnet zwar mit einer etwas leichteren, dafür nachhaltigeren Entwicklung. Er blickt positiv auf Finanz- und Rohstoffwerte und die Währung.

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          Wer genervt ist über die verhaltene Kursentwicklung an den europäischen oder amerikanischen Börsen, sollte vielleicht einmal einen Blick über den Tellerrand hinaus werfen. Beispielsweise auf die Börsen in Ägypten, Kolumbien, Ungarn, Peru, der tschechischen Republik, Österreich - oder auch nach Australien.

          Diese Märkte können im laufenden Jahr mit zum Teil beeindruckenden Kursgewinnen aufwarten. Und zumindest in Australien könnte der Aufschwung weitergehen, so Richard Gibbs, Chefökonom der Macquarie Bank, im folgenden FAZ.NET-Interview. Er zeigte sich schon im vergangenen Jahr recht optimistisch und lag damit völlig richtig. Immerhin hat der Australian All Ordinaries Index in der Zwischenzeit um 30 Prozent zugelegt.

          Sie befinden sich gerade in Shanghai. Wie schätzen Sie die wirtschaftliche Lage in China generell ein?

          Der Markt hier läuft heiß, der jüngste Wirtschaftszyklus ist weiterhin im Gang. Ich rechne damit, daß er sich abschwächen wird. Aber die chinesische Konjunktur wird sicherlich nicht gegen die Wand laufen. Ich werte die jüngste Zinserhöhung positiv, China verbreitert damit die verfügbaren finanzpolitischen Instrumente und den Finanzmarkt generell.

          Sie befinden sich sicherlich in China, da die Entwicklung dort für Australien ungemein wichtig ist?

          Das ist richtig, es gibt eine unmittelbare Verbindung zwischen der Wirtschaftsentwicklung in China und Australien. Ein Besuch in Europa vor wenigen Tagen zeigte mir auch, daß viele Anleger das erkannt haben und ein Investment in Australien als eine Möglichkeit betrachten, indirekt in China zu investieren.

          Bezieht sich das vor allem auf den Rohstoffreichtum Australiens?

          Die Nachfrage Chinas nach Rohstoffen und Energie spielt sicherlich eine große Rolle, allerdings spielt für Australien auch immer mehr der Export von Dienstleistungen eine Rolle. Sei es im Erziehungs- oder dem Gesundheitswesen, im juristischen Bereich oder ähnlichen.

          Das heißt, diese Art von Geschäften verbuchen ein starkes Wachstum im Australien?

          Auf jeden Fall. In bestimmten Bereichen wird China in den kommenden drei Jahren der wichtigste Handelspartner Australiens werden und damit die Vereinigten Staaten überrunden. Diese Entwicklung dürfte sich noch vertiefen, wenn China und Australien ein Freihandelsabkommen abschließen sollten.

          Damit könnte sich Australien zunehmend von der Entwicklung in Amerika abkoppeln?

          Australien wird immer noch stark beeinflußt von der Konjunktur in den Vereinigten Staaten. Allerdings gleichzeitig auch immer stärker von China. In diesem Sinne wird das Land immer diversifizierter. Sollten China und Amerika unterschiedlich stark wachsen, dürfte das zunehmend auch für Australien gelten.

          Wie sieht die wirtschaftlich Entwicklung in Australien generell aus?

          Die Wirtschaft wächst weiterhin sehr robust. Hing das Wachstum lange Zeit vor allem am Hausbau, so hat sich die Entwicklung in der Zwischenzeit „verbreitert“. Die Aktivitäten in der Baubranche haben sich etwas abgekühlt. Dafür investieren die Unternehmen mehr und auch der Konsum hat zugenommen. Insgesamt läßt das Wachstum leicht nach, dafür ist es ausgeglichener und nachhaltiger.

          Die australische Zentralbank hat früh begonnen, den Leitzins zu erhöhen. Nun scheint sie allerdings zu pausieren. Wie sehen Sie das?

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