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Interview : „Japan hat eine falsche Geld- und Fiskalpolitik“

  • Aktualisiert am

Brian Reading, Lombard Street Research Bild: Privat

Japan sollte an seiner ultralockeren Geldpolitik festhalten, um nicht in die Deflation zurück zu fallen, lautet das weit verbreitete Dogma. Brian Reading von Lombard Street Research hält dies im FAZ.NET-Interview für völlig falsch.

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          Mit Blick auf Japan gleichen sich die Meldungen und Einschätzungen weitgehend. Das konnte man am Donnerstag wieder einmal feststellen. Der japanische Notenbankgouverneur Toshihiko Fukui habe seine Ansicht bekräftigt, die Bank of Japan (BoJ) werde die Geldpolitik schrittweise in Reaktion auf die Entwicklung von Wirtschaft und Preisen anpassen, könne die Zinsen jedoch sehr niedrig halten.

          Fukui hob weiter hervor, die BoJ werde bei der Festlegung der Geldpolitik den beschleunigten Anstieg der Grundstückspreise in einigen japanischen Städten berücksichtigen. Allerdings seien die Grundstückspreise kein Hauptkriterium für die Geldpolitik. Er rechne auch nicht damit, dass die Preise unangemessen steigen würden

          Solche Äußerungen sind nicht neu und sie entsprechen auch weitgehend dem allgemeinen Konsens. Es gibt jedoch auch kontroverse Einschätzungen. Zum Beispiel jene von Brian Reading von Lombard Street Research in London beziehungsweise in Neuseeland. Es sei ein weit verbreiteter Trugschluss, dass steigende Leitzinsen in Japan den Konsum ausbremsen würden, erklärt er unter anderem im folgenden FAZ.NET-Interview.

          Japan sollte seine Zinsen tief halten und die monetäre Expansion hoch, um Unternehmen und Konsumenten glücklich zu machen, um eine konjunkturelle Stagnation und vor allem auch die Rückkehr in die Deflation zu vermeiden - so oder so ähnlich lautet die konventionelle und weit verbreitete Logik. Sie haben eine andere. Wieso?

          Steigende Zinsen verlagern Einkommen von den Schuldnern zu den Kreditgebern. Sofern die Schuldner ihre Ausgaben deutlicher einschränken als die Gläubiger ihre erhöhen, geht die Gesamtnachfrage zurück und wirkt deflationär. Sollten die Schuldner jedoch den Konsum weniger einschränken als ihn die Gläubiger erhöhen, so nimmt die Gesamtnachfrage zu und wirkt inflationär. Der Nettoeffekt hängt folglich vom Zeitpunkt und von den nationalen Umständen ab.

          Was bedeutetet das konkret?

          In Japan, wie in vielen anderen Staaten, zählen die Privathaushalte zu den Gläubigern, während die Schuldner bei den Unternehmen, im Öffentlichen Sektor oder auch im Ausland zu finden sind. Japan ist einzigartig aufgrund der schieren Größe der Vermögen, über die die Haushalte verfügen können. Die Bruttovermögen übersteigen die verfügbaren Einkommen um das Fünffache und um das Dreifache des Bruttoinlandsproduktes. Die Bruttofinanzvermögen, die in irgendeiner Form verzinslich angelegt sind, übersteigen die verfügbaren Einkommen um das Zweieinhalbfache und das Sozialprodukt um das Eineinhalbfache. So würde eine Steigerung der Guthabenzinsen um einen Prozent die verfügbaren Einkommen um 2,5 Prozent oder um 1,5 Prozent des Sozialproduktes erhöhen.

          Dagegen betragen die Verbindlichkeiten der Privathaushalte 125 Prozent der verfügbaren Einkommen und rund Dreiviertel des Sozialproduktes. Davon sind rund zwei Drittel Hypotheken mit langfristiger Zinsbindung. Gerade einmal die Hälfte der Verbindlichkeiten ist zinssensitiv.

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