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Interview : „Japan hat eine falsche Geld- und Fiskalpolitik“

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Das „Nichtproblem“ der Schulden ist der Kern für Japans fehlgeleitete Fiskalpolitik.

Steigende Zinsen würden den Yen aufwerten lassen. Ein starker Yen jedoch wäre schlecht für die Exportunternehmen!

Das ist richtig. Aber ein starker Yen wäre positiv für die Importeure, den Dienstleistungsbereich und für jenen Teil der Wirtschaft, der sich mit nicht handelbaren Gütern beschäftigt. Die japanischen Exporte stehen gerade einmal für 15 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Dieser Teil der Rebalancierung wäre zentral.

Wie würden die Carry Trader darauf reagieren?

Sie sind „Trader“ keine längerfristigen Investoren. Sie würden in panische Flucht dem „Ausgang“ dieser Strategien zustreben. Yen-Shorts würden innerhalb einer Woche mehr Verluste erzeugen, als die Zinsdifferenz Gewinn in einem ganzen Jahr abwerfen kann. Dazu kommt der Leverage: Er führt zu großen Gewinnen, solange alles gut geht, und zu riesigen Verlusten, wenn es schief läuft. Wenn ein Carry Trade grundsätzlich fünf Prozent Rendite bringt so kann er über die Verschuldung um das Fünffache auf einen Jahresertrag von 25 Prozent gebracht werden. Steigt jedoch der Yen innerhalb einer Woche um zehn Prozent, so führt das zu einem Verlust von 25 Prozent. Das heißt, ein entsprechend positionierter Hedge-Fonds verliert ein Viertel seines Kapitals.

Ein Run auf den Yen würde die Währung aufwerten lassen und auf diese Weise die Stampede noch verstärken. Gehedgte Carry Trades werden uninteressant, sobald die Hedgingkosten steigen und die Shortpositionen an der Terminbörse in Chicago zurückgekauft werden. Das Risiko eines steigenden Yen ist in den kommenden Monaten real, wie immer auch die Prognosen für den Dollar mittelfristig aussehen mögen. Der Abbau der Carry Trades wird Teil weit reichender Turbulenzen an den Finanzmärkten sein, wie wir sie schon Ende Februar sehen konnten.

Sie sprachen den Dollar an. Wie wird er sich nach Ihrer Meinung künftig entwickeln?

Wir redeten bisher über eine hypothetische Situation, die davon ausging, die Bank of Japan würde die Leitzinsen normalisieren. Wird man dagegen konkret, so steht meine Meinung im Gegensatz zum Konsens. Im Rahmen einer globalen konjunkturellen Abschwächung wird der Dollar in etwa einem Jahr nicht schwach, sondern stark werden. Diese Prognose lässt sich aus einer einfachen Logik ableiten:

Die Ersparnisschwemme in Europa und Asien führte in Amerika zu einer Kauforgie. Die großen Sparer und Gläubiger werden kaum aufhören zu sparen und Kredite zu vergeben, bevor die Amerikaner aufhören, sich weiter zu verschulden und zu konsumieren - was vor allem dann passieren könnte, wenn die Liquidität austrocknen sollte.

Die amerikanischen Importe sind stark abhängig vom Wachstum der Binnennachfrage. Sollte es unter vier bis fünf Prozent fallen, werden die Importe zurückgehen. Das amerikanische Leistungsbilanzdefizit kann überraschend schnell zurückgehen, sobald die heimische Nachfrage zum Stillstand kommt. Auf der anderen Seite können zunehmende Exporte dem Wirtschaftswachstum etwas Rückenwind geben. Grundsätzlich wird jedoch ein abnehmendes Leistungsbilanzdefizit dazu führen, dass der Dollar steigt - und nicht ein schwacher Dollar dazu, dass das Leistungsbilanzdefizit abnimmt.

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