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Interview : „Internet-Aktien könnten eine Atempause vertragen“

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Hat Ebay und Amazon verkauft: Fondsmanager Beyer-Enke Bild: deka

Internet-Aktien sind in Mode. Doch etwa Ebay, Amazon und Yahoo sind zu hoch bewertet und könnten eine Atempause vertragen, so Michael Beyer-Enke, bei Deka Investment für Technologiefonds zuständig, im FAZ.NET-Interview.

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          Mit einem Volumen von 806 Millionen Euro ist der Deka Technologie einer der größeren Fonds, die auf Computer- und Internetaktien setzen. Zum Vergleich: Die entsprechenden Produkte der DWS und des Deutschen Investment Trust (Dit) kommen auf eine Marktkapitalisierung von 365 und 406 Millionen Euro. Ihnen und anderen Tech-Fonds ist gemein, in den vergangenen drei Jahren eine schlechte Wertentwicklung hingelegt zu haben, aber seit einem Jahr auf Erholungskurs zu sein. In Zahlen: Der von Michael Beyer-Enke gemanagte Deka Technologie verbesserte innerhalb der jüngsten zwölf Monate um 25,3 Prozent, der DWS-Fonds etwas schwächer, das DIT-Produkt etwas besser.

          Auffallend ist, daß bei Beyer-Enke gut laufende Titel wie Ebay und Yahoo sowie Amazon nicht zu den Schwergewichten zählen. Gemein ist diesen Aktien auch die hohe Bewertung, die an die Zeiten vor dem Beginn der Baisse erinnert. Unter anderem aus diesem Grund hat der Fondsmanager sie aus dem Portfolio genommen, wie er im FAZ.NET-Interview sagte. Dagegen sieht er Motorola und Samsung als lohnende Investments an.

          Eine Reihe von Internet- und Technologietiteln wie Yahoo und Ebay laufen gut, weisen aber wie etwa auch Apple wieder eine Bewertung auf, die an die unseligen Zeiten der Internet-Blase vor drei, vier Jahren erinnert. Sind solche Aktien noch ein Kauf, weil der Trend stimmt?

          Unter anderem diese Aktien sind ohne Frage sehr hoch bewertet. Wenn man berechnet, wie stark das Gewinnwachstum mit Blick auf die nächsten zehn Jahre sein müßte, um diese Bewertung zu rechtfertigen, kommt man auf 20 Prozent im Jahr. Ich glaube, das hat in den vergangenen Jahren nur Microsoft geschafft, und über welche Ausnahmestellung dieses Unternehmen verfügt, muß man nicht erklären.

          Und Yahoo weist zwar ein stürmisches Umsatzwachstum, aber kein entsprechendes Gewinnwachstum auf...

          So ist es. Festzustellen ist, daß viele Leute Internettitel wiederentdeckt haben. Amazon hatte zu Jahresbeginn 2002 den ersten Jahresgewinn nach US-GAAP ausgewiesen. Seit diesem Zeitpunkt mußte man Internetwerte haben - und zwar bis zum September vergangenen Jahres. Aber das ist jetzt Vergangenheit. Dieser Zyklus ist also länger gelaufen als seit März vergangenen Jahres, seit dem sich der Wind an den Börsen gedreht hat und die Aktienkurse auf breiter Front steigen. Bei den Internettiteln haben sich die starken Werte herauskristallisiert, aber von der Bewertung her kann dieser Sektor sicher eine Atempause vertragen. Zumal das Weihnachtsgeschäft gut gewesen und danach üblicherweise eine saisonale Schwäche eingesetzt haben dürfte.

          Ein Wort noch zu Ebay. Im Spätsommer hat Ebay ein erstes Downgrade erfahren, das sich auf Ebay Motors bezog. Da heißt es immer, bei den Gebrauchtwagenhändlern ist Ebay Motors erst zu 30 Prozent verbreitet, folglich gibt es da noch ein großes Potential. Fakt ist: Von den verbleibenden 70 Prozent hat die Hälfte Ebay Motors schon ausprobiert, und sie wollen es nicht wieder tun. Aus meiner Sicht ist das eine Meldung zum Aufhorchen gewesen. Dessen ungeachtet gefällt mir an diesem Unternehmen die Transparenz. Es wird auch bestimmt noch weitere innovative Ideen liefern. Aber die Bewertung ist nicht angetan, diesen Wert als „fresh money buy“ anzusehen und dem Privatanleger zu empfehlen, noch zuzugreifen. Wie selbst sind derzeit in Ebay untergewichtet.

          Der Trend spricht aber für diesen Titel; das gleiche gilt für Yahoo. Haben die Leute, die angesichts dessen engagiert bleiben, nicht recht?

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