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Interview : „In Russland und den GUS-Staaten gibt es riesige unentdeckte Möglichkeiten“

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Bild: FAZ.NET

Ende 2006 hat Warburg Invest den Warburg - Eurasia Plus - Fonds aufgelegt. Der Fonds investiert in die Börsen der GUS-Staaten, im Baltikum und in Russland. Fondsmanager Gegham Ananyan erläutert, wie er die Anlageregion beurteilt.

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          Warburg Invest hat am 15. Dezember 2006 einen neuen Osteuropa-Fonds aufgelegt. Der Warburg - Eurasia Plus - Fonds (ISIN LU0272988428) investiert überwiegend in Aktien und Aktienzertifikate von Gesellschaften mit Sitz oder Geschäftsschwerpunkt in den GUS-Ländern (CIS: Commonwealth of Independent States) sowie in Estland, Lettland und Litauen. Mindestens 51Prozent des investierten Fondsvolumens wird in Russland angelegt. Der Fonds hat aktuell nur ein Volumen von rund 1,1 Millionen Euro. Mittelfristig sollen aber zehn Millionen Euro erreicht werden. Wir haben mit Fondsmanager Gegham Ananyan über die Chancen in Osteuropa gesprochen:

          Herr Ananyan, der Kurssturz am chinesischen Aktienmarkt am 27. Februar hat auch die Börsen in Osteuropa in Mitleidenschaft gezogen. Wie stellt sich aus Ihrer Sicht die fundamentale Situation in Osteuropa dar?

          Meiner Meinung nach ist die fundamentale Situation in Osteuropa sehr stark, vor allem in den großen Märkten. Wenn etwas in China falsch laufen sollte, kann es in den Schwellenländern und der Weltwirtschaft zu Korrekturen kommen. Was kürzlich dort passiert ist, sollte eine Warnung an Investoren sein, vorsichtig zu handeln. Aber ich denke nicht, dass eine signifikante Veränderung des Kurses der chinesischen Regierung zu erwarten ist. Selbst wenn Peking versucht, das Wirtschaftswachstum abzubremsen, wird das sehr vorsichtig und in kleinen Schritten geschehen. Generell sind wir aber für Osteuropa sehr zuversichtlich. Die Region wird sehr viel schneller wachsen als die Märkte auf dem Rest des Kontinents. Länder wie Russland und Polen sind im Moment sehr stark.

          Die Nervosität der Anleger ist nach wie vor hoch. Dies spiegelt sich auch in der gestiegenen Volatilität wieder.

          Die Volatilität ist ein großes Thema. Ich gehe davon aus, dass das auch so bleibt, speziell in den Emerging Markets. Das ist momentan der Unsicherheitsfaktor in der gesamten Weltwirtschaft. Hierdurch wird ein großer Druck verursacht. Ein wichtiger Meilenstein wird Anfang Mai erreicht, wenn die nächste Zinsentscheidung der amerikanischen Notenbank ansteht, was wiederum für die Wirtschaft in Amerika bedeutend ist. Viele Investoren warten vorsichtshalber ab und erwarten sich von diesem Ereignis einen kurzfristig richtungsweisenden Fingerzeig.

          Das momentane Börsenumfeld birgt damit erhöhte Chancen, aber auch Risken. Wie agieren Sie in dieser Situation?

          Wir realisieren zwischenzeitlich Gewinne bei Aktien, bei denen wir denken, dass sie ihren Zenit überschritten haben. Auf der anderen Seite warten wir ab, was auf dem Weltmarkt geschieht und halten deshalb momentan eine höhere Kassenquote. Viele Märkte in unserer Region, wie Polen, die Türkei und Tschechien, haben seit Jahresbeginn sehr gut abgeschnitten. Diese Märkte sind im Warburg Eurasia Plus nicht vertreten. Und in dem anderen Fonds den ich manage (Nestor Osteuropa Fonds) nur gering, weil wir hier bereits Gewinne mitgenommen haben. Derzeit gibt es keinen großen Kapitalzufluss in unsere Region, was beispielsweise in Russland zu Problemen führen kann. Hier stehen einige große Börsengänge an, unter anderem warten wir auf den der zweitgrößten russischen Bank (Wneschtorgbank - VTB / Anm. d. R.), die dem russischen Markt weiter Liquidität entzieht. Wir sehen hier aber keinen substanziellen Einfluss auf Fonds in diesen Märkten.

          Sie planen mindestens 51 Prozent der Fondsvermögens in Russland anzulegen. Dabei sind Unternehmen aus den Bereichen Energie und Rohstoffe übergewichtet. Worin sehen Sie die Vorteile des russischen Marktes?

          In Bezug auf Rohstoffe sind wir „bullish“. Aber auch andere Bereiche sind interessant. In Russland bewegt sich einiges, der Energie- und Bankensektor wird derzeit umstrukturiert, das ist positiv zu bewerten - neben der ohnehin starken Wirtschaft. Hinzu kommen eigene Investitionen und ausländische Direktinvestitionen. Der Konsum wird zukünftig ebenfalls weiter zunehmen.

          Wie beurteilen Sie das politische Risiko Russlands?

          Es gibt sicherlich einige Unsicherheiten über den Nachfolger von Wladimir Putin, die sich sicherlich auch am Markt bemerkbar machen werden. Große negative Überraschungen erwarten wir aber nicht. Die Investoren generell bleiben aber in diesem Zusammenhang vorsichtig. Ende des Jahres sollte sich die Situation geklärt haben.

          Was reizt Sie an den GUS-Börsen?

          Neben den hohen Wirtschaftswachstumsraten locken vergleichsweise tiefe Bewertungen. Außerdem sind diese Märkte jetzt in einem Stadium, wie es die russische Börse vor vier oder fünf Jahren gewesen ist. Derzeit gibt es zwar noch etliche Probleme, wie etwa im Bereich Corporate Governance. Aber das führt auch dazu, dass Großinvestoren diese Börsen derzeit noch meiden. Wir wollen jetzt schon investieren, bevor die große Herde Einzug hält.

          In welchen GUS-Aktienmärkten sind Sie derzeit investiert?

          Wir haben Aktien in Kasachstan, Georgien, Turkmenistan und indirekt in Armenien. Im Baltikum sind wir derzeit noch nicht positioniert. Das gilt auch für die Ukraine. Dort sind die Kurse in diesem Jahr zu schnell gestiegen und dadurch die Bewertungen etwas zu hoch. Hinzu kommen die aktuellen politischen Probleme. Außerdem warten wir in der Ukraine auf einige interessante Neuemissionen.

          Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Osteuropa sind in den vergangenen fünf Jahren durchschnittlich um mehr als 26 Prozent jährlich gestiegen. Ist denn jetzt überhaupt noch der richtige Zeitpunkt für Neuengagements?

          Wir denken, dass es riesige unentdeckte Möglichkeiten gibt. Das gilt einerseits für Russland, aber auch für die Staaten auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion, insbesondere der Ukraine, Kasachstan und anderen Republiken. Diese Länder generieren derzeit ein starkes Wirtschaftswachstum und wir glauben, dass dies beibehalten wird. Auch vor dem Hintergrund der weltweiten politischen Situation gehen wir von weiterhin hohen Rohstoffpreisen aus, was den Ländern in unserer Region helfen wird.

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