https://www.faz.net/-gv6-pnqd

Interview : „In der Phase der Erholung bei Blue Chips unterproportional dabei“

  • Aktualisiert am

Jörg-Matthias Butzlaff vom Bankhaus Metzler Bild:

Mehr als 40 Deutschland-Aktienfonds hinken seit mindestens drei Jahren dem Dax hinterher. Einer davon ist der Metzler Aktien Deutschland. J.M. Butzlaff vom Bankhaus Metzler sucht im Interview von FAZ.NET nach Erklärungen.

          4 Min.

          Mit deutschen Standardwerten konnten Anleger dieses Jahr im Durchschnitt nicht viel Geld verdienen. Seit Jahresbeginn hat sich der Dax lediglich um 5,75 Prozent verbessert. Binnen Jahresfrist ist ein Kursgewinn von knapp zehn Prozent aufgelaufen. Die Bilanz vieler Aktienfonds, die auf Dax-Aktien setzen, fällt indes noch magerer aus: Nur knapp 8,4 Prozent haben diese Produkte seit Anfang Dezember 2003 gutgemacht. Dabei schneiden 80 von 96 Deutschland-Aktienfonds schlechter ab als der Dax und der Fonds Dax ex von Indexchange, der den Leitindex abbildet. Und dies ist in vielen kein Ausrutscher: Auf Sicht von drei Jahren sind immerhin 44 Fonds hinter dem Dax zurückgeblieben und etwa ein Dutzend kaum besser.

          Zu diesen „Underperformern“ zählt der vom Frankfurter Privatbankhaus Metzler gemanagte Fonds Aktien Deutschland. Er hat sei Auflegung im Jahr 1992 einen Kursgewinn von gut 100 Prozent erwirtschaftet, sich aber in den vergangenen fünf Jahren einen Verlust von fast 40 Prozent geleistet, obschon der deutsche Leitindex „nur“ 32 Prozent verloren hat. In den jüngsten drei Jahren ist beim Metzler Aktien Deutschland ein Verlust von 24 Prozent aufgelaufen, während der Dax im selben Zeitraum 19,4 Prozent eingebüßt hat. Auch der Jahresvergleich fällt zu Lasten des Metzler-Fonds aus: Dieser hat ein Plus von 5,22 Prozent zu Buche stehen, der Dax einen Aufschlag von knapp zehn Prozent.

          Jörg-Matthias Butzlaff vom Bankhaus Metzler stellte sich den Fragen von FAZ.NET zu der schwachen Wertentwicklung und sucht im folgenden Interview nach Erklärungen. Auch wagt er einen Ausblick auf das nächste Jahr.

          Wie kann es sein, daß ein auf deutsche Standardwerte setzender Aktienfonds über längere Zeit hinter dem Dax herläuft?

          Wir sind Stock-Picker und haben uns in einem sehr schwierigen Marktumfeld befunden. Es gab gewisse Themen, die von den Investoren bevorzugt wurden, und dazu eine recht kräftige, aber späte Erholung von Standardwerten. Ausgebrochen ist der Dax zudem erst in den jüngsten Wochen.

          Wie erklären Sie die Underperformance Ihres Fonds?

          Wir waren bei großen Indexwerten wie Siemens und Deutsche Bank zwar investiert, allerdings sind Nebenwerte deutlich besser gelaufen. Im Jahresverlauf haben wir große Werte etwas abgebaut. Dadurch waren wir in der Phase, in der sich einige Schwergewichte erholt haben, unterproportional dabei. So ist ein Großteil der Underperformance im jüngsten Quartal entstanden.

          Daran kann es aber nicht allein liegen. Ihr Fonds weist als größte Position die Siemens-Aktie auf, die binnen Jahresfrist fast vier Prozent verloren hat. Drittgrößter Wert ist Deutsche Bank vor Daimler-Chrysler, die beide nur ein Plus von etwa 4,5 Prozent aufzuweisen haben, und SAP mit einem Kursgewinn von 2,2 Prozent. Warum halten Sie solche Underperformer überhaupt?

          Der Metzler Aktien Deutschland ist ein Standardaktienfonds. Die Anlagerichtlinien des Fonds verpflichten uns, vor allem in große deutsche Titel zu investieren. Das heißt, wir dürfen Aktien mittlerer und kleiner Unternehmen beimischen, aber eben nur bis zu einem gewissen Grad. Selbst wenn wir von der Daimler-Chrysler-Aktie nicht überzeugt wären, könnten wir sie nie ganz abbauen, da sie ein großes Gewicht im Dax hat.

          Aber wenn Sie nichts mit einem Schwergewicht verdienen, hat es doch keinen Sinn, es zu halten!

          Es geht auch darum, das Gesamtrisiko abzuschätzen. Und wir dürfen, wie gesagt, Nebenwerte wie Leoni oder Beru nur beimischen. 60 Prozent des Fondskapitals in mittlere und kleinere Titel zu investieren, die besser laufen als große Werte, entspricht nicht unseren Anlagerichtlinien.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Innen nur 2-G: Und trotzdem bleibt, auch in diesem Braunschweiger Gasthaus, die Ansteckungsgefahr relativ groß.

          Vorschlag von Forschern : Acht Parameter gegen Corona

          Trotz 2-G-Regeln bleibt die Gefahr für eine Corona-Ansteckung in Innenräumen groß. Wissenschaftler um den Virologen Hendrik Streeck haben eine Checkliste entworfen, wie sich die Gefahr etwa in Restaurants verringern lässt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.