https://www.faz.net/-gv6-plr4

Interview : „G-8-Teilnehmer sollten über unterbewertete Währungen reden“

  • Aktualisiert am

Prof. Fred Bergsten, IIE Bild: IIE

Bei den Beratungen der G-8-Staats- und Regierungschefs steht vieles auf dem Programm, nicht aber die Ungleichgewichte im Welthandel. Das sei ein Fehler, erklärt Professor Bergsten vom Institute for International Economics in Washington.

          4 Min.

          Bei den Beratungen der Staats- und Regierungschefs der Gruppe 8 im Ostseebad Heiligendamm steht ein breites Themenspektrum auf dem Programm. Es reicht von außenpolitischen Aspekten über den Klimaschutz bis hin zum Raketenstreit.

          Nicht auf der Tagesordnung stehen die Ungleichgewichte im Welthandel und die daraus resultierenden Probleme. Das sei ein Fehler, erklärt Professor C. Fred Bergsten vom Institute for International Economics in Washington im folgenden Interview.

          Denn von der Fehlbewertung verschiedener Währungen gingen deutliche Risiken für die Weltwirtschaft aus.

          In Deutschland findet derzeit das G8-Treffen statt. Denken Sie nicht, die Anwesenden sollten sich auch über den Währungsmarkt unterhalten, zumindest hinter den Kulissen?

          Sie sollten. Ich bin jedoch nicht sonderlich zuversichtlich, dass sie das auch tun werden. Unglücklicherweise gab es kaum Bemühungen, Antworten auf die internationalen Ungleichgewichte und die Fehlbewertung verschiedener Währungen zu finden und entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Ich denke, Sie sollten das tun, ich bin jedoch nicht optimistisch, dass es dazu kommen wird.

          Ist das nicht ein Fehler?

          Ja, denn ich denke, von den großen und weiterhin wachsenden Ungleichgewichten gehen starke Risiken für die Weltwirtschaft aus. Sie können zu starken Wechselkursbewegungen führen. Diese wiederum können die Entwicklung sowohl in jenem Land stören, dessen Währung - der Dollar - fallen kann, als auch in jenen Staaten, deren Währung - vor allem im Euroraum - steigen dürfte. Das gilt insbesondere, so lange die asiatischen Staaten die Aufwertung ihrer Währungen verhindern.

          Es wäre zwar ein Problem, dass mit China eines der Staaten, dessen Währung neben dem japanischen Yen am stärksten aufwerten müsste, an den G8-Gesprächen überhaupt nicht beteiligt ist. Nichts desto Trotz sollten die G-8-Politiker eine entsprechende Initiative ergreifen und schließlich auf die entscheidenden asiatischen Staaten zugehen, um präemptive Maßnahmen umzusetzen.

          Wie lange können die Währungsfehlbewertungen und die wachsenden Ungleichgewichte bestehen bleiben, ohne zu Schwierigkeiten zu führen?

          Niemand kann das sagen. Tatsächlich scheint die Tatsache, dass sie schon längere Zeit existieren, ohne Turbulenzen verursacht zu haben, zu Gleichgültigkeit und der von mir kritisierten Untätigkeit zu führen. Faktisch hat der Dollar in den vergangenen fünf Jahren 15 bis 20 Prozent abgewertet, ohne größere Probleme verursacht zu haben. Allerdings ist die Verteilung der Aufwertungsbewegungen problematisch, die als Gegenpol einer unvermeidbaren weiteren Dollarabwertung nötig sind.

          Denn angesichts der Überschüsse sollten vor allem die asiatischen Währungen aufwerten. Die asiatischen Staaten, angeführt von China, blockieren jedoch entsprechende Tendenzen. So haben neben dem Euro andere frei handelbare Währungen wie der Kanada- und der australische Dollar die Last zu tragen. Sie könnten weitere zehn bis zwanzig Prozent aufwerten, obwohl sie bisher schon weit gelaufen sind. Sollte der Dollar stärker nachgeben, ohne dass die asiatischen Währungen aufwerten, könnte der Euro zusammen mit anderen europäischen Währungen auf 1,50 bis 1,60 Dollar oder gar mehr aufwerten und auf diese Weise das europäische Wirtschaftwachstum beeinträchtigen. Gleichzeitig würde der schwache Dollar in den Vereinigten Staaten die Zinsen und die Inflationsrate nach oben treiben und so auch dort die Konjunktur bremsen.

          Aus diesem Grund gibt es deutliche Risiken für die Weltwirtschaft über starke Währungsbewegungen, wenn man die Anpassung der Ungleichgewichte den Märkten überlässt und wenn die relevanten Staaten die Ungleichgewichte zusammen nicht präemptiv politisch angehen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.