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Interview : „G-8-Teilnehmer sollten über unterbewertete Währungen reden“

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Die Europäer haben bisher einen großen Teil der „Aufwertungslast“ getragen, während die asiatischen Staaten davon profitierten, unter anderem ihre Automobilindustrie. Wann denken Sie, werden die Europäer die Konsequenzen ziehen und sich den Amerikanern anschließen, die eine Aufwertung mit Nachdruck fordern?

Nun, die Amerikaner und die Europäer scheinen sich bisher nicht einig zu sein. Während die Europäer ihr Augenmerk auf den unterbewerteten Yen richten, blicken die Amerikaner vor allem auf den unterbewerteten Renminbi. Sie unterstützen sich gegenseitig bisher nicht.

Handelt es sich nicht um dasselbe Problem?

Beide Punkte hängen miteinander zusammen. Für mich stellt sich die Frage, wie man alle asiatischen Währungen dazu bringen kann, deutlich aufzuwerten. Denn angefangen vom Renminbi über den Yen, den Taiwan-Dollar bis hin zum Hongkong- und den Singapur-Dollar sind alle asiatischen Währungen deutlich unterbewertet, mit Ausnahme des südkoreanischen Won vielleicht, der in den vergangenen Monaten nach oben gelaufen ist. Alle diese Staaten verbuchen Überschüsse, so dass ihre Währungen mehr wert werden müssten.

Ich denke, wenn China oder Japan ihre Währungen um zehn, zwanzig Prozent aufwerten ließen, würde das die anderen Währungen der Region mit nach oben ziehen. Ich lege den Fokus auf China. Denn das Land hat nicht nur den größten Überschuss, sondern es verhindert die Aufwertung der Währung durch massive Interventionen am Devisenmarkt.

Ich stimme mit den Europäern darin überein, dass auch der Yen deutlich unterbewertet ist. Allerdings ist der Wechselkurs gegenwärtig nicht das Resultat von Interventionen, sondern von tiefen Zinsen und damit den Marktkräften.

Ich denke, die G7-Staaten sollten über die Stärkung des Yen nachdenken. Ich glaube, direkte Interventionen wären effektiv und würden den Yen deutlich nach oben bringen. Sie sollten begleitet werden von koordiniertem Druck auf China, seine Währung aufzuwerten.

Rechnen Sie tatsächlich mit Yen-Interventionen?

Nein. Ich halte sie jedoch für wünschenswert und habe das auch in einem Hearing vor dem amerikanischen Kongress so formuliert. Wenn alles andere nichts hilft, wäre eine Übereinkunft, wie das Plaza-Agreement im Jahr 1985, zur Anpassung fehl bewerteter Währungen wünschenswert.

Ist ein Meinungswandel denkbar, falls in den Vereinigten Staaten die Regierung wechseln sollte?

Es könnte sein. Eine demokratische Regierung könnte sensibler auf die Konsequenzen eines überbewerteten Dollars auf den Handel und den Arbeitsmarkt blicken. Auf der anderen Seite waren in der Vergangenheit auch demokratische Administrationen nicht sehr offen für Interventionen.

Gegenwärtig geht jedoch starker Druck vom demokratisch geführten Kongress aus. In den kommenden Monaten dürfte es legislative Initiativen geben, die das Ziel haben, die relevante amerikanischen Administration zum Vorgehen gegen einen überbewerteten Dollar zu bewegen.

Sehen sie einen „Trigger“, der zu einer dramatischen Anpassung der Ungleichgewichte führen könnte?

Das kann man vorher nicht wissen. Es könnte ein ökonomisches Ereignis sein. Sollte zum Beispiel die amerikanische Produktivität plötzlich deutlich fallen und die Anleger verlören das Vertrauen in die Vitalität der amerikanischen Wirtschaft, dann könnte der Dollar unter Druck geraten. Der Kongress könnte protektionistische Maßnahmen ergreifen, was durchaus denkbar ist. Oder der Markt mag das Resultat der kommenden Präsidentschaftswahl nicht. Auf der anderen Seite wäre es auch denkbar, dass sich die Wirtschaft in Europa und Japan überraschend stark entwickelte, so dass die Wirtschaftsräume entsprechende Zuflüsse verbuchten. Und da ist nicht zuletzt China. Sollte das Land die eigene Währung aufwerten lassen, was es alleine schon deswegen tun sollte, weil es im eigenen Interesse wäre, dürfte das die anderen asiatischen Währungen mit nach oben nehmen und den Dollar auch gegen andere Währungen weiter abwerten lassen.

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