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Interview : „Die goldenen Zeiten für Schwellenländer-Aktien sind vorbei“

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„Wir warnen zwar vor einer einer Überhitzung der Schwellenländer-Märkte. Dennoch gehen wir für die nächsten 1 bis 2 Jahre nicht von einem Ende des langfristigen Bullenmarktes aus.” Christian Schick, Leiter Portfolio Management von Fortis in Deutschland Bild: Archiv

Fortis-Anlagestratege Christian Schick hält eine Blase in den Schwellenländern für denkbar. Der Grund könnten weitere Kapitalzuflüsse in diese Aktienmärkte sein. Denn immer mehr Investoren merken, wie gut es in den Emerging Markets läuft.

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          Christian Schick, der Leiter Portfolio Management von Fortis in Deutschland, hält eine Blase in den Schwellenländern für denkbar. Der Grund könnten weitere Kapitalzuflüsse in diese Aktienmärkte sein. Denn immer mehr Investoren merken, wie gut es in den Emerging Markets läuft.

          Seit Fazit: „Das Risiko für Investitionen in den Schwellenmärkten ist gestiegen. Und es wird 2008 noch weiter deutlich steigen. Denn Kapitalzuflüsse und Aktivitäten der Staatsfonds könnten in engen Märkten zu Übertreibungen führen. Der ideale Zeitpunkt zum Kauf ist also schon vorbei.“

          Das Interview

          Herr Schick, wie stark investieren Sie in den Schwellenmärkten dieser Welt?
          Wir empfehlen standardmäßig, in den Schwellenmärkten 20 Prozent des Aktiendepots zu investieren. Das ist verglichen mit anderen schon viel. Schon seit längerem haben wir in unseren Fonds diese Quote sogar über das Standardmaß hinaus erhöht.

          „An China kommen Investoren nicht vorbei. Wir verlassen China nicht, weil wir befürchten, dass dann die Aufwärtsentwicklung ohne uns weitergehen könnte.” Christian Schick, Leiter Portfolio Management von Fortis in Deutschland
          „An China kommen Investoren nicht vorbei. Wir verlassen China nicht, weil wir befürchten, dass dann die Aufwärtsentwicklung ohne uns weitergehen könnte.” Christian Schick, Leiter Portfolio Management von Fortis in Deutschland : Bild: Archiv

          Dennoch warnen Sie vor einer Blase in den Schwellenmärkten. Passt das zusammen?
          Zugegeben, das klingt im ersten Moment merkwürdig. Wir sehen diese Gefahr noch nicht in diesem Jahr, möglicherweise aber 2009 oder in den Jahren darauf. Das Thema Blase steht nicht vor der Tür, ist aber etwas, mit dem wir rechnen.

          Wie kommen Sie denn darauf? Wollen Sie die Emerging Markets mit Japan oder dem Neuen Markt vergleichen?
          Nein, nein, dazu ist es noch zu früh. Im Moment stellen wir erst fest, dass die Aktienmärkte in den Schwellenländern nicht mehr günstig sind - vor allem gegenüber den Märkten in den Industrieländern aber auch im eigenen historischen Vergleich. Die Schwellenländer haben gegenüber den Industriestaaten inzwischen wieder das hohe Niveau erreicht, das sie 1998 im Zuge der Russlandkrise hatten. Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) im MSCI Emering Market Index liegt bei 17,0 - im Vergleich dazu beträgt das durchschnittliche KGV des MSCI World 15,6. Das war der der Jahresendstand 2007. In den Jahren zuvor lag das KGV in der Regel deutlich unter dem der Industrieländer.

          Aber das allein deutet doch noch nicht auf eine Blase hin. Der Neue Markt war wesentlich höher bewertet. Da bezahlten Anleger mehr als doppelt so viel.
          Das stimmt. Deshalb sagen wir ja auch nur: Wir halten eine Blase in den Schwellenländern für denkbar. Klar aber ist: Die goldenen Zeiten, in denen Schwellenländer-Titel stark unterbewertet waren, sind definitiv vorbei. Schwellenländer-Aktien müssen neu eingestuft werden. Sie werden in Zukunft zu einem höheren Preis gehandelt.“

          Das klingt nach einer Rechtfertigung des eigenen Jobs. So nach dem Motto: Kein Sorge vor hohen Preisen, kauft ruhig, auch wenn es teuer ist?
          Nein, es hat sich ja etwas geändert. Wir beobachten, dass die Märkte anders als früher auf Krisen reagieren. Seit Ende 1996 hat der MSCI Emerging Markets um rund 165 (Dollarbasis) Prozent zugelegt. Nun gehen diese Staaten von einer stark volatilen Phase in den 90er Jahren in ruhigere Bahnen über.

          Woran machen Sie das denn fest?
          Ein Beispiel: Während der Marktkorrektur zwischen 1997 und 1998 sind die Schwellenländer um 58 Prozent gefallen und es hat 62 Wochen gedauert bis sie sich wieder erholt hatten. Als die Märkte im zweiten Quartal 2006 einbrachen, sind die Schwellenländer nur noch um 24 Prozent gefallen und haben nur noch fünf Wochen für die Aufholjagd benötigt. Und in diesem Sommer waren die Schwellenländer-Aktien eine der letzten Asset-Klassen, die von den Folgen der amerikanischen Hypothekenkrise betroffen waren und stehen heute deutlich über den Höchstständen vor der Kreditkrise - im Gegensatz zu den Industrieländern. Wir folgern daraus: Die Schwellenländer haben sich strukturell verändert. Dadurch werden sie nicht mehr so schnell zum Spielball für Finanz- und Wirtschafts-Krisen.

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