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Interview : „Die Biotech-Branche ist überbewertet“

  • -Aktualisiert am

Hedging: Absicherung in unruhigen Börsenzeiten Bild: dpa

Die Märkte befinden sich derzeit auf Erholungskurs, denkt Patrick Adams von Choice Investment Management. Bestimmte Sektoren sind allerdings teuer.

          „Hedging“ (zu Deutsch „Absicherung“) eignet sich als Strategie hervorragend für die Senkung des Risikos eines Aktienportfolios. So lautet der Rat von Patrick Adams, Geschäftsführer bei Choice Investment Management.

          Sein Long-Short Fund umfasst sowohl längerfristige Investments als auch Leerverkaufspositionen (“Shorts“) und bietet Anlegern somit die Vorteile eines Hedgefonds.

          Wie lautet Ihre Einschätzung in bezug auf die momentan etwas unstete Marktlage?

          Ich glaube, dass sich der Markt derzeit auf Erholungskurs befindet. Unserer Ansicht nach werden die Unternehmensgewinne in den kommenden zwölf bis 24 Monaten wieder steigen. Das sollte den Markt beflügeln. Gleichzeitig dürften sich die Kurse jedoch weiterhin anfällig zeigen, denn die Zinsen haben auf lange Sicht erst einmal ihren Tiefstand erreicht.

          Welche Branchen und Aktien zählen aktuell zu Ihren Favoriten?

          Generell sind unsere Top-Branchen Technologie, Healthcare, Konsum und Finanzen. Wir verfolgen zur Zeit einen etwas zyklischeren Ansatz und konzentrieren uns somit auf Unternehmen, die stärker auf den Aufschwung reagieren. Zu unseren Favoriten gehören uner anderen Lowe's, Home Depot, Best Buy und Household International. Darüber hinaus sind wir sehr vom Halbleiterbereich angetan. Hier setzen wir auf Vitesse Semiconductor.

          Gilt dieser Ansatz auch für Ihren Long-Short-Fund?

          Auf unsere Long-Investments wenden wir dieselben Kriterien an. Bei diesem Fonds verfolgen wir aber für gewöhnlich eine etwas aktivere Strategie. Und natürlich umfasst das Portfolio auch einen Bestand leerverkaufter Aktien - also Short-Investments. Hierbei handelt es sich um Unternehmen, die nach unserem Dafürhalten strittige Fundamentaldaten ausweisen oder aber extrem überbewertet sind.

          Was halten Sie von Target im Vergleich zu anderen Einzelhandelswerten?

          Als Unternehmen mag ich Target sehr. Bis vor kurzem gehörte es auch noch zu unserem Portfolio. Gemessen an ihrer Wachstumsrate halten wir die Aktie jedoch für zu teuer und würden daher andere Werte aus der Einzelhandelsgruppe bevorzugen. Das Gleiche gilt für Wal-Mart. Durchaus interessant sind jedoch Family Dollar Stores, Abercrombie & Fitch und Barnes & Noble.

          Eine Reihe namhafter Fondsverwalter glaubt noch an WorldCom. Wie ist Ihre Meinung?

          Das ist ja lustig - „noch“! Auf Grund seiner extrem niedrigen Bewertung sind wir gerade dabei, uns mit diesem Wert einzudecken. Wir glauben, dass das Unternehmen vor dem Hintergrund seiner raschen Konsolidierung ein echter Gewinner in der Telekombranche ist. Überdies sind wir von seiner Zahlungsfähigkeit überzeugt - entsprechend sehen wir auch keine strittigen Punkte in der Bilanz.

          Wie sieht es mit Biotech-Werten aus?

          Die Biotechnologie würden wir eher als Short-Investment einstufen. Denn die meisten dieser Unternehmen gehen schließlich bankrott, wenn sie keine erfolgreichen Produkte auf den Markt zu bringen. Und in letzter Zeit wurde viel Geld in Unternehmen gepumpt, die unserer Meinung nach auf Dauer nicht überleben werden. Ein paar dieser Titel gefallen uns dennoch. Der einzige Biotech-Wert, den wir aktuell in unserem Bestand halten, ist IDEC Pharmaceuticals.

          Wenn Sie morgen einen einzigen Wert kaufen müssten, wie würde der heißen?

          Das ist eine wirklich schwierige Frage! Mal sehen - es ist natürlich viel einfacher, sich für 30 Titel zu entscheiden, als nur für einen einzigen. Die Aktie mit dem größten Kurspotenzial innerhalb der nächsten sechs Monate ist - so würde ich sagen - Tyco International. Sie wird derzeit nur mit dem Zehnfachen ihrer Gewinnschätzung gehandelt. Wir glauben, dass einige der Unternehmensbereiche doppelt soviel wert sein könnten wie aktuell das Gesamtunternehmen.

          Wie lautet Ihre kurz- und langfristige Prognose für den Healthcare-Bereich?

          Langfristig gesehen lohnt sich ein Engagement in dieser Branche. Kurzfristig sehen wir jedoch eine gegenläufige Entwicklung zum aktuellen Konjunkturtrend, der sich nach unserer Einschätzung in den nächsten sechs bis 24 Monaten als wirtschaftlicher Aufschwung voll entfalten wird. Dementsprechend dürfte das Gewinnwachstum in anderen, zyklischeren Bereichen des Aktienmarktes wohl dynamischer ausfallen. Ich habe erwähnt, dass die Biotech-Gruppe unserer Meinung nach derzeit viele Chancen für entsprechende Leerverkäufe bietet. Zu unseren Favoriten im Long-Investment-Bereich gehören unter anderem McKesson, King Pharmaceuticals, Pfizer und IDEC Pharmaceuticals.

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