https://www.faz.net/-gv6-rha3

Interview : „Der Anleger braucht Asien und Rohstoffe“

  • Aktualisiert am

„Klimaschutz braucht mehr politische Unterstützung”: Klaus Martini Bild: Wolfgang Eilmes

Klaus Martini, Chefanlagestratege der Deutschen Bank, über die attraktivsten Wachstumsregionen, die Rohstoff-Hausse und sein Faible für Gold.

          7 Min.

          Seit über drei Jahren bestimmt Klaus Martini in der Deutschee Bank, wo die Gelder der Kunden investiert werden. Er glaubt unter anderem an die chinesische Wachstumsstory und an Gold - weniger überzeugt ist er vom Öl.

          Wo finden Anleger derzeit die interessanteste Wachstumsstory?

          Die Musik spielt in Asien. Diese Region ist dabei, nach vielen Jahren hohen Wachstums die Welt zu verändern.

          Warum erst jetzt?

          Länder wie China und Indien haben erst jetzt das nötige Kapital. Die Kapitalzuflüsse und die Ersparnisse in diesen Ländern sind so hoch, das heißt, die Kapitalakkumulation ist so gigantisch, daß der Wohlstand steigt. Die Menschen werden reicher und können sich mehr leisten, zum Beispiel Autos. Das erhöht wiederum die Nachfrage nach Energie und Rohstoffen. Das Bevölkerungswachstum und der steigende Reichtum dieser Länder verschieben die Wachstumszentren auf dem Globus. Da stellt sich natürlich die Frage: Warum sollte man in Europa investieren, wo das Wachstum so niedrig ist?

          Wie lange wird denn die Wachstumsstory China tragen? Bis zu den Olympischen Spielen im Jahr 2008?

          Das ist die typisch deutsche Sichtweise. Ich werde immer gefragt, wie lange der Aufschwung in China eigentlich hält. Aber ich weiß auch nicht, was nach 2008 hier in Deutschland und in Amerika sein wird.

          Wo liegen denn die Risiken in China?

          Sie liegen sicherlich in der sozialen Spannbreite. Der Osten ist reich, der bäuerliche Westen ist arm. Der Staat will diese Einkommensunterschiede nicht ins Astronomische wachsen lassen, indem er die Lebensmittelpreise stark steigen läßt. Im vergangenen Jahr waren es etwa zehn Prozent. Es gibt also eine Art staatliche Umverteilungspolitik. So gibt man den Bauern, was man dem Konsumenten im Osten, der sich höhere Lebensmittelpreise leisten kann, wegnimmt. China ist ein Land, das seit 8000 Jahren zentralistisch geprägt ist, aber je wohlhabender das Land wird, desto demokratischer wird es werden. Dieser Weg zur Demokratie braucht jedoch seine Zeit, und da kann viel passieren. Aber ich würde das nicht als Hauptrisiko sehen. Schwerer wiegt da schon das Risiko steigender Öl- und Rohstoffpreise, da China sehr energieintensiv produziert.

          Und das Thema Corporate Governance? Drohen da nicht böse Überraschungen?

          Ich will mich nicht als Lobbyisten für China hinstellen, aber das Problem ist erkannt. Natürlich hat der Staat noch in vielen Unternehmen das Sagen. Aber er kann die Kontrolle gar nicht so schnell abgeben, weil es noch nicht genügend Manager gibt. Trotzdem, ich bleibe dabei: Das ist alles auf dem richtigen Weg.

          Wie soll sich ein Investor diesem Markt nähern?

          Nicht über Aktien, sondern über etablierte Fonds oder Zertifikate. Man muß auch nicht unbedingt direkt in China investieren. Ich kann ja auch außerhalb Chinas aktiv werden und trotzdem an dem Boom partizipieren, zum Beispiel über eine Investition in deutsche Unternehmen, die von der Globalisierung profitieren.

          Ist Japan eine Alternative?

          Ja absolut. Warum wächst denn Japan jetzt so schnell? Weil es das Tor zu Südostasien ist. Gehen Sie in eine chinesische Stahlfabrik, die Maschinen kommen zum Großteil aus Japan. Außerdem ist Japan selbst eine gelungene Restrukturierungsstory.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.