https://www.faz.net/-gv6-sgpc

Interview : Bogle: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“

  • Aktualisiert am

John Bogle Bild: Bloomberg

Der Aktienmarkt präsentiert sich weiterhin volatil. Wie soll sich der Privatanleger nun verhalten? Genau diese Frage stellte Emily Thornton von BusinessWeek dem Begründer der Vanguard Group, John Bogle, einem Vorreiter der Index-Anlagen.

          5 Min.

          Der Aktienmarkt präsentiert sich weiterhin volatil. Wie soll sich der Privatanleger nun verhalten? Genau diese Frage stellte Emily Thornton von BusinessWeek dem Begründer der Vanguard Group, John Bogle, einem Vorreiter der Index-Anlagen.

          Der altgediente Kenner der Fonds-Branche und Autor des kürzlich erschienenen Buches The Little Book of Common Sense Investing rät, mindestens zwei kluge Ratschläge zu beachten: Erstens, legen Sie immer einen angemessenen Anteil Ihres Portfolios in Anleihen an. Zweitens, versuchen Sie, Ruhe zu bewahren. Nach Ansicht von Bogle könnte der Aktienmarkt noch um weitere 15 bis 20 Prozent nachgeben.

          Im Moment haben wir es mit schwierigen Kredit- und Aktienmärkten zu tun. Wie sollten sich Privatanleger Ihrer Meinung nach verhalten?

          Ich würde die Privatanleger in zwei Gruppen einteilen. Sind sie Spekulanten, so werden sie kalte Füße bekommen, und da alles noch schlimmer werden könnte, sollten sie sich wahrscheinlich lieber aus dem Marktgeschehen zurückziehen. Doch ich fühle mich bei diesem Rat nicht wohl, da ich Spekulanten keine Ratschläge erteile.

          Wir haben auf dem Markt ganz eindeutig ein Vertrauensproblem. Ebenso eindeutig haben wir uns - wie bei allen Marktzyklen - weg von der Hoffnung und hin zur Gier bewegt, bis wir nun bei der Angst angelangt sind. Am Ende kehrt die Hoffnung zurück. Und ganz am Ende kehrt die Gier zurück. Ich glaube allerdings, dass es noch eine ganze Weile dauern wird, bis sich diese Art Gier wieder einstellt, mit der wir es in der letzten Zeit zu tun hatten.

          Würde ich dagegen einen Privatanleger beraten, so ist es wichtig, an dieser Stelle zu differenzieren. Hat er bei seinem Einstieg in diesen Markt sein Geld so angelegt, wie man es anlegen sollte - also in jungen Jahren eine kleine Anleihenposition, im mittleren Lebensalter eine durchschnittliche Anleihenposition und im Rentenalter eine recht ansehnliche Anleihenposition aufgebaut -, so würde ich ihm raten, überhaupt nichts zu tun. Seine Absicherung besteht darin, dass die Anleihenkurse steigen und dass Anleihen Erträge abwerfen. Niemand wird dem Anleger diese Erträge wegnehmen. Er sollte einfach ausharren und gar nichts tun.
          Selbst wenn ich ziemlich sicher wäre, dass sich die Talfahrt fortsetzt - und ich denke, dass dies gar nicht so unwahrscheinlich ist -, so würde ich nicht nur dem richtigen Ausstieg, sondern auch dem richtigen Einstieg Bedeutung beimessen. Man muss sich zweimal richtig verhalten. Steigt der Anleger jetzt aus dem Marktgeschehen aus, und gibt der Markt um weitere 15 oder 20 Prozent nach, was durchaus möglich ist, so wird der Anleger so besorgt sein, dass er nicht wieder einsteigen wird. Ich bin für das Durchhalten. Mein persönliches Portfolio besteht zu 60 Prozent aus Anleihen und zu 40 Prozent aus Aktien, und daran habe ich nicht das Geringste geändert. Auf beiden Seiten bin ich ein weitgehend indexorientierter Anleger. Ich habe in den vergangenen sechs oder sieben Jahren keine maßgeblichen Änderungen an meinem Portfolio vorgenommen. An einem Tag wie heute könnte mein Portfolio am Abend genau so viel wert sein wie am Morgen, da die Anleihen ein Prozent zugelegt und die Aktien 2 bis 3 Prozent abgegeben haben.

          Weitere Themen

          Das verrückte zweite Börsenquartal

          Scherbaums Börse : Das verrückte zweite Börsenquartal

          Erst kam der Corona-Crash, dann ging es temporeich auf den Gipfel zurück, wobei Anleger mit Aktien wie Tesla ein Vermögen machen konnten. Dadurch wächst die Gefahr zu hoher Erwartungen.

          Topmeldungen

          FC Bayern im DFB-Pokalfinale : Die große Anspannung des Manuel Neuer

          In diesem Jahr ist alles anders vor dem Finale des DFB-Pokals für den FC Bayern und Gegner Leverkusen. Torhüter Manuel Neuer erwartet eine „Lebenserfahrung“. Ein Nationalspieler steht derweil vor seinem Comeback bei den Münchnern.

          Macrons neuer Premierminister : Wer ist Jean Castex?

          Für Staatspräsident Macron läuft mit dem Rücktritt von Premierminister Édouard Philippe alles nach Plan. Der Weg für einen Politikwechsel ist frei. Einen Nachfolger hat er auch schon ernannt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.