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Interview : Bogle: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“

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Kennen Sie die alte Redensart, die besagt, dass sich alle glücklichen Familien gleichen, während alle unglücklichen Familien auf ihre eigene Art unglücklich sind? Man kann die Bedingungen, die einem Markt zugrunde liegen, niemals auf einen anderen Markt übertragen. Dies ist eine ziemlich ernste Angelegenheit. Wir wissen, dass wir in einer Welt leben, die durch Kredite gelenkt wird - durch zu viele Kredite und eine zu lockere Kreditvergabe. Dieser irrationale Überschwang fordert seinen Tribut.

Warum würde es Sie nicht überraschen, wenn der Aktienmarkt um weitere 15 Prozent einbräche?

Der Markt entwickelt eine gewisse Eigendynamik, und daher könnte es passieren. Das heißt nicht, dass es passieren wird. Es könnte passieren. An einem Aktienmarkt ist alles möglich, das können Sie mir glauben! Das Vertrauen in das Marktgeschehen ändert sich. Man misst das Vertrauen anhand des Kurs-Gewinn-Verhältnisses, das hier wohl um etwa 10 Prozent von 18 auf 16 gesunken ist. Der langfristige Durchschnitt liegt bei etwa 15. Ich beobachte dieses Geschehen. Ich weiß selbst nicht, wie ich mich genau verhalten soll, doch ich habe auch kein Bedürfnis, es zu wissen. Ich glaube nicht, dass ich mein Aktien-Anleihen-Verhältnis jemals verändern werde.

Es gibt Stimmen, die behaupten, was sich 1987 an den Börsen ereignet hat, könnte erneut auf uns zukommen. Trifft das Ihrer Ansicht nach zu?

1987 ist eigentlich so gut wie nichts geschehen. Denken Sie nur mal darüber nach. Innerhalb eines kurzen Zeitraums - eines einzigen Tages - war so ziemlich alles vorbei. Der Markt ist um etwas weniger als 25 Prozent eingebrochen, doch am Ende des Jahres hatte er 3 Prozent zugelegt. 1987 war ein gutes Börsenjahr, was ich von 2007 nicht denke. Doch wenn die Leute meinen, es könne wie 1987 werden, dann sollten sie beten, dass dies der Fall ist!

Überrascht es Sie, dass sogar die offenen Investmentfonds an den Geldmärkten von diesem Kreditchaos betroffen sind?

Dies betrifft nicht die an den Geldmärkten gehandelten Investmentfonds als solche, sondern jene, die höhere Renditen anbieten. So weit ich weiß, wird jeder Geldmarktfonds noch immer mit einem Dollar bewertet, doch in diesem Geschäft sind alle stets bestrebt, etwas zu verkaufen. Sind die Geldmarktrenditen gering, so berichtet man Ihnen von einem Geldmarktfonds, der Ihnen eine höhere Rendite bietet. Wie gelangt man an höhere Renditen? Man kauft minderwertigere Papiere. So einfach ist das. Und den Preis zahlen Sie. Leute, die mit Geldmarktfonds spekulieren, müssen schon sehr einfältig sein.
Ich ziehe Index-Fonds vor, der Markt gehört mir, und ich bin glücklich damit. Märkte kommen und gehen. In meinem Buch verwende ich ein Zitat, das ich von Shakespeare entnommen habe. Die Marktbewegungen eines Tages sind wie „ein Märchen, erzählt von einem Dummkopf - voll Wut und Lärm um nichts.“ Mir scheint, als würde dies zu guter Letzt auf eine endgültige Wende in der lockeren Kreditvergabepraxis und der schludrigen Kreditanalyse hindeuten, die die jüngste Ära bestimmt haben.

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