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Interview : "Bei Börsenmänteln ist Geduld eine wichtige Tugend"

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Sam Winkel, Carthago Capital Bild: Carthago Capital Beteiligungen AG

Spekulanten hoffen bei einem Engagement in Börsenmänteln auf den schnellen Gewinn. Dabei sind solche Geschäfte ein Geduldsspiel, wie Sam Winkel von der auf das Segment spezialisierten Carthago Capital Beteiligungen AG erklärt.

          Börsenmäntel haben auf bestimmte Anlegerschichten schon immer eine besondere Anziehungskraft. Das hat mit den im Erfolgsfall riesigen Gewinnchancen zu tun. Gleichzeitig ist die Spekulation mit derartigen Konstrukten auch sehr risikoreich (lesen Sie dazu auch: Beim Handeln mit Börsenmänteln ist viel Fachwissen gefragt).

          Mit der allgemeinen Belebung der Aktienmärkte hat auch das Segment der Börsenmäntel zuletzt wieder eine spürbare Belebung erfahren. FAZ.NET sprach aus diesem Anlaß mit Sam Winkel, Vorstand der Bremer Carthago Capital Beteiligungen AG (ISIN: DE0005418404, 21,50 Euro). Winkel gilt als ausgewiesener Kenner der Szene, zählt zu den Kerngeschäftsfeldern der börsennotierten Carthago Capital Beteiligungen AG doch auch die Akquisition und Umwidmung von Börsenmänteln.

          Daneben ist die Gesellschaft in der Corporate Finance-Beratung für Börsenkandidaten und börsennotierte Unternehmen sowie dem Arbitrage-Handel tätig und hat sich auf Beteiligungen an unterbewerteten börsennotierten Unternehmen spezialisiert. Offenbar mit Erfolg, denn nach einem Gewinn je Aktie von einem Euro im Vorjahr sollen 2005 mindestens 1,50 Euro erwirtschaftet werden.

          Herr Winkel, was sind die Gründe dafür, daß Mantelspekulationen zuletzt wieder beliebter geworden sind?

          Nach einem eher zurückhaltenden Jahr 2004, rückte das Thema der Mantelspekulation 2005 tatsächlich wieder deutlich mehr in den Fokus der Interessenten und Investoren. Gründe hierfür sind, daß die Börsenlandschaft wieder an Konturen gewinnt und Anleger und Investoren ihren durch die langwährende Baisse aufgekommenen Vertrauensverlust nach und nach abbauen.

          Was reizt die Anleger an dem Segment, was sind die Erfolgstugenden und wo liegen die Risiken?

          Aus Anlegersicht ist die Mantelspekulation insbesondere dann interessant, wenn man den Reiz des Besonderen liebt und Geduld mitbringt. Viele Börsenmäntel zeichnen sich durch eine jahrelange Seitwärtsbewegung im Kurs aus, um dann, nach Abschluß der Manteltransaktion, einen starken Kursanstieg aufzuweisen. Dennoch muß der Anleger vorsichtig sein: Insbesondere bei Insolvenzwerten muß man sich bewußt sein, daß hier hohe Risiken schlummern. Nicht jeder insolvente Wert wird zum Börsenmantel, teilweise wird die Börsennotierung einfach nach Abschluß des Insolvenzverfahrens eingestellt.

          Eine der wichtigsten Tugenden im Börsenmantelgeschäft ist Geduld. Häufig sehen Anleger außergewöhnliche Kursentwicklungen innerhalb kurzer Zeiträume und vergessen dabei, daß fast immer Jahre der Wartens dem vorher gingen. In vielen Fällen ist es durchaus so, daß ein Börsenmantel gut abgehangen sein muß, bevor er knitterfrei, das heißt ohne Altlasten an den Käufer übergeben werden kann.

          Was macht Börsenmäntel aus Sicht eines Unternehmens mit Börsenplänen interessant?

          Aus Käufersicht sind die wichtigsten Argumente für den Kauf eines Börsenmantels: Schnelligkeit, der Preis und die Flexibilität.

          Klassische Börsengänge haben eine Vorlaufzeit von Monaten oder teilweise Jahren, wie man am Beispiel des für 2006 geplanten Börsengangs der Deutschen Bahn sehen kann. Mit einem Börsenmantel kann man innerhalb von wenigen Wochen den Weg an die Börse gehen.

          Klasssiche Börsengänge haben ihren Preis - und der liegt häufig jenseits von einer Million Euro allein für die Konsortialbanken. Es kommen Kosten für Wirtschaftsprüfer und Rechtsberater noch hinzu. Börsenmäntel sind häufig schon für weniger als eine Million Euro zu erhalten. Genaue Preise können wir leider nicht nennen, da dies in jedem Fall individuell von den Anforderungen des Kunden sowie vom Marktsegment abhängig ist.

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