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Interview : „Australische Rohstoffaktien sind alles andere als zu teuer“

  • Aktualisiert am

Der Blick auf die Kurse in Sydney bereitet oft Freude Bild: AP

Der Nestor Australien Fonds ist nicht nur seit Auflage der erfolgreichste Fonds seiner Kategorie, sondern im ersten Halbjahr war er der beste Fonds in Deutschland überhaupt. Grund genug für ein Interview mit Fondsberater Wilhelm Schröder.

          5 Min.

          Im ersten Halbjahr glänzte der Nestor Australien Fonds bei einem Plus von 23,6 Prozent mit der besten Wertentwicklung unter allen in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Aktienfonds. Doch der Fonds überzeugt nicht nur kurzfristig. Seit der Auflage am 22.5.2002 hat es der Fonds auf ein Plus von 132 Prozent gebracht. Mit dieser Bilanz ist er seitdem die Nummer eins unter den hiesigen Australien-Fonds. Gemessen am Vergleichsindex beträgt die Outperformance rund 52 Prozent (Isin LU0147784119).

          Da sich der Fonds auf die seit Jahren sehr konstant nach oben laufende australische Börse konzentriert und zudem ein Großteil des Portfolios aus Rohstoffaktien besteht, womit er von der Rohstoffhausse profitiert, stehen die Chancen gut für eine auch weiterhin überzeugende Wertentwicklung. Angelockt von dieser Annahme sprach FAZ.NET mit dem Fondsberater Wilhelm Schröder.

          Herr Schröder, wie hat sich angesichts der seit Jahren steigenden Kurse an der australischen Börse und der Rohstoff-Hausse das Fondsvolumen entwickelt?

          Der Fonds hat inzwischen ein Volumen von 21 Millionen Euro erreicht. Damit ist er zwar noch immer relativ klein. Aber im März hatten wir erst zehn Millionen Euro unter Verwaltung. Zwei Drittel des Zuwachses resultieren dabei aus Zuflüssen und ein Drittel aus dem Wertzuwachs. Ich hätte zwar nichts dagegen, in eine Größenordnung von bis zu 40 Millionen Euro hineinzuwachsen. Viel größer sollte der Fonds aber nicht werden. Mit einem Volumen von 100 Millionen Euro wäre die von mir verfolgte Anlagestrategie vermutlich nicht mehr so erfolgreich wie zuletzt umzusetzen.

          Wie würde Sie diese Anlagestrategie umschreiben?

          Ich verfolge einen agressiven Stockpicking-Ansatz und gehe agressive Wetten auf Branchen ein. Das oberstes Ziel ist die absolute Performance, der Vergleichsindex wird nur als Maßstab für den Erfolg, aber nicht für die Gewichtung im Fonds herangezogen. Verstärkt wird im Nestor Australien Fonds auch in kleinere Firmen investiert. Meine Anlagestrategie würde ich zudem mit einem tendenziell antizyklischen Value-Ansatz beschreiben, der wie die eher schwache Wertentwicklung im Jahr 2005 durchaus auch kurzfristige Risiken birgt.

          Viel Wert lege ich auf häufige Firmenbesuche und Meetings sowie tägliche Telefon-Kontakte mit dem Management. Gerade bei kleineren Firmen ist diese Nähe ein entscheidendes Kriterium. Dank meiner langjährigen Erfahrung mit dem australischen Markt habe ich außerdem ein umfangreiches eigenes Netzwerk und Zugriff auf das Research diverser australischer Broker.

          Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe, die für ein Engagement an der australischen Börse sprechen?

          Australien hat Investoren viele Vorzüge zu bieten. Dazu zählen neben einem sicheren und stabilen politischen Umfeld überzeugende volkswirtschaftliche Rahmendaten sowie die Nähe zu den asiatischen Wachstumsmärkten, insbesondere China. Über 55 Prozent der Exporte gehen nach Asien. Australien ist bekanntlich der größte Exporteur von Rohstoffen wie Kohle, Eisenerz, Gold, Getreide. Außerdem ist das Land ein wachsender Exporteur von Dienstleistungen. Bereits jetzt machen diese rund 25 Prozent der Exporte aus.

          Als schöner Nebeneffekt kommen eine geringe Korrelation der Kurse zu den Weltbörsen hinzu sowie über die Jahre hinweg stabile Returns. Während es der Dax in den vergangenen zehn Jahren auf ein jährliches Plus von 13,5 Prozent gebracht hat und der S&P-500-Index auf plus 11,9 Prozent, schaffte der S&P/ASX 200 immerhin 15 Prozent. Die Korrelation zum Dax belief sich in dieser Zeit auf lediglich 0,56 und zum S&P 500 auf 0,68. Der S&P/ASX 2000 mußte trotz der heftigen Kursschwankungen an vielen Weltbörsen in den vergangenen zehn Jahren außerdem nur einmal ein Jahresminus ausweisen.

          Was gefällt Ihnen volkswirtschaftlich betrachtet so gut an Australien?

          Die konservative Regierung sitzt seit vielen Jahren sicher im Sattel und sie verfolgt eine konsequente Privatisierungsstrategie. Australien verbuchte in den vergangenen zehn Jahren ein nachhaltiges überdurchschnittliches Wachstum von im Schnitt 3,9 Prozent. Deutschland schaffte in diesem Zeitraum nur ein Wirtschaftswachstum von durchschnittlich 1,3 Prozent.

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