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Interview : „Australien befindet sich in einer komfortablen Budgetsituation“

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Richard Gibbs, Chefökonom der Macquarie Bank in Sydney Bild: Privat

Die australische Wirtschaft zeigt wieder frische Dynamik. Die anhaltende Nachfrage nach Rohstoffen und mögliche Zinssenkungen dürften sie stützen, so Richard Gibbs, Chefökonom der Macquarie Bank, im folgenden Interview.

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          Die australische Wirtschaft zeigte in den vergangenen Monate zwar zwischenzeitlich gewisse Schwächezeichen, das hinderte die Börse des Landes nicht daran, den Aufwärtstrend fortzusetzen auf neue Rekordniveaus.

          Die Börsianer scheinen allerdings bis auf weiteres Recht zu behalten. Denn die jüngsten Indikatoren deuten auf frische Dynamik hin. Sie dürfte gestütz werden durch die anhaltende Nachfrage nach Rohstoffen und mögliche Zinssenkungen, so Richard Gibbs, Chefökonom der Macquarie Bank in Sydney, im folgenden FAZ.NET-Interview.

          Er zeigte sich schon im vergangenen Jahr recht optimistisch und lag damit völlig richtig.

          Auf der einen Seite sahen wir in den vergangenen Tagen am Devisenmarkt in Verbindung mit dem schwachen Neuseeland-Dollar auch Schwächezeichen beim australischen Dollar. Auf der anderen Seite markiert die australische Börse beinahe täglich neue Rekordhochs. Wie paßt das zusammen?

          Ich denke der Schwächeanfall des australischen Dollars wurde tatsächlich verursacht durch den Neuseeland-Dollar und die Frage, ob die Kurs-Gewinne der hochverzinslichen Währungen nachhaltig sein können. Auf der anderen Seite machte genau diese Bewegung australische Vermögenswerte für internationale Anleger interessanter.

          Hat sich das so gezeigt?

          Ja, wir sehen vor allem im Rohstoffbereich eine anhaltend starke Nachfrage aus aller Welt. Sie zeigt sich insbesondere bei Massenware, bei der Australien stark positioniert ist.

          Gibt es weitere Gründe?

          Ja, der australische Markt wird auch gestützt von der anhaltenden Nachfrage nach Altersvorsorgeprodukten. Der Umfang dieser Mittel beläuft sich inzwischen auf mehr als 800 Milliarden australische Dollar und wird sehr wahrscheinlich noch im laufenden Jahr einen Betrag von einer Billion Dollar in lokaler Währung erreichen. Und ein großer Teil dieser Mittel werden an der australischen Börse investiert.

          Und diese Trends werden sich fortsetzen?

          Ich denke, zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann man davon ausgehen. Denn die Bewertungen werden betrachtet über alle Branchen fundamental unterstützt. Das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, daß es innerhalb des breiten Spektrums Gewinner und Verlierer gibt. Denn jene Unternehmen, die sich primär auf den australischen Binnenmarkt konzentrieren, werden kaum so gut abschneiden wie die Rohstoff- oder die international orientierten Industrieunternehmen.

          Blickt man auf die Bewertung der australischen Börse so liegt das durchschnittliche Kurs-Gewinnverhältnis (KGV) gemessen am S&P ASX 200 Index auf Basis der Gewinnschätzungen bei etwa 16. Ist das attraktiv?

          Schaut man sich alleine den Rohstoffbereich an und blickt zurück, wo die Bewertungen im Rohstoffboom in den sechziger und siebziger Jahren lagen, so kam die Aktie von Rio Tinto auf KGVs von bis zu 30. Geht ma von einem „Rohstoffsuperzyklus“ aus, so dürften Werte wie Rio weiteres Aufwärtspotential bieten. (Anm. d. Redaktion: Das KGVe von Rio Tinto liegt derzeit bei 11,8).

          Ist der gegenwärtige Optimismus nicht zu groß? Besteht nicht das Risiko, daß sich das amerikanische und schließlich auch das chinesische Wachstum abschwächen wird? Ich sah vor kurzem eine Analyse, die für China noch Wachstumsraten von sieben Prozent prognostiziert!

          Auch wir denken, daß die Wachstumsraten in China im laufenden und im kommenden Jahr kleiner werden werden. Das bedeutet jedoch nicht, daß die wirtschaftlichen Aktivitäten zurückgehen werden, sondern sie dürften sich anders als bisher zusammensetzen. Statt stark steigender Exportüberschüsse wird die Binnennachfrage stärker werden. Der „Produktions- und Infrastrukturriese“ wird langsamer werden, während der Konsum mit steigenden Einkommen an Bedeutung gewinnen wird.

          Was bedeutet das für Australien?

          Die chinesische Nachfrage nach Rohstoffen wird in den kommenden zwölf Monaten sehr wahrscheinlich ein Hoch erreichen. Das heißt jedoch nicht, daß sie zurückgehen wird, sondern die Wachstumsraten dürften zurückgehen. Dazu kommt die Nachfrage anderer sich industrialisierender Staaten wie etwa Indien nach Rohstoffen, vor allem in Energiebereich. Gleichzeitig werden sich die chinesischen Handelsströme verändern. Sie dürften zunehmend Güter und Dienstleistungen importieren, die die wohlhabender werdende Mittelschicht zunehmend nachfragt, um ihren Lebensstandard zu verbessern.

          Wird sich die Art der Nachfrage ändern?

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