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Interview : „Anleger brauchen in China einen langen Atem“

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Martin Lau, Manager des First State Greater China Growth Fund Bild:

Auch in China läuft wirtschaftlich längst nicht mehr alles rund. Trotzdem gibt die Börse in diesem Jahr eine gute Figur ab. Martin Lau, Manager des First State Greater China Growth Fund verrät, wie er die Lage beurteilt.

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          Nach einem überaus schwachen Jahr 2008 hat sich die chinesische Börse in diesem Jahr mit überraschend deutlichen Kursgewinnen zurückgemeldet. Chinas Wirtschaft ist jedoch nicht frei von Sorgen. So stellt sich die Frage, wie lange die freundliche Tendenz noch anhalten kann.

          Zu diesem Thema haben wir Martin Lau, Manager des First State Greater China Growth Fund (ISIN: GB0033874107) befragt. Sein Urteil hat deshalb Gewicht, weil der von ihm verwaltete Fonds in der Kategorie Aktienfonds China & Hongkong mit einem Plus von 108 Prozent über den Zeitraum von fünf Jahren die beste Performance erzielt hat.

          Wie würden Sie Ihre Anlagephilosophie beschreiben?

          Wir verfolgen einen aktiven Bottom-Up-Ansatz und fokussieren uns dabei auf die Titelauswahl. Bei der Selektion achten wir nicht nur auf das Aufwärts-, sondern auch auf das Abwärtspotenzial eines Titels. Ziel ist es, das Risiko zu minimieren. Wir investieren in Qualitätsfirmen mit starken Fundamentaldaten und vertrauen dabei auf eine disziplinierte Vorgehensweise. Wir mögen solide Unternehmen mit einem guten Management, einer erfolgreichen Bilanz in der Vergangenheit und einer gesunden finanziellen Position.

          Der Fonds hat seine Benchmark langfristig klar geschlagen. Was sind die Gründe dafür?

          Dazu beigetragen haben unsere Aktienauswahl und Disziplin bei den Bewertungskriterien, die wir anwenden. Unser Hauptaugenmerk liegt auf Unternehmen, von denen wir annehmen, dass sie langfristig zu den Gewinnern zählen werden. Zuletzt haben wir einen etwas defensiveren Ansatz verfolgt, wobei der Schwerpunkt auf dem operativen Cash Flow liegt und den Bewertungen.

          Was erwarten Sie von der chinesischen Wirtschaft in diesem Jahr und auch danach?

          Der chinesische Aktienmarkt ist zwar mit Sicherheit günstiger bewertet als früher, aber wir rechnen in absehbarer Zeit nicht damit, dass dem Markt wieder ein höheres Bewertungsniveau zugestanden wird. Langfristig halten wir die Aussichten aber für attraktiv. Diese Annahme wird untermauert durch die hohe Sparrate der Konsumenten und dem soliden Staatshaushalt. Wegen der fallenden Exporte und der steigenden Arbeitslosenzahlen gibt es aber kurzfristige Herausforderungen.

          Wir sind der Meinung, dass sich die chinesische Volkswirtschaft von einem Export- und Investmentgetriebenen Modell hin zu einem mehr konsumorientierten Modell verändern muss. Und das wird nicht einfach werden. Denn China ist zuletzt in eine Deflation hineingeschlittert. Eine Deflation ist generell nicht gut für den Konsum und - noch wichtiger - auch nicht gut für die Unternehmensgewinne. Die Gewinnmargen dürften unter Druck stehen. Folglich ist es wichtig, Unternehmen mit Preismacht zu finden.

          Nach meiner Meinung bringt China alles mit, um langfristig einen ähnlich negativen Kreditzyklus zu entwickeln wie es in Amerika der Fall war. Das Land scheint zudem anfällig für Blasen jedweder Art zu sein. Was macht Sie dennoch zuversichtlich?

          Der wichtigste Punkt ist, dass die chinesischen Privathaushalte in keinerlei Hinsicht auf ähnliche Verschuldungsgrade kommen wie die Menschen im Westen. Die Staatsverschuldung ist mit rund 30 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt sehr niedrig und die Spargelder im Bankensystem belaufen sich auf rund 150 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt. Insgesamt befindet sich die Regierung finanziell in einer sehr guten Position, was ihr sehr viel Flexibilität verleiht. Außerdem hat das Land im Laufe des vergangenen Jahrzehnts riesige Devisenreserven angehäuft. Das bringt uns dazu, die weiteren Aussichten positiv zu beurteilen. Die Kommunistische Partei Chinas wurde von einem Kommentator als die weltweit liquideste Finanzinstitution bezeichnet.

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