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Interview : „An den Ostbörsen dürfen die Anleger jetzt nicht zu gierig werden“

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Traut den Ostbörsen weiteres Kurspotenzial zu: Osteuropa-Experte Andreas Männicke Bild:

An den Aktienmärkten in Osteuropa ist noch immer Kurspotential vorhanden, glaubt Andreas Männicke. Gleichzeitig warnt der Osteuropa-Aktienexperte im FAZ.NET-Interview aber davor, daß zu viel Gier zum Bumerang werden könnte.

          Die Börsen in Osteuropa steigen und steigen. Und da kein Ende des Aufschwungs in Sicht ist, lohnt es sich hier aus Anlegersicht, ständig am Ball zu bleiben. Eine wichtige Informationsmöglichkeit sind dabei Gespräche mit Osteuropa-Experten.

          Zu den ausgewiesenen Experten der ersten Stunde, welche die Märkte in Osteuropa praktisch schon seit dem Fall der Mauer begleiten, gehört Andreas Männicke. Wir haben den Geschäftsführer von ESI East Stock Informationsdienste GmbH, deshalb gefragt, was er momentan über die Aktienmärkte in Osteuropa denkt.

          Herr Männicke, nach der Aufnahme in die EU haben die meisten Börsen der beigetretenen Länder weiter deutlich zugelegt. Sehen wir hier erste Anzeichen für eine Überhitzung oder haben diese Märkte weiter Luft nach oben?

          Es stimmt die Börsen haben in diesem Jahr im Durchschnitt 20 bis 30 Prozent zugelegt, nachdem sie schon im Vorjahr die etablierten Westbörsen klar schlagen konnten. Ein „Bubble“ wie in den Jahren 1996/97 ist aber im Moment nicht erkennbar. Die Fundamentaldaten der meisten osteuropäischen Unternehmen haben sich in diesem Jahr extrem verbessert, so daß die Kurssteigerungen auch fundamental gerechtfertigt sind. Die Osteuropafonds sind zudem einige der wenigen Fondsgruppen, die in diesem Jahr ansehnlich Liquiditätszuströme bekommen haben. Insofern ist die Hausse auch liquiditätsgetrieben. Die Bewertungen sind aber mit KGVs von 10 bis 16 noch moderat, so daß bei anhaltend hohem Wachstum auch noch Kurspotential - vor allen bei den Ländern der zweiten Reihe - vorhanden ist.

          Dennoch sind nach so starken Kursavancen der vergangenen Jahre die Risiken höher, daß auch einmal wieder ein Rückschlag kommt. Dieser Rückschlag braucht gar keine internen, osteuropaspezifischen Gründe haben, sondern kann auch extern begründet sein, wie stark fallenden Rohstoffpreisen (hier wäre Rußland verwundbar), einen Wachstumsdämpfer in China , Emerging Market Krisen à la Argentinien oder weiteren Terroranschlägen. Wir leben heute in einer sehr unsicheren, wenig kalkulierbaren Zeit, weshalb eine derartige Hausse wie an den Ostbörsen schon bemerkenswert ist. Der größte Fehler wäre es aber, vergangene Performanceergebnisse in die Zukunft zu projizieren und jetzt zu „gierig“ zu werden zu wollen. Man sollte sich in Zukunft mit geringeren Renditen als in den vergangenen drei Hausse-Jahren bescheiden.

          Was sind Ihre Favoritenmärkte und was spricht für diese Börsen?

          Ich favorisiere schon seit einigen Jahren die Märkte der zweiten Reihe wie Bulgarien, Rumänien, Ukraine oder Kazakhstan. Auch mag ich die Börse Ljubljana in Slowenien gern - übrigens die einzige der Welt, die seit 1990 kontinuerlich gestiegen ist. Nur gibt es hier leider nur wenige Vehikel für westliche Anleger und die sind zudem meistens relativ illiquide. Ich glaube, die Märkte der zweiten Reihe und die noch nicht entdeckten Märkte werden weiterhin outperformen, gerade weil hier Osteuropafonds nur marginal vertreten sind.

          Was die Börsen der EU-Beitrittsländer betrifft, so kommt nach der EU-Fantasie jetzt die EWU-Fantasie, wobei die ersten Länder wohl erst ab dem Jahr 2010 der EWU beitreten werden. Von den halbwegs etablierten Ostbörsen - und hierzu zähle ich Moskau, Budapest, Warschau und Prag, bleibt Moskau mit Abstand der liquideste Markt. An der Moskauer Börse bestehen weiterhin - gerade wegen der hohen Volatilität bei den Blue Chips - sehr gute Tradingmöglichkeiten.

          Was sind aus Ihrer Sicht die spannendsten Einzelwerte?

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