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Interview : „2005 sind in Norwegen bei Aktien 15 bis 20 Prozent drin“

  • Aktualisiert am
Nordea-Fondsmanager Lingaas
          3 Min.

          Wer vor einem Jahr auf norwegische Aktien gesetzt hat, kann sich die Hände reiben. Der Osloer Aktienleitindex OBX ist in den vergangenen zwölf Monaten um 31,6 Prozent gestiegen. Gemessen an der durchschnittlichen Wertentwicklung von Länder-Aktienfonds mit einem Plus von gut 41 hat nur der österreichische Markt besser abgeschnitten. Österreich-Fonds haben im Mittel um fast 53 Prozent zugelegt. Im Rückblick auf das jüngste halbe Jahr war Norwegen sogar bei Fonds der beste Markt, gefolgt von Belgien an zweiter Position und Österreich an vierter Stelle. Dazwischen liegen Fonds, die auf Energietitel setzen.

          Deren Höhenflug parallel zum Öl- und Gaspreisanstieg ist wiederum eng verbunden mit der herausragenden Performance des norwegischen Aktienmarktes und entsprechender Fonds, wie Nordea-Fondsmanager Robert Lingaas im FAZ.NET-Interview ausführt. Auch erläutert er, warum er seinem Heimatmarkt im nächsten Kursgewinne von 15 bis 20 Prozent zutraut.

          Der Chart zeigt die prozentuale Kursentwicklung des Nordea Norwegian Equity Fund.
          Der Chart zeigt die prozentuale Kursentwicklung des Nordea Norwegian Equity Fund. :

          Gemessen an der durchschnittlichen Fondsperformance in den vergangenen zwölf Monaten ist der Aktienmarkt Norwegens der zweitbeste weltweit. Inwieweit ist diese Rally eine Folge des Ölpreisanstiegs, von dem Norwegen als Exporteur profitiert?

          Der Hauptgrund für die starke Entwicklung des norwegischen Aktienmarkts ist sicher in den gestiegenen Preisen für Energieträger und Rohstoffe zu suchen. Werte aus dem norwegischen Energie-Sektor haben sich binnen Jahresfrist um 40 Prozent verbessert. Der Oslo Stock Exchange Share Index (OSEBX) ist in diesem Zeitraum um 27 Prozent hochgelaufen.

          Titel wie die Aktie des Ölproduzenten Statoil haben trotz der Schwäche der vergangenen Tage besser abgeschnitten als der Leitindex. Werden solche Aktien weiterhin den Index schlagen?

          Öl-Aktien wie Statoil können sich weiter als Outperformer erweisen, wenn die Ölpreise in den nächsten drei bis sechs Monaten hoch bleiben. Aber sie dürften dem Index nicht mehr so weit vorauslaufen wie in den vergangenen zwölf Monaten, da die Ölpreise nicht mehr in diesem Maße steigen dürften.

          Außer Statoil haben Sie in Ihrem Nordea Norwegian Equity Fund die Titel des Finanzdienstleisters DnB NOR und des Telekommunikationskonzerns Telenor stark gewichtet. Was spricht für diese beiden Titel?

          DnB NOR weist ein starkes Gewinnwachstum auf nach dem Zusammenschluß mit Gjensidige NOR und profitiert dabei auch von der gut laufenden norwegischen Wirtschaft. Telenor weist eine der höchsten Wachstumsraten unter den europäischen Telekom-Konzernen auf; die Strategie des Unternehmens, international zuzukaufen und somit weitere Standbeine zu bilden, zahlt sich aus.

          Glauben Sie, daß sich der norwegische Aktien in der Zukunft genauso stark entwickeln wird wie in der jüngeren Vergangenheit?

          Der norwegische Aktienmarkt hat sich in den vergangenen 18 Monaten um 120 Prozent verbessert - so etwas hatte es zuvor noch nie gegeben. Damit sich die Rally grundsätzlich fortsetzen kann, brauchen wir Energiepreise auf ähnlich hohem Niveau wie derzeit. Das Barrell Öl muß aus unserer Sicht mindestens 35 Dollar kosten (derzeit sind es gut 48 Dollar bei der Nordsee-Sorte Brent). Zudem ist ein anhaltendes robustes Wachstum der Weltwirtschaft nötig und ein starkes Gewinnwachstum. Es scheint indes unwahrscheinlich, daß sich diese Gemengelage, so sie eintritt, genauso stark in den Aktienkursen niederschlagen wird wie 2003 und 2004.

          Wie schätzen Sie das Risiko einer Korrektur nach dem starken Anstieg ein?

          Derzeit scheint der norwegische Aktienmarkt eine Pause nötig zu haben. Gleichwohl erscheint mir bei einer guten Entwicklung der Rahmenbedingungen, wie ich sie genannt haben, ein durchschnittlicher Kursgewinn von 15 bis 20 Prozent bei norwegischen Aktien möglich. Dabei kommt es aber auch und gerade auf ausländische Investoren an, die sich mit norwegischen Aktien eingedeckt haben. Falls diese Anleger aber meinen sollten, etwa in Folge fallender Ölpreise lieber Gewinne mitzunehmen als investiert zu bleiben, könnte es merklich abwärts gehen.

          Welche drei norwegischen Aktien sollten Anleger kaufen?

          Wir mögen DnB NOR, den Industriekonzern Orkla (dessen Aktie sich auf dem Frankfurter Parkett trotz eines Kurssturzes im Mai binnen Jahresfrist um gut 28 Prozent verteuert hat, Anm.d.Verf.) sowie Statoil, obwohl der Zeitpunkt für einen Kauf wegen der für nächsten Mittwoch anstehenden Quartalszahlen nicht ideal ist. Vor solchen Ereignissen ist die Aktie wie derzeit merklichen Kursschwankungen unterworfen, und falls Statoil die Erwartungen nicht erfüllen sollte, könnte der Titel leiden.

          Zum Abschluß noch eine Frage zu Ihrem Fonds: Der Nordea 1 Norwegian Equity Fund hat binnen Jahresfrist gut 26 Prozent gewonnen, läuft damit aber dem Gesamtmarkt hinterher. Was unternehmen Sie, um diese Lücke zu schließen?

          Diese Underperformance ist zustande gekommen, weil wir Industrie- und Technologiewerte übergewichtet haben. Wir arbeiten aber gerade an möglichen Umschichtungen. Es kann gut sein, daß wir stärker in defensive Werte investieren werden.

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