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Interview : „15 Prozent Wertzuwachs geben Arabiens Börsen her“

  • Aktualisiert am

Rashad M. Khourshid, First National Bank in Beirut Bild: Wolfgang Eilmes

Die Börsen im Nahen Osten waren in den vergangenen Jahren sehr schwankungsanfällig. Rashad Khourshid managt den ersten europäischen Aktienfonds für arabische Länder und sieht die Region im folgenden Interview auf Augenhöhe mit Asien.

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          Die Börsen im Nahen Osten sind sicherlich nicht geeignet für die Witwen und Waisen unter den Anlegern. Denn in den vergangenen Jahren waren die dortigen Aktienmärkte sehr schwankungsanfällig.

          Einige Blue Chips werden nach inzwischen nach einer deutlichen Zwischenkorrektur mit einstelligen Kurs-Gewinn-Verhältnissen gehandelt, obwohl das Gewinnwachstum der Unternehmen oft zweistellig ist. Für die Volkswirtschaften am Golf erwarten Experten außerdem ein Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr von mehr als fünf Prozent.

          Diese Überlegung hat möglicherweise die Meridio Vermögensverwaltung dazu veranlasst, den nach eigenen Angaben ersten arabischen Aktienfonds in Deutschland aufzulegen. Mit Hilfe des Meridio ArabWorld Fonds (ISIN: LU0269579586) können Privatanleger erstmalig direkt in die Aktienmärkte der Golfstaaten investieren.

          Rashad Khourshid managt den ersten europäischen Aktienfonds für arabische Länder und sieht die Region im folgenden Interview auf Augenhöhe mit Asien.

          Herr Khourshid, die arabischen Länder sind deutschen Privatanlegern völlig fremd. Was soll deren Geld dorthin locken?

          Vor allem das hohe Wirtschaftswachstum. Sieben Prozent Wachstum in den Anlageregionen unseres Fonds - also den Golfstaaten, einigen Ländern des Nahen Ostens und Nordafrika - haben kaum andere Weltregionen 2006 geschafft. Und mit den erwarteten sechs Prozent in diesem Jahr kann die Region auch mit den Boomländern Asiens mithalten.

          Warum wachsen die Länder so stark?

          Einen großen Anteil daran hat natürlich das Öl. Der starke Preisanstieg in den vergangenen Jahren hat den Förderländern hohe Haushaltsüberschüsse beschert. 2006 hatten die Golfstaaten 380 Milliarden Euro mit dem Verkauf erzielt. Diese Summen müssen wieder investiert werden. Zunehmend wird das Geld nicht mehr nur in Amerika oder Europa angelegt, sondern auch in der arabischen Region selbst.

          Wie wird das Geld investiert?

          Es fließt zum Beispiel in die Petrochemie, die ja stark vom Öl abhängt. In den kommenden zwei Jahren sollen dort 230 Milliarden Dollar verbaut werden. Oder in Infrastruktur wie Straßen und Hochhäuser, den riesigen Flughafen von Dubai oder das Telekommunikationsnetz. Hier sollen 460 Milliarden angelegt werden. Das sind gigantische Summen, die das Wachstum anheizen.

          An den Börsen ging dieses Wirtschaftswachstum vorbei. Sie haben in den vergangenen zwölf Monaten fast 50 Prozent verloren.

          Es hatte sich eine Blase gebildet, die geplatzt ist. Die Korrektur war gut für den Markt. Betrachtet man die vergangenen fünf Jahre, sind die Kurse aber trotzdem noch deutlich im Plus. In Ägypten stiegen sie in diesem Zeitraum um 1000 Prozent, in Kuweit und Doha um 300 sowie in Jordanien um 200 Prozent.

          Und wie tief fallen die Kurse jetzt noch?

          Die Tiefststände dürften erreicht sein. Sieht man sich frühere Krisen in den Schwellenländern an, etwa Mexiko 1994, Asien 1997 oder die Türkei 2001, dann haben diese Märkte alle in einem Zeitraum von 12 bis 18 Monaten rund 60 Prozent verloren, bevor es wieder aufwärtsging. So tief sind wir jetzt in den arabischen Staaten. Es ist darum ein guter Zeitpunkt zum Einsteigen. Die Bewertungen sind mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 13 bis 15 moderat und nicht schlechter als in anderen Schwellenländern bei oft besseren Wachstumsaussichten.

          Was erwarten Sie denn für die Aktienmärkte in der Region?

          Sehr konservativ geschätzt, mindestens 15 Prozent Zuwachs in diesem Jahr, aber eigentlich deutlich mehr. Unser Fonds dürfte mindestens 20 Prozent erzielen.

          Dennoch können Sie einem Privatanleger Ihren Fonds angesichts der ökonomischen und politischen Risiken in der Region eigentlich gar nicht empfehlen.

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